Regenschauer, Pfiffe oder gar Usain Bolt: Bei vielen Disziplinen können Unterbrechungen von außen großen Einfluss auf den Verlauf nehmen.
Als Ariane Friedrich dastand und sich auf ihren Sprung vorbereitete, verkündete der Stadionreporter auf der anderen Seite des Innenraums lauthals, er habe Usain Bolt vor dem Mikrofon.
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Volle Konzentration: Ariane Friedrich bereitet sich auf einen Sprung vor. (© Foto: dpa)
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Das kurze Sieger-Interview nach dem 200-Meter-Rennen wurde über Videowände und Lautsprecher live übertragen, doch bis auf die Jamaikaner mochte sich kaum ein Zuschauer im Olympiastadion begeistern über diesen Auftritt. Denn drüben stand doch die deutsche Heldin des Abends, Ariane Friedrich, und sollte im letzten Versuch 2,02 Meter überspringen.
Die Hochspringerin zeigte trotz der Unterbrechung und des immensen Drucks einen sauberen Versuch und blieb im Wettkampf. Doch bei diesen Weltmeisterschaften in Berlin zeigt sich bei den Wurf- und Sprungdisziplinen häufig, dass Störungen von außen erheblichen Einfluss auf den Verlauf nehmen können. Die Kunst, sich durch plötzliche Unterbrechungen oder andere Wettbewerbe nicht beeinflussen zu lassen, kann ein entscheidender Faktor sein.
Faxen mit den Kampfrichtern
Kristina Gadschiew spricht sich da schon mal in Rage, wenn sie an ihr Stabhochspringen denkt. "Du bereitest dich auf deinen Versuch vor, baust Spannung auf, stellst dich hin - dann hebt der Wettkampfrichter die rote Fahne und du denkst dir: Warum?" In ihrem Fall war es ein Halbfinale über 800 Meter der Frauen. Die Präsentation der acht Läuferinnen, die Vorbereitungen bis zum Start - das dauerte eine Weile.
Die 25-jährige WM-Debütantin Gadschiew musste sich wieder hinsetzen, frischen Klebstoff auf die Handflächen schmieren und sich neu konzentrieren. Bei Stabhochsprung-Kollegin Anna Battke kam hinzu, dass sie vor jedem Sprung "ein paar Ticks machen müsse, einen bestimmten Ablauf, wie etwa den Stab ein paar Mal auf den Boden klopfen". Werde sie zurückgerufen, müsse sie für ihren Seelenzustand die Prozedur wiederholen und verliere wertvolle Zeit für den Sprung.
"Da kann Frust und Ärger aufkommen, der nicht gerade leistungsfördernd ist", sagt Walter Wölfle, Psychologe beim DLV. Die Athleten müssten in diesen Momenten versuchen, schnell den Grund für die Unterbrechung zu erkennen, "und sich sagen: Aha, da ist eine Siegerehrung, okay", um so die "negativen Emotionen zu regulieren". Erfahrung mit großen Wettkämpfen spiele da eine große Rolle.
Kugelstoßerin Nadine Kleinert sagt, dass sie in diesen Momenten "auf Durchzug stellt". Wenn es zu lange dauere, mache sie auch mal "Faxen mit den Kampfrichtern". Die 33-Jährige hatte bei ihrem Wettkampf den Vorteil einer frühen guten Weite, wie auch Speerwerferin Steffi Nerius. Kollegin Christina Obergföll wäre dies auch gerne gelungen, doch neben fehlender Form machten ihr unruhige Momente bei ihren Würfen zu schaffen.
Vor ihrem ersten Versuch musste sie den Speer ablegen wegen des Finals über 400 Meter der Frauen. Der zweite Durchgang geriet direkt in das Männerfinale über 3000 Meter Hindernis. "Das tat mir leid für Christina", sagte Kleinert. Linda Stahl, dritte Final-Werferin des DLV, berichtete später, dass Nerius bei einer der vielen Unterbrechungen sich beklagte: "Das nervt." Die spätere Weltmeisterin konnte zu diesem Zeitpunkt ja nicht wissen, dass sie nicht mehr weiter werfen musste.
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(SZ vom 22.08.2009/segi)
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