Armin Veh ist in Wolfsburg am schweren Erbe seines Vorgängers, an den Ansprüchen der VW-Bosse und am eigenen Stil gescheitert.
Armin Veh hatte es schon geahnt. "Ich bin ja lange im Geschäft", lautete am Sonntagabend seine Standardantwort, wenn er nach seiner Zukunft beim VfL Wolfsburg gefragt wurde. Mit 2:3 hatte der amtierende deutsche Meister gegen den 1. FC Köln verloren und war mit diesem neunten erfolglosen Pflichtspiel in Serie in der Tabelle auf Platz zehn gestürzt.
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Armin Veh ist nicht mehr Trainer des VfL Wolfsburg. (© Foto: Getty)
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Seit dem Schlusspfiff dieser Partie war Vehs Entlassung nur noch eine Frage des Wann, nicht mehr eine Frage des Ob. Am Montagnachmittag um 16:11 Uhr meldete dann die erste Nachrichtenagentur: Wolfsburg entlässt Trainer Veh.
Der 48-jährige Veh ist an zwei strukturellen Problemen gescheitert. Zum einen war da das unglaubliche sportliche Erbe, das Vorgänger Felix Magath hinterlassen hatte. Überraschungsmeister mit dem vormaligen Mittelfeldklub Wolfsburg; 43 Punkte in der Rückrunde der vergangenen Saison; 80 Tore, mit Grafite/Dzeko das beste Angriffsduo der Liga. Von einem solchen sportlichen Zenit aus gibt es nur einen Weg: jenen bergab.
Zum anderen war da das unglaublich hohe Anspruchsdenken der Verantwortlichen bei Volkswagen. VW ist ein Global Player, und entsprechend soll auch bitte schön der üppig unterstützte VfL nicht im oberen Mittelfeld der Bundesliga herumdümpeln, sondern sich in Deutschlands und Europas Spitze etablieren. Ein Ziel, an dem nebenbei bemerkt in den vergangenen 30 Jahren außer dem FC Bayern jede deutsche Mannschaft gescheitert ist; Mönchengladbach, Hamburg oder Dortmund schafften es jeweils für eine Handvoll Jahre.
Dauerhafter Erfolg im Fußball lässt sich eben noch schlechter planen als die Entwicklung eines Autos. Armin Veh gehörte zu denen, die das wussten. Schon zu seinen Stuttgarter Zeiten musste er miterleben, wie auf die Meisterschaft im Jahr 2007 der Absturz folgte. Und entsprechend vorsichtig formulierte er während seines Engagements in Wolfsburg die Ziele. Die Titelverteidigung nannte er utopisch, Rang fünf hätte ihm schon gereicht - zu wenig bei diesem Magath-Erbe und diesen Ansprüchen des Weltkonzerns. Vielleicht passten Veh und der Verein einfach weniger zusammen, als sie das selbst im Sommer bei der Vertragsunterzeichnung glaubten.
Zudem hat Veh selbst Fehler gemacht. Unter Magath war die Wolfsburger Mannschaft darauf getrimmt gewesen, mit ihrem Power- und Konterfußball zum Erfolg zu kommen. Rustikales Defensivverhalten, rasches Ausschwärmen nach der Balleroberung, weite Pässe zu den Offensivspielern, zu Grafite, Dzeko und Misimovic, die dann schon irgendetwas Gescheites draus machen würden.
Veh ahnte bei seinem Amtsantritt, dass im neuen Jahr und mit dem Meisterstatus dieser Zackzackstil gegen viele Mannschaften nicht mehr möglich sei und wollte zum Magath'schen Stil eine zusätzliche Spielkomponente entwerfen. Die des gepflegten Kombinationsfußballes. Doch letztlich zahlte sich diese geplante Repertoireerweiterung nicht aus, sondern verunsicherte eine Mannschaft, die sich einer ihrer Stärken beraubt fühlte.
Schwache Einkaufspolitik
Verunsicherung setzte auch noch an einer zweiten Stelle ein, nämlich in der Abwehr. 19 Spieltage lang dokterte Veh an der Besetzung der Viererkette herum, restlos zufrieden war er nie. Der Italiener Andrea Barzagli, Weltmeister von 2006 und im Meisterschaftsjahr eine große Stütze, fand sich zwischenzeitlich mal auf der Bank wieder, Alexander Madlung flog aus der Startelf gegen Stuttgart direkt auf die Tribüne gegen Köln, für hinten rechts suchte man verzweifelt einen Neuen, zuletzt immer intensiver Schalkes Rafinha. So konnte sich die Defensive nie einspielen und wurde entsprechend anfällig.
Es gibt noch einen dritten Punkt, den sich Veh ankreiden lassen muss. Die von ihm verantworteten Zugänge - er war ja wie zuvor Magath nicht nur als Trainer, sondern auch als Manager und Geschäftsführer gekommen - schlugen nicht ein. Kahlenberg war lange verletzt, Ziani entwickelte sich nicht zu einer echten Alternative, und Martins spielte zwar ganz anständig, aber eben nicht so anständig, wie man es sich von einem Angreifer erwartet, der einen zweistelligen Millionenbetrag kostete.
