Von Christof Kneer

Ein Spielertyp, den kein anderer WM-Trainer hat: Der torgefährliche Vagabund Thomas Müller ist eine Bedrohung für jeden Gegner. Er fürchtet nicht einmal den Vergleich mit großen DFB-Helden.

Als Thomas Müller mit der Nummernwahl dran war, waren nur noch drei Hemden frei. Die "14" war noch zu haben, eine schöne Zahl, einst berühmt gemacht durch den großen Johan Cruyff, später beim DFB in Ehren gehalten durch den fast so großen Gerald Asamoah. Auch die "4" lag noch herum, eine Nummer, die nach Gras, Dreck und Grätsche riecht und in Deutschland zumeist von Karlheinz Förster und Jürgen Kohler eingesaut wurde. Und natürlich die "13". Aber kann man, darf man diese Nummer nehmen, als junger Spieler, die Nummer von Michael Ballack und vor allem: von Gerd Müller? "Für mich war das eine Steilvorlage", sagt Thomas Müller. Er hat natürlich die "13" genommen.

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Ich hab die Nummer 2. - Falsch, Thomas Müller (Mitte). Der Münchner hat die Trikotnummer 13, wie einst Gerd Müller oder Michael Ballack. (© dpa)

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Thomas Müller graust es vor gar nichts. Ein bisschen Unterwürfigkeit müsste man doch erwarten können von einem 20-Jährigen, dem plötzlich die halbe deutsche Fußballgeschichte auf den - im Übrigen sehr schmalen - Schultern lastet. Oder nicht? "Mich setzt die 13 nicht unter Druck", sagt Müller, "ich muss vor dieser Nummer nicht davonlaufen." Thomas Müller ist so, wie er spielt, er spielt so, wie er ist: naturbelassen, geradeaus und immer unterhaltsam.

In Joachim Löws kuriosem Kader ist Thomas Müller der kurioseste Spieler. Er kommt einerseits von ganz unten zu dieser WM, von Bayerns Drittliga-Elf, der er bis zum Sommer 2009 noch diente; andererseits kommt er von ganz weit oben, er kommt vom Champions-League-Finale angereist und vom Münchner Rathausbalkon. Er hat dünne Beine und einen dicken Schuss, er kann keinen brillanten Trick, kommt aber trotzdem an jedem Gegner vorbei, er ist nicht sehr kräftig, aber so sehnig und zäh, dass er noch nie länger als ein, zwei Wochen verletzt war. "Wo keine Muskeln sind", sagt er, "kann auch nichts weh tun." Er kokettiert gern mit seinen Schwächen, weil er weiß, dass es eigentlich Stärken sind.

Thomas Müller ist nicht nur die kurioseste, sondern auch die spannendste Personalie, die Deutschland zurzeit zu bieten hat. Das liegt vor allem an jenem Alleinstellungsmerkmal, das den Fußballer Müller kennzeichnet. Sein Alleinstellungsmerkmal ist, dass er einen Fußball spielt, den man nicht vergleichen kann.

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