Von Thomas Hummel, Pretoria

Südafrikas 0:3 gegen Uruguay entsetzt die Fans des Gastgebers. Nur noch ein kleines Wunder kann Bafana Bafana im Turnier halten. Trainer und Spieler kommentieren das drohende Aus sehr unterschiedlich.

Carlos Alberto Parreira schien in Gedanken bereits weit weg zu sein. Mit jeder Frage hingen seine Augenwinkel noch ein wenig tiefer, seine Zunge fuhr hektisch zwischen den Lippen umher, mit dem rechten Zeigefinger bohrte er in seiner Wange. Parreira zog sich während der Pressekonferenz im Loftus-Versfeld-Stadion auf einen anderen Planeten zurück, die reale Welt war an diesem Abend einfach zu ungemütlich.

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Nur einmal flackerte die gewohnte Energie des 67-Jährigen auf, plötzlich redete er im gewohnten Tempo, reihte Satz an Satz. "Das war der schlechteste Schiedsrichter des Turniers. Wir sind sehr verärgert, er hat immer gegen mein Team entschieden. Und dann verließ er den Platz noch mit einem breiten Grinsen. Er hat es nicht verdient, hier zu sein." Bumm! Da blieb kein Raum für Versöhnung.

Die südafrikanische Mannschaft, der Gastgeber dieser WM, verließ am Mittwochabend das Turnier. Theoretisch gibt es zwar noch Hoffnung, egal, wie das andere Spiel der Gruppe A zwischen Frankreich und Mexiko am Donnerstagabend ausgeht. Doch nach dem 0:3 gegen Uruguay glaubte in Pretoria ernsthaft niemand mehr daran, dass die so euphorisch unterstützte Bafana Bafana noch den Weg ins Achtelfinale findet. Dafür saß der Schrecken über die Hilflosigkeit der Mannschaft während der 90 Minuten zu tief.

Ein allzu durchschaubarer Akt

Und so wirkte Trainer Parreiras Kritik an Schiedsrichter Massimo Busacca wie ein Scheingefecht, um das so unangenehme Rampenlicht von dem eigenen Versagen hin zu einem vermeintlich Schuldigen zu lenken. Doch bald schon sah er selbst ein, dass dies ein allzu durchschaubarer Akt war. Er ging dazu über, den Gegner zu preisen: "Uruguay hat sehr erfahrene Spieler. Sie können mit dem Ball umgehen und haben die Situation sehr gut kontrolliert." Eigenschaften eben, die seine Mannschaft nicht hat.

So wird der Traum von einer sportlich erfreulichen Heim-WM wohl ein Traum bleiben. Mit Parreira war Bafana Bafana zuletzt 13 Mal in Serie ungeschlagen geblieben, inklusive dem Eröffnungsspiel gegen Mexiko (1:1). Gegen Uruguay, so glaubte das ganze Land, würden die Jungs mit einem Sieg die Nation mit Glück und Stolz beseelen.

Immerhin fiel das Spiel auf den Youth Day, 34 Jahre nach dem Schüleraufstand von Soweto gegen die rassistische Apartheid-Politik. Und so versammelten sich die Menschen trotz bitterer Kälte im ganzen Land vor einem Braai, der südafrikanischen Variante des Grillfestes, bei dem nur Holz als Befeuerungsmaterial zum Einsatz kommen darf, und bereiteten sich auf das größte Fest vor, das Südafrika je gefeiert hat.

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