Von Andreas Burkert

Mittelfeldspieler Zé Roberto äußert sich vor dem Rückspiel gegen Lissabon unzufrieden über die Einjahres-Offerte der Bayern und denkt über einen Wechsel nach.

34 ist ein heikles Alter für Sportler, die Knochen und Fasern und Sehnen melden sich gewöhnlich häufiger als noch in jungen Jahren. Zé Roberto ist 34 und trotzdem bisher nicht als verletzungsanfällig bewertet worden beim FCBayern, und einen, mit Verlaub, alten Sack hat ihn hier noch niemand gerufen. Im Gegenteil, in dieser Saison halten sich zwar die Begeisterungsstürme für Bayern noch in engsten Grenzen, doch über den brasilianischen Mittelfeldspieler, der im Sommer 35 wird, sind alle nur voll des Lobes.

Zé Roberto im Gespräch mit Trainer Jürgen Klinsmann (© Foto: dpa)

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Seine sechste Saison spielt er jetzt in München, doch so prägend, schwungvoll und effektiv wie in diesem Jahr hat man Zé Roberto noch nicht erlebt. 31 Pflichtspiele hat er bisher bestritten und sechs Tore erzielt, in der Liga kam er zudem auf acht Torvorlagen. Es hat ihm also am Montagnachmittag niemand widersprochen, als Zé Roberto mitteilte, er spiele momentan "in absoluter Höchstform".

Zé Roberto ist alles andere als ein Selbstdarsteller. Dass er vor dem Pflichttermin am Dienstag im Champions-League-Achtelfinale gegen Portugals Pokalsieger Sporting Lissabon (Hinspiel: 5:0) länger über sich sprach, hat seinen Grund. Wie es nun mit seiner möglichen Vertragsverlängerung aussehe, wurde er gefragt, und Zé Roberto führte zunächst in sehr freundlichen Worten aus, wie wohl er sich bei den Bayern fühle, "ich habe hier viel gelernt und war immer glücklich".

Gerne sei er deshalb 2006 nach dem Heimatintermezzo beim FC Santos zurückgekehrt, "ich hatte damals ja auch andere Angebote, aber ich dachte, ich würde hier meine Karriere beenden". Zweieinhalb Jahre später möchte er das nun wieder: In München Abschied nehmen vom Fußball. Doch Bayern hat ihm jetzt nur eine Verlängerung für ein Jahr offeriert. "Ich bin zwar 34, aber ich fühle mich wie 25", sagt Zé Roberto, "und wenn man in Höchstform ist, ist ein Jahr vielleicht ein bisschen wenig."

Von einer Offerte des US-Klubs Dallas ist im Herbst die Rede gewesen im Zusammenhang mit Zé Roberto, dessen Familie nach insgesamt einem Jahrzehnt in Deutschland eigentlich zurück in die Sonne drängt. "Er bleibt zu 99 Prozent", sagt aber inzwischen Manager Uli Hoeneß mit einem Augenzwinkern; er kennt sich aus mit dem Heimweh, das Südamerikaner im Winter befällt. Doch Zé Robertos Zögern lässt den Deal nun doch wieder unsicher erscheinen, "denn zwei, drei Jahre" traue er sich noch zu. Deshalb müsse er nun überlegen, "vielleicht doch noch ein anderes, längeres Angebot anzunehmen".

Somit stocken die Planungen nun ein weiteres Mal im Mittelfeld, auch Kapitän Mark van Bommel befindet sich ja nach dem ebenfalls nur für ein Jahr gültigen Angebot weiterhin in der Sondierungsphase. Angesichts des Alters der beiden Profis - van Bommel wird im April 32 - möchte der Klub zwei gut entlohnte Profis nicht mehr langfristig binden. Die Spieler wiederum bevorzugen Planungssicherheit. Ausgang offen.

Butt für Rensing

Auf Zé Roberto indes können die Bayern momentan kaum verzichten, gegen Hannover (5:1) brillierte er in Abwesenheit von Ribéry als filigraner Antreiber. Dienstag gegen Sporting wäre eine Verschnaufpause möglich, doch Jürgen Klinsmann tendiert aus mehreren Gründen nur zur "kleinen Rotation". Zum einen fielen eben neben Franck Ribéry (Prellung) auch Luca Toni (Achillessehne), Tim Borowski (Zerrung) und Hamit Altintop (Faserriss) aus. "Außerdem ist das Champions League, ausverkauftes Haus", betont der Trainer. "Da wollen wir den Fans was bieten." Er möchte zudem "unsere Serie weiterentwickeln, die wir uns in Europa aufgebaut haben".

Eine Veränderung in der Startelf gibt es jedoch mindestens: Jörg Butt, 34, soll anstelle von Michael Rensing im Bayern-Tor stehen und damit sein Debüt geben. Auf der Bank sitzen die Amateure Thomas Müller, 18, und Deniz Yilmaz, 21. Letzterer übernimmt den Part von Donovan, der US-Stürmer ist heimgekehrt - und Klinsmann wegen Tonis Blessur vorne nur mit Klose/Podolski ausgestattet. "Das ist sicher nicht optimal", sagt Klinsmann, "ich habe ja einige Male auf die Situation hingewiesen." Sollten die Bayern und Klinsmann demnächst auch an diesem Problem scheitern, würde die Sache sicher nicht mit einem derart freundlichen Ton moderiert, wie ihn der Christ Zé Roberto beim Kampf um einen besseren Vertrag gebraucht.

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(SZ vom 10.03.2009/jüsc)