Bundestrainer Löw wird Jens Lehmann nicht in das DFB-Team zurückholen. Allein schon, um zu vermeiden, dass dieser mit Tim Wiese sechs Wochen in einem Hotel wohnt.
Jens Lehmann hat das Buch über seine Lebenserinnerungen als Fußballer und Exzentriker fertig, der Verlag verschickt schon Abschriften an Rezensenten. Aber man könnte notfalls noch ein paar lose Blätter mit einem Extrakapitel beilegen, das garantiert interessieren würde. Titel: Wie ich doch noch Weltmeister wurde. Oder: Wie ich doch noch fast Weltmeister geworden wäre.
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Manuel Neuer. (© Foto: Getty)
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Was spräche dagegen? Jedenfalls nicht die Tatsache, dass Jens Lehmann bereits eine kleine Lichtung auf dem Kopf spazieren führt und 40 Jahre alt ist. Das Alter ist nicht sein Hindernis, das hat er während der Rückrunde nachgewiesen, in der seine exzellenten Auftritte mit dem VfB Stuttgart verdächtig nach einer Bewerbung fürs WM-Tor ausgesehen haben.
Er hat seine Klasse und den Wert seiner Routine unter Beweis gestellt, und an seiner Bereitschaft, den Sommer im afrikanischen Winter zu verbringen, gibt es auch nicht viele Zweifel. Dass Lehmann es am Dienstag abgelehnt hat, René Adlers Unglück zu kommentieren, sagt eigentlich alles. Lehmann würde mitreisen, wenn ihn der Bundestrainer fragen würde, und natürlich hielte er sich für die passende Nummer eins.
Aber der Bundestrainer wird ihn nicht fragen. Joachim Löw hat sich schon nach der EM 2008 darauf festgelegt, dass künftig Jüngeren das deutsche Tor gehören müsse, und er hat nach Adlers Ausfall fürs Turnier keinen Grund, von dem Vorsatz abzuweichen. Abgesehen davon würde er zwar ein interessantes Experiment eingehen, wenn er Jens Lehmann und Tim Wiese sechs Wochen unter dasselbe Hoteldach stecken würde, aber produktiv wäre diese Versuchsanordnung allenfalls für eine lebendige Krawallberichterstattung.
Löw wird sich einen anderen dritten Mann suchen als Lehmann, er wird dem Gebot des Leistungsprinzips die Garantie einer friedlichen Lösung vorziehen und deswegen eher den stillen Jörg Butt als die ehrgeizigen Timo Hildebrand und Roman Weidenfeller auswählen. Schließlich wird er nach Beratung mit seinem Fachreferenten Andreas Köpke Tim Wiese oder Manuel Neuer als neuen Stammtorwart der Nationalelf bestimmen.
Es wäre erstaunlich, wenn ihre Wahl dann nicht auf Manuel Neuer fiele. Neuer hat nicht nur all die Qualitäten, die ein herausragender Torwart haben muss, er besitzt auch das technische Vermögen und die Übersicht eines Feldspielers, wobei dieser Feldspieler nicht der Vorstopper, sondern ein Gestalter wäre. Sein Stil sieht manchmal abenteuerlich und gewagt aus, aber er ist effektiv, er stellt kein Schauspiel dar. Und was sein Alter betrifft, gilt für den jungen Neuer das gleiche wie für den alten Lehmann - es bleibt Nebensache.
Torwartlegende Sepp Maier im Interview. SZ am Wochenende Jetzt lesen ...
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(SZ vom 5.5.2010)
Erster Arbeitstag als Chef der Deutschen Bank
"Oliver Kahn hat sich ja in Wahrheit garnicht zurückgezogen sondern die Mannschaft angefeuert, das war schon vor dem Argentienien-Spiel."
oh ja, der olli war ein wahres ausbund positiver energie. ich erinnere mich genau. :D
Ziemlich madige Bewertungsqualitäten. Oliver Kahn hat sich ja in Wahrheit garnicht zurückgezogen sondern die Mannschaft angefeuert, das war schon vor dem Argentienien-Spiel. Und dann war seine Geste in Richtung Lehmann ziemlich fein.
Auf alle Fälle sind Kahn und Lehmann zwei doch verschiedene Typen, lediglich das gut ausgeprägte Ego sind Gemeinsamkeiten.
Was will man eigentlich mit Wiese im Tor? Da is der Neuer doch viel besser, den würd ich sogar vor dem Adler setzen.
Die einzigen die ich beim "steil gehen" sehen will sind die Offensivspieler.
Wünsch euch was
habedere
ich kann mich gar nicht erinnern, kahns nominierung in zweifel gezogen zu haben. ich kritisiere allenfalls seine haltung während der wm 2006, die er - übrigens auch für alle fernsehenden fußballfans - so schön nach außen getragen hat. viel wurde über den schweigsamen kahn berichtet, der lieber seinen gedanken nachhing, sich gegenüber der journaille einen maulkorb verpasst hatte und so gar nichts mitreißendes, anfeuerndes oder motivierendes für seine mannschaftskollegen übrig hatte. genau das hätte ich aber von kahn damals erwartet. kam aber nicht. bis zum argentinienspiel. dann waren plötzlich alle verzückt vom menschlichkeitsanflug ... der eigentlich selbstverständlich hätte sein sollen. für mich ist der titan ein ebensolcher eigenbrötler wie lehmann, die deutliche persönichkeitsdefizite haben. zwei absolute vollpfosten, wenn es um die einschätzung der eigenen person und die einordnung ins team ging. vielleicht waren sie deshalb so gute torhüter. ;o)
aber schön, wie die kahnjünger immer noch steil gehen, wenn man ihr idol kritisiert.
"Verklärte Erinnerungen"... Ihre? oder welche meinen Sie?
"dass er vorher durch seine selbstgewählte Ausgrenzung im Team - den Einzug in sein persönliches Grübelcamp - durchaus eine Belastung fürs Team war."
Kahn = Belastung für das Team? Woher wissen Sie das? Annahme? oder doch einfach nur Verklärung?
"Nicht ER hat die Mannschaft mitgezogen"
... aha... die Ersatzleute sollen eine Mannschaft mitziehen... Jetzt weiß ich auch wozu man bei einer WM Ersatzspieler mitnimmt.
Wohin hätte Kahn denn die 11 Stammspieler Ihrer Meinung nach ziehen sollen, damit seine Nominierung gerechtfertigt gewesen wäre?
Sorry, aber selten so einen spekulativen Schmarrn gelesen...
Im Grunde genommen sind die Personalien Kuranyi, Butt und sogar Adler eher nebensächlich!
Wieso wird kaum darüber gesprochen, wie die Abwehr aussehen soll, ob mit 1 oder 2 Stürmern gespielt wird, ob Toni Kroos mitgenommen wird und wer im Sturmzentrum Tore schießen soll!?
Ja, selbst über das Spielsystem 442 oder 451 wird kaum gesprochen! Dabei könnte letzteres sogar eine Entscheidung Gomez vs. Kießling nötig machen!
Die wirklich wichtigen Dinge werden so geschickt kaschiert.....
Paging