Von Thomas Kistner

Afrikanischer Verbands-Funktionär wegen Betrugsverdachts festgenommen.

Die nächste Fußball-Weltmeisterschaft 2010 wirft, wie sagt man, schon ihre Schatten voraus.

Ein Glückspilz?... (© Foto: dpa)

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Sie soll in Südafrika stattfinden, so ist der Stand, jedenfalls, wenn die öfter wechselnden Organisationskomitees im Veranstalterland es binnen der verbleibenden vier Jahre schaffen, Insfrastrukturen und moderne Stadien in der erwünschten Qualität und Stückzahl zu errichten.

Einen Vorgeschmack auf Kommendes lieferten bei dieser WM leider nicht die afrikanischen Fußballer, sondern ihre Funktionäre. Sportlich war das Thema flott durch, in punkto Geschäftstüchtigkeit aber hat es einiges zu vermelden gegeben.

Der Sündenfall

Da war, gleich in der ersten WM-Woche, der Sündenfall Ismail Bhamjee. Der Fifa-Vorständler aus Botswana hatte sich als Schwarzmarkthändler betätigt und zwölf Eintrittskarten für das Spiel England - Trinidad in Nürnberg mit einem Nennwert von je 100 Euro für jeweils 300 Euro verkauft.

Das war gleich in mehrfacher Hinsicht ungeschickt: Einmal, weil Bhamjee erst 2004 gescheitert war im Ringen um den Präsidentenstuhl des afrikanischen Kontinentalverbandes CAF, damals hatte ihn Fifa-Chef Sepp Blatter noch diskret protegiert. Zum anderen hat der Mann aus Botswana ein paar ungeschriebene Regeln des Gewerbes unterlaufen: Verkaufe deine Tickets nicht persönlich - und schon gar nicht zu solchen Schleuderpreisen.

Der Mann wurde so auch zum Risikofaktor für jeden, der es gern ähnlich hält. Im übrigen ist keineswegs gesichert, dass es sich nur um diese zwölf Karten gehandelt hatte - mit denen war Bhamjee nur in die Falle britischer Journalisten getappt.

Nun hat ein hoher Offizieller der afrikanischen Fußball-Konföderation CAF die nächste Affäre um WM-Tickets losgetreten. CAF-Exekutivmitglied Celestin Musabyimana wurde in Ruanda wegen Betrugsverdachts festgenommen, ihm wird vorgeworfen, Dokumente des Landesverbandes Ferwafa gefälscht zu haben, um an Eintrittskarten für die WM in Deutschland zu kommen. Dabei soll es sich um Tickets mit einem Gesamtwert von 29 000 Euro handeln. Immerhin.

Kostbare Karten

Jedes der 207 Mitgliedsländer des Weltverbandes erhält ein bestimmtes Kontingent an WM-Tickets. Als die Fifa bei Ruandas Verband wegen der Zuteilungen nachhakte, flog der Fall auf.

Musabyimana, der interessanterweise Kontakte mit einem Schweizer Tickethändler unterhalten haben soll, hatte bereits im Januar sein Amt als Vizepräsident des nationalen Verbandes verloren. Er soll später Verbandsunterlagen gefälscht und rückdatiert haben, um auch weiterhin an die kostbaren Karten zu gelangen.

Was nebenbei ein erhellender Vorgang ist: Der gute Musabyimana flog auf, weil er sich WM-Tickets erschlichen hat, die ihm nur kraft Amtes nicht mehr zustanden. Was die spannende Frage aufwirft, wieviel Geld der mutmaßlich korrupte Funktionär beispielsweise schon bei den zwei vergangenen Weltmeisterschaften 1998 und 2002 eingestrichen hatte.

Zu der Zeit war er Verbandsvize, konnte offiziell ordern. In der "New Times" von Kigali wird nun über eine Millionensumme spekuliert. Der Ticket-Fachmann sitzt im Zentralgefängnis von Kigali, aus dem CAF-Vorstand, in den er kurz vor der WM eingerückt war, fliegt er wohl raus.

Frommer Staatsakt

Es ist also ein Kreuz mit den Fußballfunktionären. Womöglich wird sich das auch Angela Merkel denken, die nun dem obersten Vorturner von allen das Bundesverdienstkreuz überreichen wird. Am Samstag wird die Bundeskanzlerin in Stuttgart den Kampf der deutschen Nationalmannschaft um Platz drei verfolgen, stark anzunehmen, dass sie bei der Gelegenheit auch gleich den Verleihungsakt an Blatter vollzieht, im Auftrag des Bundespräsidenten Horst Köhler.

Ex-Innenminister Otto Schily hatte den Vorschlag, Blatter zu ehren, forciert. Andere Politiker wie der SPD-Fraktionschef Peter Struck hatten sich gegen eine Auszeichnung Blatters ausgesprochen: "Ich sehe dafür keine Notwendigkeit. Ich würde es ihm nicht geben."

Auch der Grünen-Sportsprecher im Bundestag, Winfried Herrmann, hat schon zu WM-Beginn ausgesprochen, was viele denken: "Blatter hat sich nur um die Verdienste der Fifa verdient gemacht." Nun darf man gespannt sein, wie der fromme Staatsakt begründet wird.

Blatters Verdienste um diese WM sind aus deutscher Sicht eher fragwürdig: Er hatte es nur nicht geschafft, dem Land die WM 2006 vorzuenthalten. Damals, bei der Vergabe im Juli 2000, wollte er sie unbedingt nach Südafrika vergeben. Auf dem Kontinent hatte er ja eine Menge Wahlversprechen einzulösen. Im Fußball führen viele Wege nach Afrika.

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(SZ vom 7.7.2006)