"Hoeneß hat vollkommen die Bodenhaftung verloren": Politik und Medien finden die Forderung nach einer "Bundesliga-GEZ" absurd. Selbst aus der Liga kommt kaum Unterstützung.
Ein klares Nein aus der Politik, Skepsis im Fußball-Lager. Die Forderung von Uli Hoeneß nach einem Soli-Beitrag für den deutschen Profifußball ist weitgehend auf Ablehnung gestoßen. Aus Berlin erhielt Hoeneß, der eine "Bundesliga-GEZ" in Höhe von zwei Euro zur Finanzierung des deutschen Spitzenfußballs fordert, eine klare Abfuhr. "Seine Gedanken halte ich für unrealistisch und völlig überzogen. Das ist so irrwitzig, wie es nur irgendwie geht", sagte Peter Danckert (SPD), Vorsitzender des Sportausschusses im Bundestag, am Montag der dpa über die Idee des Managers von Rekordmeister Bayern München. Die Bundesliga reagierte zurückhaltend bis ablehnend. "Hoeneß weiß genau, dass das nicht umsetzbar ist", meinte Hoffenheims Manager Jan Schindelmeiser, "vielleicht hat er das aber nicht ganz ernst gemeint."
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Uli Hoeneß' Vorschlag stößt auf viel Kritik. (© Foto: dpa)
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Hoeneß hatte sich in einem Interview mit der Wirtschaftswoche dafür ausgesprochen, dass jeder der 37 Millionen Haushalte zwei Euro mehr Fernsehgebühr bezahlt, damit ARD bzw. ZDF die Fernsehrechte am deutschen Fußball komplett übernehmen könnten und die angeblich notleidende Fußball-Liga in Europa mithalten könne. Aus Kreisen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) wurden Bedenken am Hoeneß-Vorstoß laut, die ARD reagierte ablehnend. "Ich glaube nicht, dass die öffentlich-rechtlichen Sender dafür da sind, Fußball zu finanzieren", sagte Sportkoordinator Axel Balkausky in der Bild (Montag).
Die Vertreter der Politik wiesen entschieden darauf hin, dass die Erhebung von TV-Gebühren eine politische Entscheidung sei. Eine Zusatzgebühr sei mit Sicherheit als Beihilfe nicht EU-rechtskonform, meinte Christoph Waitz, der kultur- und medienpolitische Sprecher der FDP: "Hoeneß hat vollkommen die Bodenhaftung verloren. Ich frage mich, wie eine Abgrenzung zu anderen Sportarten möglich ist. Zahlen wir dann künftig zusätzlich 20 Cent für die Tour de France, 80 Cent für die Formel 1 und 1,20 Euro für die Handball-Bundesliga?" Laut Waitz könnte der Traum von Hoeneß "schnell zum Albtraum" werden.
Die Liga reagierte unterschiedlich. Hertha-BSC-Manager Dieter Hoeneß sprach sich für eine sachliche Diskussion über die "sinnvolle Abgabe" aus, Eintracht Frankfurts Vorstandschef Heribert Bruchhagen teilt "inhaltlich die Meinung von Hoeneß in der Tendenz" und Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke begrüßte den "positiven Denkanstoß". Ablehnend äußerte sich Hannovers Clubchef Martin Kind: "Auf einem freien Markt sollte man die freien Kräfte walten lassen." Keine Partei ergriffen Leverkusens Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser ("Eine nette Idee") und Karlsruhes Manager Rolf Dohmen ("Typisch Uli Hoeneß").
Laut Hoeneß würde das "Notopfer" im Jahr gut 900 Millionen bringen: "Damit kämen wir den 1,2 Milliarden Euro in England und den 1,1 Milliarden in Italien sehr nahe." Derzeit kassieren erste und zweite Liga pro Jahr rund 300 Millionen Euro. Ab der neuen Saison steigen die TV-Einnahmen auf 412 Millionen Euro. Der finanzielle Rückstand der Bundesliga werde "auf Dauer dazu führen, dass der deutsche Fußball enorme Schwierigkeiten bekommt, international mitzuhalten und noch einmal die Champions League zu gewinnen".
Europas Topklubs erhalten laut Hoeneß aus der TV-Vermarktung der nationalen Ligen jeweils zwischen 80 und 130 Millionen Euro. Der FC Bayern verdiene 50 Millionen pro Saison aus TV-Rechten, davon 30 Millionen aus der Bundesliga. Bei 100 Millionen Euro im Jahr, so Hoeneß, "würde ich unseren Fans glatt den Champions-League-Sieg in Aussicht stellen".
