WM-Vergabe Handschriftliche Notiz belastet Zwanziger in DFB-Affäre

Weist alle Vorwürfe von sich: DFB-Präsident Theo Zwanziger (Bild von 2011).

(Foto: dpa)
  • Theo Zwanziger soll laut DFB-Kreisen "tief involviert" sein in die Affäre um die Zahlung von 6,7 Millionen Euro über die Fifa an den Industriellen Louis-Dreyfus, die als Budget für eine Kulturveranstaltung ausgewiesen wurde.
  • Seine Handschrift findet sich auf einer Notiz, mit der der wahre Grund der Zahlung offenbar verschleiert werden sollte.
  • Zwanziger weist die Vorwürfe zurück: Er habe erst nach der Überweisung an die Fifa von dem eigentlichen Zweck erfahren.
Von Hans Leyendecker, Georg Mascolo und Klaus Ott

Für einen Fernsehkrimi, etwa einen Tatort, taugt die Affäre Sommermärchen 2006 eigentlich nicht. Der Zuschauer könnte angesichts der vielen Darsteller leicht den Überblick verlieren. Die Handlung ist ziemlich unübersichtlich. Innerhalb von neunzig Minuten lässt sich der Fall jedenfalls kaum aufklären. Und wer kann sicher sagen, wer warum ein fatales Memorandum oder einen einfachen Vermerk unterzeichnet hat? Wer ist eigentlich der Schurke in dem Stück?

Bei den von der heutigen Spitze des deutschen Fußball-Bundes (DFB) forcierten Ermittlungen der Wirtschaftskanzlei Freshfields rückt aus Sicht hochrangiger Fußball-Insider und wohl auch aus Sicht der Ermittler ein vertrautes Gesicht in den Mittelpunkt der Affäre: Zu den Verdächtigen gehört jetzt auch der selbsternannte Aufklärer Theo Zwanziger, ehedem Präsident des DFB. Der 70-Jährige werde durch die Untersuchungen schwer belastet, heißt es beim DFB. Er sei in den Fall der ominösen 6,7 Millionen Euro "tief involviert" gewesen. Zwanziger kontert. Das sei "dummes Zeug" und "Geschwätz von DFB-Leuten".

Tausende Dokumente haben die Ermittler von Freshfields, die Anfang März ihren Abschlussbericht vorlegen wollen, gesichtet und ausgewertet. Nach Recherchen von Süddeutscher Zeitung, NDR und WDR spielt ein Vermerk vom 18. April 2005 mit einer handschriftlichen Notiz von Zwanziger mittlerweile in dem Fall eine wichtige Rolle. Die Anwälte von Freshfieds haben dieses Dokument Zeugen vorgelegt und gefragt, was es denn damit auf sich habe. Zwanziger selbst soll, so lässt sich der Vermerk lesen, die berühmten 6,7 Millionen Euro erst passend gemacht haben. Zwanziger gibt sich gelassen: "Das kann mich gar nicht belasten".

Zehn Millionen Franken sollen in eine schwarze Kasse geflossen sein

Bevor das Für und Wider im Zusammenhang mit dem Vermerk in den Einzelheiten erklärt wird, bietet sich eine knappe Zusammenfassung der bisherigen Handlung an.

Die Geschichte der 6,7 Millionen Euro geht so: Nachdem Deutschland im Juli 2000 den Zuschlag für die WM 2006 bekommen hatte, mühten sich die damaligen Mitglieder des WM-Organisationskomitees (OK) lange Zeit vergeblich um einen Finanzzuschuss der Fifa. Erst der damalige OK-Präsident Franz Beckenbauer soll Anfang 2002 nach einem Gespräch mit dem ehemaligen Fifa-Präsident Sepp Blatter den Durchbruch geschafft haben.

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Die Fifa-Finanzkommission überwies einen Zuschuss in Höhe von 170 Millionen Euro und soll im Gegenzug zehn Millionen Schweizer Franken gefordert haben. Beckenbauer wird in Ermittlungs-Unterlagen mit dem schönen Satz zitiert: "Wenn die Fifa was gibt, will sie auch was haben". Bei den bisherigen Ermittlungen soll sich der Verdacht erhärtet haben, dass das Geld in eine schwarze Fifa-Kasse geflossen sein könnte.

Aber nicht das OK zahlte 2002, sondern der frühere Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus, den der Beckenbauer-Berater Robert Schwan um Hilfe gebeten hatte. Von dem merkwürdigen Handel wussten also zunächst nur Schwan und Dreyfus und natürlich irgendwie auch Beckenbauer, soweit der sich überhaupt für solche Vorgänge interessiert. Dreyfus ließ von Beckenbauer offenbar einen Schuldschein unterschreiben.