WM und Olympia in Brasilien Furcht vor dem Desaster

An vielen Orten in Brasilien wird vor der Fußball-WM noch gebaut.

(Foto: Marcus Brandt/dpa)

Die Kritik an Brasilien vor der Fußball-WM im Sommer und Olympia 2016 wächst. Es sind vor allem die ungeklärten Kosten und massiven Bauverzögerungen, die Fifa und IOC anprangern. Das Gastgeberland wehrt sich - und fühlt sich von unglücklichen Formulierungen eines Online-Reiseführers der Fifa verhöhnt.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) und der Fußball-Weltverband (Fifa) habe eine gemeinsame Sorge: Brasilien. Die Vorbereitungen zur in drei Monate beginnenden Fußball-WM sind vielerorts in Verzug, jetzt mussten die Brasilianer auch noch eine Rüge vom IOC einstecken. Massive Bauverzögerungen, Transport- und Hotelprobleme hatten das Komitee veranlasst, etwas mehr als 28 Monate vor den Rio-Spielen zur Dringlichkeit zu mahnen. "Es gibt keinen Moment mehr zu verlieren", warnte der IOC in bester Fifa-Manier. Vieles läuft nicht rund am Zuckerhut. Nicht nur in puncto Sicherheit muss nachgearbeitet werden.

Für das Mega-Event 2016 am Zuckerhut sind bislang nur Teile des Haushalts bekannt. Für zahlreiche Projekte sind noch nicht mal die Ausschreibungen veröffentlicht worden. Am kommenden Mittwoch gibt es in Brasília ein Treffen - "ein entscheidendes Treffen", erklärte die marokkanische Chefin der IOC-Koordinierungskommission, Nawal El Moutawakel. Dabei soll es unter anderem um die Finanzierungsverantwortung für Projekte gehen.

"Mit nur über zwei Jahren bis zur Eröffnung der Spiele am 5. August 2016 weist die Kommission darauf hin, dass eine konstante, gemeinsame und integrierte Anstrengung erforderlich ist, um die Spiele und deren Vermächtnis erfolgreich abzuliefern", hieß es in einer Erklärung der Kommission. Moutawakel sah zwar in Rio auch Fortschritte, warnte aber, dass jede Entscheidung, die verschoben werde und jede anschließende Verzögerung sich negativ auf die Vorbereitung der Spiele auswirkten. Ihre Forderung: "Vollkommene Fokussierung und totaler Einsatz".

In Sachen Haushaltsplanungen hatte die öffentliche Olympia- Koordinierungsstelle APO ("Autoridade Pública Olímpica") im Januar einen Teiletat in Höhe von 5,6 Milliarden Reais (rund 1,7 Milliarden Euro) für den Bau von Wettbewerbsstätten vorgelegt, der auch Investitionen in öffentlicher-privater Partnerschaft umfasst. Doch darin sind nur 24 von 52 Projekten enthalten.

Das lokale Organisationskomitee kalkuliert seinen eigenen von Sponsoren finanzierten Etat mit sieben Milliarden Reais (2,1 Milliarden Euro). Es fehlen noch konkrete Haushaltsansätze für 28 Projekte der Olympischen Spiele, die in vier Regionen der Sechs-Millionen-Stadt ausgetragen werden. Das Herz mit dem olympischen Dorf soll in Barra da Tijuca im Westen Rios schlagen. Wettkampforte sind zudem die Regionen Copacabana, das Maracanã-Stadion sowie Deodoro. Für Deodoro und Copacabana sind die Projekte noch nicht ausgeschrieben.

Fifa schaltet Online-Ratgeber ab

Der Verdruss im Vorfeld der beiden Großereignisse beruht allerdings auf Gegenseitigkeit. Auch Brasiliens Partner bei der bevorstehenden Fußball-WM treten bei der begleitenden Öffentlichkeitsarbeit immer häufiger ins Fettnäpfchen. Sogar der ansonsten für politische Korrektheit bekannte Fifa hat einen Monat nach dem Eklat um WM-Shirts mit sexistischen Anspielungen nun seinen Online-Reiseführer für WM-Touristen wegen ausgesprochen unglücklicher Formulierungen über die Mentalität im WM-Gastgeberland wieder aus dem Netz genommen.

"Das Ziel war, die entspannte Lebensweise in Brasilien darzustellen. Das Material sollte Fröhlichkeit vermitteln und überhaupt keine Kritik an Brasilien sein", teilte die Fifa zur Abschaltung ihres ausgerechnet "10 Tipps zur Vermeidung jeglicher kultureller Missverständnisse" genannten Ratgebers mit. Die Südamerikaner hatten sich durch den Reiseführer in mehreren Textpassagen auch hinsichtlich der Verzögerungen beim Bau der WM-Stadien verhöhnt gefühlt. "Brasilianer bevorzugen ein kultiviertes Chaos", "Geduld ist nicht in den Genen der Brasilianer", "Pünktlichkeit ist in Brasilien nicht gerade eine Wissenschaft" oder "in Brasilien werden viele Dinge erst in letzter Minute erledigt", beschrieb der Fifa-Text aus seiner Sicht charakterische Merkmale der Brasilianer.

Der Ratgeber ist nicht der erste sprachliche Ausfall der Fifa gegenüber den WM-Gastgebern. Generalsekretär Jerome Valcke sorgte vor rund zwei Jahren weltweit für Aufsehen, als sich der Franzose wegen der sich abzeichnenden Probleme bei der Fertigstellung der Arenen für "einen Tritt in den Hintern" der Brasilianer aussprach.