Von Thomas Kistner

Der Schwarzmarkthandel blüht wie stets - und wer sich hier bedient, der verzichtet auf Stress vorm Computer, beim Schlangestehen und der Spielauswahl.

Ein typisches Merkmal dieser WM sind nun die gewaltigen Grillfeste, die sich in jeder Stadt am Spieltag sowie dem Tag davor am Stadion-Ticketzentrum abspielen: Menschenschlangen, oft 50 bis 100 Meter lang, die in der Sonne braten und, wie in Berlin vor den bisherigen Spielen, Wartezeiten bis zu vier Stunden erreichen.

Der Schwarzmarkthandel blüht, dpa

Der Schwarzmarkthandel blüht. (© Foto: dpa)

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Rigorose WM-Euphoriker werden auch das gern als Beleg für die grenzenlose Hingabe der Fans werten. Nur sind diejenigen, die da oft stundenlang vor den Kartenschaltern brutzeln, die Verlierer eines offiziell hochgelobten Ticketing-Systems. Es sind die Menschen, die ihre vorschriftsmäßig erworbenen Karten abholen oder umschreiben lassen, weil es offiziell heißt, dass jedes Billett mit den persönlichen Daten des Eigners versehen sein muss, andernfalls wird der Zutritt verwehrt.

Und der seriöse Bürger will sich, bei aller Liebe zum Fußball, eher nicht Zugang erschleichen zu einer Veranstaltung, die ja auf höchster Sicherheitsstufe rangiert.

Wie konsequent die Mühlen der Ticketbürokratie mahlen, zeigt der Erfahrungsbericht von Michael K. aus Hamburg. Seine Freundin hatte es nach tagelangen Versuchen via Fifa-Internetseite geschafft, in der Mittagspause zwei Karten für die Partie Ukraine gegen Tunesien am 23. Juni zu ergattern. Sitze getrennt, beide sichtbehindert - trotzdem sei die Freude groß gewesen.

Was ist ein trifftiger Grund?

Indes hatte die Freundin das Ticket des Freundes zwecks sofortiger Reservierung auf die Daten einer Arbeitskollegin ausstellen lassen, K. musste es umschreiben. Wie das nach langer Warterei am Hamburger Stadion ablief, beschreibt er so: Die Frau am Schalter will den Grund der Umschreibung wissen.

Wir schildern ihn. "Geht nicht!" - es müsse ein triftiger Grund bestehen, Krankheit oder Urlaub. "Urlaub" antworten wir. "Dann brauch' ich eine Kopie der Reisebestätigung oder das Flugticket". Gibt's nicht. "Vielleicht sind Sie ja verwandt?"

Immerhin kann das Ticket bis zum dritten Verwandtschaftsgrad umgeschrieben werden - also sind wir verwandt. "Unterschreiben Sie die eidesstattliche Erklärung, die Ihre Verwandtschaft dokumentiert."

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