Zum Tod des Eishockey-Profis Robert Dietrich Trauer um einen Pfundskerl

Robert Dietrich war kein Kleiderschrank mit Schläger wie so viele Eishockey-Verteidiger. Er stach heraus, weil er klug spielte und herausragend Schlittschuh lief. Er war ein filigraner Spieler. Zuletzt gehörte der 25-Jährige zu den Leistungsträgern der Nationalmannschaft. Beim Flugzeugabsturz in Jaroslawl verloren viele Kollegen auch einen guten Freund.

Von Michael Neudecker

Walter Köberle hat viel telefoniert am Donnerstag, von überall riefen die Reporter an. Er ist keiner, der sich in die Öffentlichkeit drängt, und dann, als wieder eines der vielen Telefonate zum Ende kommt, hält er inne. "Das ist nicht leicht für mich", sagt er, aber er habe eben dieses Gefühl: dass er das tun muss, über Robert Dietrich reden. "Es muss einfach dargestellt werden", sagt Köberle, "dass wir einen Pfundskerl verloren haben."

War lange deutscher Nationalspieler: Robert Dietrich †.

(Foto: dpa)

Der Eishockeyprofi Robert Dietrich ist am Mittwoch bei einem Flugzeugunglück mit der gesamten Mannschaft des russischen Klubs Lokomotive Jaroslawl ums Leben gekommen. Er wurde 25 Jahre alt. Noch kurz vor dem Abflug hat Köberle mit ihm telefoniert, sie haben geredet, was man halt so redet. Wie es ihm gehe in Jaroslawl, wollte Köberle wissen. Gut, wirklich gut, sagte Dietrich.

Pfundskerl, das ist so ein bayerischer Ausdruck, den man vor allem da gerne verwendet, wo Köberle herkommt: Er ist Kaufbeurer, Allgäuer. Robert Dietrich wurde in Kasachstan geboren, aber als er drei war, ist seine Familie nach Kaufbeuren gezogen; der Junge spielte Eishockey im Kaufbeurer Nachwuchs, er ging in die Oberliga, nach Peiting, in die zweite Liga, nach Crimmitschau und Straubing, und 2005 lizenzierte ihn schließlich die DEG. Walter Köberle, der ehemalige Nationalspieler, war auch damals schon Teamleiter bei der DEG.

"Robert war lebensfroh und intelligent", so beschreibt Köberle den Menschen Robert Dietrich, und was den Eishockeyspieler angeht: "Er hat im richtigen Moment das richtige getan."

Robert Dietrich, der als Nationalspieler bei den Weltmeisterschaften 2007, 2010 und 2011 war, zuletzt als einer der Leistungsträger, war beliebt in allen Mannschaften, für die er spielte.

"Er hat jeden Spaß mitgemacht", sagt Jochen Reimer, Torhüter beim DEL-Klub EHC München. Reimer hatte in der Kaufbeurer Jugend mit Dietrich zusammengespielt, "er war ein super Freund", sagt Reimer, "einer meiner besten Kumpels". Mehr kann er nicht sagen, die Trauer treibt ihm die Tränen ins Gesicht, sie nimmt ihm die Stimme. Aber doch, sagt er, man solle das schreiben: Robert Dietrich war ein außergewöhnlicher Mensch.

Auch als Eishockeyspieler war Robert Dietrich einer, der herausstach. Nicht, weil er etwa besonders spektakulär aufgetreten sei, denn das war er nicht. Er war ein kluger Spieler, einer, dessen Antizipationsfähigkeit ihn auszeichnete, ein herausragender Schlittschuhläufer, technisch begabt, aber doch auch im Verhältnis zierlich, kein Kleiderschrank mit Schläger wie so viele seiner Kollegen. Ein Verteidiger, der Spaß am Spielen hatte, nicht am Klotzen, so sagt es Walter Köberle. Ein filigraner Spieler.

Er hat es auch in Nordamerika versucht, wie alle, die im Eishockey was werden wollen: Von 2008 bis 2010 spielte er in Milwaukee, dem Farmteam der Nashville Predators. Besonders im zweiten Jahr tat sich Dietrich mit 43 Punkten hervor, für einen Verteidiger ist das beachtlich. Aber er bekam keine Chance in der NHL, wo sie keine zierlichen Jungs wollen, sondern robuste.

Er ging zurück nach Deutschland, und nach einem mäßigen Jahr in Mannheim bot sich die Chance in Jaroslawl, in der Kontinentalen Eishockey-Liga (KHL), der zweitbesten Liga der Welt. Es wäre der nächste Karriereschritt gewesen. In Russland spielen sie weniger körperbetont, eher filigran, und dann seine kasachische Herkunft: Die KHL würde genau das richtige sein für ihn, fand Robert Dietrich.

Die Deutsche Eishockey-Liga wird die Saison am Wochenende mit einer Schweigeminute in allen Stadien beginnen, die Spieler werden mit Trauerflor auflaufen.