Zum Tod von Steve Gohouri Abschied vom Tänzer

Der füherer Bundesliga-Profi von Borussia Mönchengladbach verstirbt mit nur 34 Jahren - nach einer Karriere mit Höhen und Tiefen.

Von Sebastian Fischer

Es war mal wieder eines von diesen Spielen gewesen, in denen er 90 Minuten lang mit raumgreifenden Schritten über den Platz gesprintet war. Ein Spiel, in dem er nach dem Ball grätschte, ohne an morgen zu denken; in dem er kaum ein Kopfballduell verlor. Steve Gohouri hatte sich verausgabt für den 1:0-Erfolg im Zweitligaspiel seiner Mönchengladbacher Borussia gegen den FC St. Pauli am 16. März 2008. Also riefen die Fans seinen Namen. Und er dirigierte nach dem Spiel vor der Kurve den Humba-Jubel. Er sang, lachte, tanzte, verschenkte sein Trikot. Verwackelte Fan-Videos im Internet zeugen von diesem beispielhaften Tag in der Karriere des Fußballprofis Gohouri. Seine Karriere war damals kurz davor, an ihren sportlichen Höhepunkt zu gelangen.

Rund 1,5 Millionen Euro hatte Gladbach im Januar 2007 bezahlt, um den Ivorer bei den Young Boys Bern auszulösen. In seiner Berner Zeit debütierte der 1,90 Meter lange Innenverteidiger für die Nationalmannschaft der Elfenbeinküste, für die er 13 Spiele absolvierte und zur Weltmeisterschaft 2010 reiste. Er war ein schneller, zweikampfstarker Fußballer, wertvoll für die Borussia, die damals vergeblich gegen den Erstliga-Abstieg kämpfte.

Mit und auch dank Gohouri stieg die Mannschaft 2008 wieder auf. Insgesamt spielte er 46 Mal für Gladbach. Die Fans liebten ihn dafür wie er rannte und grätschte, "Steeeve" hallte es durch das Stadion. Fans und Mitspieler liebten ihn auch dafür, wie er sang, tanzte und lachte. Manchmal ausgiebig: Im Herbst 2007 ließ er sich beim Feiern in einer Diskothek fotografieren, zwei Nächte vor dem Derby gegen Köln. Gohouri war nicht immer ein Musterprofi. Im Dezember 2009 wurde sein Vertrag aufgelöst.

Er wechselte nach England zu Wigan Athletic, auch dort wurde sein rustikaler Stil bejubelt, er hatte zunächst Erfolg: 42 Mal spielte er in der Premier League. Doch 2012 verließ er Wigan. Seine Stationen danach lesen sich wie die Stationen eines Fußballers, der die Bodenhaftung verliert: Maccabi Tel Aviv, fünf Monate arbeitslos, zwei Monate Xhanti in Griechenland, neun Monate RW Erfurt, bis zum Sommer 2015. Menschen, die ihm nahestanden, sprechen von falschen Freunden, die Gohouri umgaben, von privaten Problemen: "Steve war ein Lebemann, aber nie im Schlechten", sagt der Spielerberater Sahr Senesie.

Im Dezember nahm der hessische Regionalligist TSV Steinbach Gohouri unter Vertrag, dort sollte seine Karriere versöhnlich enden. Doch er spielte nur einmal. Am 12. Dezember 2015 reisten seine Angehörigen aus Paris in seinen Wohnort Düsseldorf - und gaben eine Vermisstenanzeige auf.

Am Silvestertag ist Steve Gohouri tot im Rhein bei Krefeld gefunden worden. Laut Mitteilung der Düsseldorfer Polizei gibt es keine Hinweise auf eine Gewalteinwirkung. "Das ist eine entsetzliche Tragödie", sagte sein früherer Mitspieler Oliver Neuville dem sid: "Er war ein lustiger Typ, der immer nur gelacht hat." Steve Gohouri wurde 34 Jahre alt.