Von Jörg Marwedel

Hamburg kann es kaum erwarten, Ailton spielen zu sehen.

Ailton Gonçalves da Silva, 32, verzog das Gesicht zu einem unendlich breiten Grinsen. Es wollte gar nicht mehr weichen aus seinem runden Gesicht mit den großen Kulleraugen. Eben hatten Sportchef Dietmar Beiersdorfer und Trainer Thomas Doll ihm sein neues Trikot mit der Raute des Hamburger Sport-Vereins und der Rückennummer 24 überreicht. Ailton zog es sofort über sein Muskelshirt mit dem blau-schwarzen Leopardenmuster - wie ein kleiner Junge, der das schönste Geburtstagsgeschenk sofort ausprobieren muss. "Ich sehr glücklich in Hamburg und zurück in Bundesliga", sagte er, "ich sehr, sehr motivier'."

Ailton, Reuters

Ein bisschen kälter als in Istanbul ist es in Hamburg schon, aber das macht Ailton nichts (© Foto: Reuters)

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Auch seine künftigen Chefs lächelten verklärt wie bei einer Bescherung. "Wir können es kaum erwarten", sagte Beiersdorfer und meinte damit vermutlich: bis der gerade Beschenkte sich mit Toren für die warmen Worte revanchiert. "Den Toni", sagte Thomas Doll, "den kennt jeder, nicht nur in Deutschland. Für mich als junger Trainer ist es eine tolle Sache, dass wir so einen Mann verpflichten konnten. Er ist nicht nur ein genialer Fußballer, sondern auch ein Supertyp. Er ist mehr als herzlich willkommen bei uns."

Großes Heimweh nach der Bundesliga

Ein so herzlicher Empfang wie dem ursprünglich als Notlösung geltenden Brasilianer ist noch nicht vielen Profis in der Bundesliga zuteil geworden. Es scheint, als wolle man beim HSV alles tun, damit sich der Neue richtig wohlfühlt beim Tabellenzweiten, dem zu noch mehr Qualität bislang ein Torjäger fehlte. Und womöglich sind es genau diese Streicheleinheiten, die dem lustigen, egozentrischen, aber auch sensiblen Stürmer zuletzt fehlten in Schalke und bei Besiktas Istanbul, wo ihn Trainer Jean Tigana als "zu alt und zu schwer" beleidigt hatte. Und wo es nicht mehr zählte, dass er Werder Bremen 2004 mit 28 Toren zum Titel verholfen hatte und Torschützenkönig und "Fußballer des Jahres" geworden war.

Schließlich war das Heimweh nach der Bundesliga so groß gewesen, dass Ailton auf viel Geld verzichtete und einen leistungsbezogenen Vertrag akzeptierte. "HSV ist großer Klub. Ich nicht lange nachgedacht", bekannte der Profi, der sich vom neuen Gehalt (maximal 800.000 Euro bis Saisonende) dennoch ein paar dicke Goldketten kaufen könnte. Die Verhandlungen sollen kaum länger gedauert haben als eine halbe Stunde. Sie waren "sehr schlank", wie Beiersdorfer formulierte, während Ailtons Berater Werner Helleckes betonte: "Toni ist kein Abzocker."

Im Gegenzug spürte Ailton schon an seinem ersten Arbeitstag die Anerkennung, die er seit glücklichen Bremer Tagen vermisst hatte. Als ihm das erste Trainingstor gelang, klatschten mehr als 400 Zuschauer Beifall. Penible Zeugen notierten sogar die Zeit: 12.24 Uhr. Dass er ansonsten mehr stand als lief, darüber sahen die Hanseaten vornehm hinweg. Immerhin weiß man in Hamburg, dass er kein Trainings-Weltmeister ist. Auch der Abend zuvor hat Ailton gefallen.

Keine Prognose über Anzahl der Tore

Als er - es soll 21.23 Uhr gewesen sein - mit dem Urlaubsflieger KK 220 aus Istanbul Hamburger Boden berührte, warteten schon sieben Kamerateams, fast 40 Fotografen und Reporter sowie etliche Fans auf ihn. Eine örtliche Zeitung hatte sogar zwei Sambatänzerinnen und einen Trommler zum Terminal beordert. Die beiden leichtbekleideten Damen bekamen natürlich ein Küsschen vom sichtlich geschmeichelten Heimkehrer.

Der will nun "richtig Gas geben" bei seinem neuen Klub, "viel und super trainier'", denn es geht um Stolz, Ehre und seinen zuletzt angekratzten Ruf. Die Hamburger Arena scheint ihm dafür eine gute Bühne zu sein. "Sensationell", finde er die Atmosphäre in der Arena, sagte er, "perfetto für Fußball". Ebenso wie das an Werder Bremen erinnernde 4-4-2-System des HSV.

"Perfekt für mich", meinte Ailton. Wenn er sich gut bewege, "ich denke, alles funktioniert wie in Bremen". Nur die Zahl seiner Tore mag er lieber nicht prognostizieren: "Natürlich will Tore schießen, aber erste Punkt ist, mit Mannschaft zusammenspielen, nicht nur Ailton allein." Das werden vor allem die anderen Hamburger Profis gerne hören nach all dem Rummel um ihren neuen Kollegen.

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