Die Rückkehr nach Wolfsburg hat Schalkes Trainer Felix Magath kein Glück und keine Punkte gebracht. Grafite drehte das Spiel im Alleingang.
Das letzte Mal, dass man ihn in Wolfsburg gesehen hat, war in einer durchtanzten Nacht vorigen Mai. Wobei Felix Magath nicht mitgetanzt hat. Ist nicht seine Art. Magath hatte einen grün-weißen Schal um die Schultern drapiert, als habe er Halsschmerzen, darunter baumelte die Ehrenmedaille der Stadt Wolfsburg, er rief den Menschen zu: "Glaubt mir, es ist für mich und für euch der richtige Zeitpunkt, jetzt auf Wiedersehen zu sagen."
Grafite (vorne) beißt sich gegen Höwedes durch. (© Foto: rtr)
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Dann verließ er den VfL Wolfsburg, dem er soeben die Meisterschaft gebracht hatte, und ging samt aller Co- und sonstiger Trainer zu Schalke 04. Sogar den Pressesprecher nahm er mit. Seither wird er in Wolfsburg verehrt wie ein verlorener Sohn.
Sonntag, Punkt 17.30 Uhr, war er dann wieder da. Bog, während die beiden Mannschaften aufs Feld liefen, nach links ab statt wie früher immer nach rechts. Ertrug still den Ansturm der Fotografen. Und auf den Wolfsburger Tribünen, wo man in dieser Saison schon den viel zu netten Magath-Nachfolger Armin Veh verspottet hat und wo man nun tapfer dessen Interims-Nachfolger Lorenz Günther Köstner erträgt, tat man so, als nähme man keine Notiz von der Rückkehr.
Dem Trainer des Gegners zu huldigen, soweit käme es noch. Zumal man ihn ja längst mehr vermisst, als man es je für möglich gehalten hätte in Wolfsburg: Vor dem Spiel am Sonntag hatte der Meister 14 Punkte weniger auf dem Konto als im Vorjahr zum gleichen Zeitpunkt mit Magath. Schalke wiederum hatte elf Punkte mehr gesammelt als letzte Saison nach dem 23. Spieltag ohne Magath.
Dann begann das Spiel - und schon bald drängte sich der Eindruck auf, dass tatsächlich übersinnliche Kräfte den Meistertrainer Magath umwehen müssen. Bis zur 71. Minute lagen die Schalker 1:0 in Führung, ohne die Partie je dominiert zu haben, dafür schien sich all das Unglück, das die Wolfsburger seit Monaten begleitet, zu einer grotesken Anhäufung vergebener Großchancen und zu Unrecht aberkannter Tore zu verdichten. In der 12. Minute etwa - Neuer und Höwedes hatten schon je eine gute Gelegenheit des VfL-Spielmachers Zvjezdan Misimovic vereitelt - spitzelte Jan Simunek den Ball in Richtung Schalker Tor, Edin Dzeko lenkte ihn volley ins Netz, doch Schiedsrichter Helmut Fleischer gab den Treffer nicht, wegen angeblicher Abseitsstellung - ein Fehler.
Der Vorwärtsdrang der Wolfsburger erinnerte dann weiterhin an die gute alte Magath-Zeit, doch Misimovic (16.), Dzeko und Grafite (beide 58.) trafen jeweils nur die Latte. Ins Tor traf vorerst nur Schalkes Kevin Kuranyi - nach einer Rakitic-Ecke köpfelte er den Ball in den Winkel (30.). Doch die letzten zwanzig Minuten gehörten dem Brasilianer Grafite, dem Torschützenkönig der Vorsaison also, der in den letzten Wochen durch hölzernes Herumstolpern die VfL-Misere symbolisiert hatte wie kein zweiter. Eine weite Flanke von Misimovic bugsierte Grafite mit dem Kopf ins Tor (71.), eine Hereingabe von Schäfer mit dem Innenrist (77.). 2:1, der erste Wolfsburger Heimsieg seit Oktober. Felix Magath erhob sich von seiner Bank, der linken, und ging wortlos davon.
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(SZ vom 22.02.2010/hec)
Linke-Vize-Chefin Wawzyniak