Korruption bei WM-Vergabe "Bösartige" Vorwürfe

Katar nennt die Vorwürfe "bösartig", zugleich räumt es ein, dass das Gala-Sponsoring bis ins Projektstadium gereift sei. Aber am Ende ist ja offenbar nichts passiert - schwer vorstellbar, dass der Ermittler Garcia Gedankenspiele eines Bewerbers ahnden kann. Zumal es im Hause Fifa selbst bedeutendere Vorgänge zu klären gibt: Etwa die Papiere der Schweizer Justiz, die Verbandschef Joseph Blatter der Mitwisserschaft und Nichtahndung von Korruption auf der Vorstandsetage zeihen. Um Strafermittlungen abzuwenden, zahlte die Fifa 2010 sogar 2,5 Millionen Schweizer Franken Wiedergutmachung. Das ist etwa das Dreifache dessen, was sich Gala-Fan Adamu im selben Jahr als Überschuss aus Katar erhofft hat.

Licht in die Affäre bringt folgende Passage der Times: Die Dokumente wurden ihr "von einer Quelle zugeleitet, die für eine mächtige Figur im Weltfußball arbeitet". Es lässt sich rätseln, wer für mächtige Figuren wie Blatter und Co. werkelt; es sind gut bezahlte Heerscharen. Dass aber eine Fifa-Größe den Medien Material zuspielt, das diese wieder an die Fifa geben, damit die es an Garcia weiterleitet - klingt arg umständlich. Warum ging es nicht gleich an Garcia?

Mögliche Antwort: Weil die Katar-Affäre sonst gar nicht publik geworden wäre. Diskretion sei ganz wichtig bei ihrer Arbeit, hatte Garcias Mitstreiter und Chef der Fifa-Spruchkammer, der Münchner Richter Hans Joachim Eckert, erst jüngst betont. Jetzt aber ist plötzlich eine Katar- Untersuchung im Äther, aus der zwar wenig erwachsen dürfte, die aber Fifa und Garcia endlich einen Tätigkeitsnachweis gibt.

Bisher ist die neue Ethikkammer der Fifa ja nur mit Sperren gegen Blatters Intimfeind Mohamed Bin Hammam aufgefallen. Richter Eckert hat für sich allerdings einen Zeitrahmen abgesteckt, innerhalb dessen er einen wichtigen Fall auf dem Tisch haben will - für reine Reform-Kosmetik werde er jedenfalls nicht zur Verfügung stehen, teilte er kürzlich mit. Nun wird also zur WM-Vergabe an Katar ermittelt: Bitte, tut sich doch was.

Trotzdem muss sich um Katar noch niemand sorgen. Es braucht ja, um Korruption zu belegen, dokumentierte Geldflüsse. Ein paar Mails reichen da nicht. In Katar, heißt es demnach, herrsche noch Gelassenheit. Zumal das Wüstenland, das in zehn Jahren die Weltmeisterschaft ausrichten soll, sportpolitisch massiv aufrüstet. Im International Centre for Sport Security von Katar tummelt sich inzwischen Polizei-Prominenz aus aller Welt; Interpol spielt eine herausragende Rolle.

Das ist jene Organisation, die von der Fifa eine 20-Millionen-Euro-Spende kassierte; Blatters Reformeifer lobt Interpol so enthusiastisch wie Katars Bemühen, die Sportwelt sicher und sauber zur machen. Vor Tagen besiegelte Interpol auch mit Katars WM-Organisation eine Kooperation: Für zehn Millionen Dollar wird Interpol 2022 für die Sicherheit am Golf zuständig sein. Und so schließt sich auch dieser Kreis: Fifa-Fahnder Garcia war bei Interpol lange Vizepräsident.