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(sueddeutsche.de/dpa/aum)
----"...Tatsächlich ist die Bereitschaft in Deutschland wohl generell wesentlich geringer, Geld für Fußball auszugeben..."----
Es ist eben ein Unterschied, ob zwei (oder von mir aus auch drei oder vier) Euro im Raum stehen - oder 19,99 Euro pro Monat. Und das will Premiere nicht kapieren. Premiere reiht sich ein in die Vielzahl heutiger Unternehmen, die nur auf kurzfristiges Geld aus sind, anstatt sich einen Status zu erarbeiten, der dauerhaft Erfolg verspricht. Es soll mir niemand erzählen, dass für Fußball in Deutschland kein Markt vorhanden ist. Aber stets versucht man bei Premiere mit neuen Preismodellen einige wenige Neukunden zu ködern, während man nicht selten die Stammkunden vor den Kopf stößt. Die Quasi-Monopolstellung wird gnadenlos ausgenutzt, ohne zu realisieren, dass es bei solchem Gebaren nicht nur darauf ankommt, ob sich jemand die 19,99 Euro pro Monat tatsächlich leisten kann, sondern auch darauf, ob jemand überhaupt bereit ist, Kunde von Premiere zu werden - oder eben nicht, weil er aus Prinzip kein Kunde sein will. Viele haben es offenbar satt, ständig auf Kündigsfristen achten zu müssen, auf Vorteil-Doppelpacks, Aktivierungsgebühr, Dankeschön-Prämien, Zweitabos und ähnlichen Firlefanz. Nur der Preis sollte entscheiden. Das kapieren die aber nie.
Na alles klärchen, Hoeneß hat keine Zwangsabgabe im Sinn gehabt, bloß freiwillig zwei Eurönchen von jedem Haushalt pro Monat usw. und alle haben's mal wieder nicht gecheckt und die Medien hetzen und die Dumpfbacken fallen drauf rein und den armen Hoeneß kann ja sowieso keiner leiden...
Kleiner Haken an der Sache: Mit "freiwilligen" Abgaben, wie man sie derzeit jederzeit an Premiere leisten kann, nimmt die Liga aktuell 300 Mio. p.a. ein. Hoeneß möchte 900 haben. Funktioniert das ganze jetzt durch Hoeneß'sche Handauflegung und Salbaderei in irgendwelchen Pseudo-Wirtschaftsmagazinen? Wohl kaum! Also bleibt letzten Endes nur das, was die meisten verstanden haben und wie es wohl auch gemeint war: Zwangsabgabe durch GEZ. Und mit staatlichen Mitteln gibt es nun mal, dabei bleibe ich, besseres zu tun als Profifußballclubs zu fördern.
Tatsächlich ist die Bereitschaft in Deutschland wohl generell wesentlich geringer, Geld für Fußball auszugeben. Die Premier League macht das große Fernsehgeld ja auch nicht mit der Massenverbreitung über Dumping-Preise, sondern im Gegenteil über Preise, bei denen hier in Deutschland die PayTV-Rate wahrscheinlich gegen Null tendieren würde.
Der Vorschlag (die Träumerei, was auch immer) ist und bleibt dummdreister Quatsch.
Immer wieder witzig, die roten Balken.
Okay - informieren ist einfacher als meckern, man sollte erst schreiben, dann lesen. Es sind keine Väter mit ihren Kindern im Stadion und das mit den saufenden Vätern in den lächerlichen Kostümen ist keine Unverschämtheit.
Besser? :-))
Waren Sie schon mal im Stadion? Haben Sie schon einmal gesehen, wieviele Väter mit ihren Kindern da sind? Erst lesen, dann schreiben. U.H. hat KEINE Zwangsabgabe gefordert, nichts dergleichen. Aber meckern ist ja einfacher als sich informieren.
Und das mit den saufenden Vätern in den lächerlichen Kostjümen ist eine Unverschämtheit.
Ich bitte dann um nur 2 Cent pro Monat, nach Hoeness-Rechnung gut 9 Mio pro Jahr, für den Galopprennsport. Das ist immerhin weltweit die Sportart mit den meisten Zuschauern, Deutschland ist Weltspitze, aber die Medien kümmert es nicht, denn außer Fußball gibt es in Deutschland ja keinerlei Sport. Naja, vielleicht im Winter ein paar Monate Biathlon.
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