Die DDR-Athletin Ines Geipel hatte für die Aberkennung ihres eigenen Rekords mit dem Deutschen Leichtathletik-Verband gestritten. Sie sei als Sprinterin zwangsgedopt gewesen. Der DLV entsprach ihrer Forderung. Zufrieden ist jedoch keine der Parteien.
Bei seiner Entscheidung zum Umgang mit Doping-Rekorden stieß der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) an juristische Barrieren. Zwar entsprach der Verbandstag des DLV dem Antrag der früheren Weltklassesprinterin Ines Geipel und lässt ihren Namen aus der nationalen Rekordliste löschen.
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Allerdings bleibt dies ein Einzelfall. Gegen den Willen der Athleten ist eine rückwirkende Aberkennung aller nachweislich mit Doping-Unterstützung aufgestellten Bestmarken rechtlich nicht möglich. "Ein Schwerthieb, mit dem der gordische Knoten durchgeschlagen werden kann, war es nicht", sagte DLV-Präsident Clemens Prokop nach der Sitzung am Freitagabend.
"Falsches Signal"
Entsprechend zwiespältig nahm Ines Geipel die Entscheidung auf. "Ich persönlich bin zufrieden, dass mein Namen gestrichen wurde. Doch insgesamt hat man die Chance vertan, sich von der Doping-Hypothek des DDR-Sports zu befreien", meinte die heutige Professorin für Vers-Geschichte in Berlin. "Es ist ein falsches Signal, es ist ziemlich mau."
In einer Zeit, in der Sport grenzwertig geworden ist, müsse man einen klaren Kurs fahren. "Ich denke, so wie die Entscheidung getroffen wurde, wird sie in fünf Jahren wieder auf dem Tisch liegen", sagte Geipel. DLV-Präsident Prokop zeigte Verständnis für Geipels Kritik: "Das Dilemma ist, dass es keine Patentlösung gibt."
Signal an alle Athleten
Die ehemalige DDR-Athletin hatte 1984 mit einer Staffel des SC Motor Jena den noch gültigen Vereinsweltrekord über 4 x 100 Meter in 42,20 Sekunden aufgestellt. Wie Gerichte bestätigten, ist der Rekord Ergebnis von Zwangsdoping und damit Sportbetrug gewesen. "Künftig wird ein Sternchen darauf hinweisen, dass die fehlende Athletin gestrichen werden wollte", so Prokop.
In der Rekordliste bleiben die Namen von Bärbel Wöckel, Ingrid Auerswald und Marlies Göhr bestehen. Mit einem Sternchen wird aber darauf hingewiesen, dass die fehlende Athletin sich aus der Rekordliste gestrichen haben wollte. "Dies ist mit der Aufforderung an alle Athleten, die Rekorde mit Doping-Hilfe erzielt haben, verbunden, ebenfalls solche Anträge zu stellen", sagte Prokop.
Einstimmig beschloss der DLV-Verbandsrat, dass die Rekordlisten beibehalten werden, ihnen aber eine Präambel vorangestellt wird. Darin wird darauf hingewiesen, dass einige Rekordhalter unter dem Verdacht stehen, Doping-Mittel eingenommen zu haben und ein Teil der Bestmarken auf Zwangsdoping in der DDR beruht.
Kein Alleingang im Umgang mit "Jahrhundert-Rekorden"
Gleichzeitig fordert der DLV den künftigen Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) auf, bezüglich dopingbelasteter Rekorde eine den gesamten deutschen Sport betreffende Lösung in einem angemessenen Zeitraum zu finden. Aus diesem Grund wollte der DLV keinen Alleingang mit den so genannten "Jahrhundert-Rekorden" machen. Erwogen worden war, rückwirkend vom 1. Januar 2000 an eine neue Rekordliste einzuführen und Distanz zu belasteten Bestmarken vor allem aus der DDR-Ära zu schaffen.
"Sportler, die ihre Leistungen sauber erbracht haben, würden dadurch ein zweites Mal benachteiligt. Dies wäre gegen den Grundsatz des Fair Play", sagte Prokop. "Außerdem ist ein Kalenderdatum keine ausreichende Legitimation." In einem vom Verbandsrat beschlossenen Grundsatzpapier zur "Ethik des Leistungssports" forderte der DLV unter anderem, ein Dokumentationszentrum zum Doping im Leistungssport und zu den Opfern einzurichten.
Außerdem verlangt er von der Bundesregierung, im Bereich des Dopings die nationalen Gesetze zu verschärfen. Die Welt- Anti-Doping-Agentur (WADA) soll mehr Mittel für Forschung bereitstellen. Der Leichtathletik-Weltverband (IAAF) soll zudem die Anzahl der Trainingskontrollen in den Ländern erhöhen, in denen kein Doping-Kontrollsystem besteht.
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(Andreas Schirmer, dpa)
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