WM 2010: Thomas Müller Müller spricht von "Louis van Löw"

Dabei fühlt er sich offenbar auch deshalb in der Nationalmannschaft so wohl, weil er darin ein bisschen seinen FC Bayern wiederentdeckt. Insgesamt sieben Spieler flogen aus der Double-Sieger-Mannschaft mit nach Südafrika, und auch spielerisch will Müller Parallelen sehen. "Wie wir den Ball hin- und herschieben und auf die Lücke warten, Ballkontrolle wollen und dann schnell in die Tiefe spielen", meinte er. Dann benutzte er einen Ausdruck, der in diesen WM-Tagen vielleicht noch Flügel bekommen wird: "Louis van Löw."

Thomas Müller fühlt sich jedenfalls in der Verantwortung, der Mann in der Lücke oder eben in der Tiefe zu sein. Das 1:0 bereitete er mit einem Sprint hinter die australische Verteidigungslinie und einem genauen Querpass vor, ständig stellte er die Socceroos mit seinen Tempodribblings und Antritten vor viel zu schwere Aufgaben. Vor seinem 3:0 zeigte Müller zudem, dass er fähig ist, sich selbst eine Lücke zu schaffen. Mit einem Hinternwackler à la Gerd Müller ließ er den Gegenspieler ins Leere fallen und vollstreckte zielgenau.

Selbst Löw staunte über seinen elften Stammspieler: "Bei Müller wundere ich mich immer wieder, mit welcher Frechheit und Lockerheit er spielt." Wie weit diese Frechheit und Lockerheit die DFB-Elf durchs Turnier tragen wird, konnte dieser Abend trotz aller Euphorie allerdings nicht beantworten. Dafür präsentierten sich die Australier nach dem frühen Gegentor und spätestens nach der (unberechtigten) roten Karte für Starspieler Tim Cahill (56.) als zu schwach und schon fast resigniert.

Die Serben sehen noch Panzer

Doch dieser Auftritt im Moses-Mabhida-Stadion sendete ein Signal an die Konkurrenz. Die Presse im Land des nächsten DFB-Gegners Serbien bediente sich dabei des alten Panzer-Vergleichs, wenn es um gewinnende deutsche Fußballer geht. "Panzer erniedrigen Australien", titelte etwa die Zeitung Blic, was in Bezug auf den schmalbrüstigen Thomas Müller noch fragwürdiger anmutet, als der Vergleich zwischen Menschen und Kriegsgerät ohnehin schon ist.

Dass die Engländer sich dem Panzer-Klischee indes verweigern, verdeutlicht nur umso mehr die Irritationen beim möglichen Achtelfinal-Gegner. Der Guardian schreibt von "verstörend guten Deutschen", der Daily Telegraph sah "Flair, Unvorhersehbarkeit und jugendliche Lebenslust". Und bei den englischen Nachbarn am Johannesburger Frühstückstisch drehte sich die Diskussion bald darum, wie viel Geld man nun auf einen deutschen WM-Sieg verwetten kann.