Nur sechs Monate hat die Allianz zwischen dem VfL und Veh gehalten. Für den Trainer war es schon der zweite Rauswurf bei einem amtierenden deutschen Meister - und der Klub muss sich nun nach einem neuen Mann umschauen, der stark genug sein muss, aus dem Schatten von Felix Magath zu treten. Und der stark genug sein muss, um dem großen Anspruchsdenken des Weltkonzerns VW zu genügen.
Fußball made by Volkswagen - viele Kandidaten gibt es da nicht.
Torwartlegende Sepp Maier im Interview. SZ am Wochenende Jetzt lesen ...
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(sueddeutsche.de/hec/jja)
Wolfsburg hat schon enormes Potential in der Mannschaft, die mittlerweile die zweitteuerste der Bundesliga sein dürfte. Wer sonst (außer den Bayern) kann es sich noch leisten, einen DRITTEN Stürmer für 10 Mios. zu verpflichten, wie vor der Saison mit Martins geschehen. Welcher andere Bundesligist hätte es geschafft, die komplette Meistermannschaft zusammenzuhalten und dabei Begehrlichkeiten vom AC Mailand und Co. abzuwehren. Aktuell ist z.B., nur um mal die Relationen zu verdeutlichen, mal eben so Rafinha für 12-15 Mios. im Gespräch. Solche "kleinen" Verstärkungen mal eben im Winter gibt es sonst nur beim Branchenprimus; und wenn man das alles berücksichtigt, muss man zwar nicht zwingend die Titelverteidigung fordern, aber dass WOB bereits jetzt die Ansprüche auf CL-Platz und eigentlich auch komplett das internationale Geschäft beerdigen kann, kann und muss man Veh vorwerfen. In meinen Augen eh die klassische Eintagsfliege, der sich jetzt seinen Titel mit Stuttgart halt nochmal schön versilbern lassen konnte.
war doch klar das die letzte Saison auf keinen Fall nicht mehr zu wiederholen ist und der Nachfolger von Magath fast nur verlieren konnte und jeder Spieler nur schlechter spielen konnte als letztes Jahr , das Potenzial war bei jedem Spieler im positiven Sinne gemeint auf dem maximalen Level , nur so war die Überraschung möglich gewesen !
nun hat sich vieles normalisiert , das mussten die meisten Clubs ausser Bayern München durchmachen nachdem sie Meister geworden sind ...
Wolfsburg ist in Normalform aber gut genug für Platz 3 bis 7....
Darüber sehe ich vom Potenzial nur Bayern und Leverkusen die zurecht da oben stehen !
PS. Magath hat wie die letzten Jahre auch , alles richtig gemacht, nach der Meisterschaft zu gehen ...denn das war in Wolfsburg nicht mehr zu toppen! Auch mit Ihm wäre man nicht mehr ganz oben vermute ich ...
Es ist ja nicht so lange her, da wäre man in Wolfsburg mit dem aktuellen Tabellenplatz ganz zufrieden gewesen. Dann kamen die Millionen und Magath und VW wurde größenwahnsinnig. Jetzt ist der Verein einer der vielen Retortenclubs, bei denen Millionen unbedingt Tore schießen müssen. Eigentlich kann sich jeder Fußballfan nur wünschen, dass das nicht funktioniert, denn sonst würde der Fußball seinen Reiz verlieren. Daher sind die letzten Spiele ein Segen für die Fußballkultur - der Rauswurf von Veh allerdings nicht, mal abgesehen von seinen tatsächlichen Qualitäten. Und wenn die VW-Manager begreifen, dass Fußball was mit Spaß zu tun hat, dann könnte Wolfsburg so etwas wie eine Fußballhochburg werden. Solange es beim Club-Sponsor aber nur um return on investment geht, wird daraus aber nix.
Man darf sehr gespannt sein, wer beim VfL Wolfsburg der nächste Trainer sein wird. Einer der üblichen Verdächtigen aus dem Dunstkreis der Bundesliga dürfte es kaum werden.
Bei den Ansprüchen, die der Global Player Volkswagen mit seiner Werkself verfolgt, müsste das schon ein größeres Kaliber sein. Eigentlich kommt da nur jemand Namhaftes mit Champions-League-Erfahrung aus dem Ausland in Frage. Aber wer könnte das sein jetzt mitten in der Saison? Dass Wolfsburg die Rückrunde mit einem Interimstrainer bestreitet ist kaum vorstellbar. Wie gesagt, man darf gespannt sein.
ist ein fuchs. der wußte das es unglaublich schwer sein würde das zu wiederholen und ist deshalb auch nach schalke.
wolfsburg momentaner kader ist halt nur dann für eine meisterschaft gut wenn alles optimal läuft-also aller 3-7 jahre. ansonsten gut für platz 7-3.
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