Während in Chile nach dem ersten Sieg gegen den Nachbarn Argentinien seit 35 Jahren die Nacht zum Tag wird, herrscht in Brasilien nach einer erneuten Nullnummer gegen Kolumbien der Frust.

Auf der Plaza Italia knallten nach Chiles historischem Fußballtriumph über Argentinien die Sektkorken, Autohupen und Fangesänge ließen die Hauptstadt Santiago de Chile nicht zur Nachtruhe kommen. Chiles Trainer Marcelo Bielsa genoss dagegen 35 Jahre nach dem letzten Erfolg in einem Länderspiel den ersten Pflichtspielsieg des Andenstaates gegen seine Landsleute im Stillen.

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Kein Durchkommen: Selbst Argentiniens Wunderkind Leo Messi gelang beim 0:1 der Gauchos in Chile nicht viel. (© Foto: AP)

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Mit dem 1:0 (1:0) gegen den zweimaligen Weltmeister brachten sich die Chilenen in der südamerikanischen WM-Qualifikation endgültig für ein Ticket zur Endrunde 2010 ins Gespräch. Die Bielsa-Truppe hat nach zehn von 18 Runden als Tabellenvierter mit 16 Punkten die Giganten Argentinien (16) und Brasilien (17) in Schlagweite und den Fünften Uruguay drei Zähler hinter sich. Vorne weg eilt Paraguay, das nach dem mühsamen 1:0 (0:0) gegen Peru schon sechs Zähler Vorsprung auf Brasilien hat. Die Selecao blamierte sich beim 0:0 gegen Kolumbien, dem dritten torlosen Remis vor heimischer Kulisse in Folge, ein weiteres Mal.

Bielsa schlägt Basile

Nach dem verlorenen Duell gegen den taktikverrückten "El Loco" Bielsa musste selbst Argentiniens Nationalcoach Alfio "Coco" Basile eingestehen: "So gut habe ich die schon lange nicht mehr spielen gesehen." Sein Gegenüber, der von 1998 bis 2004 selber auf der Gaucho-Bank das Zepter schwang, gestand: "Die größte Freude für mich ist es, den Stolz der Spieler darüber zu spüren, dass sie auf so einem hohen Niveau agiert haben." Vor 55.000 begeisterten Fans im Nationalstadion setzten die Chilenen die argentinische Startruppe um Lionel Messi von Beginn an unter Druck. Doch aus der Vielzahl der Chancen nutzte nur Fabian Orellana (36.) eine zum Tor des Abends. Während bei den Chilenen der Leverkusener Arturo Vidal erst in den Schlussminuten zum Einsatz kam, erlebte bei den Gästen der Münchner Martin Demichelis das Debakel über die volle Spielzeit hautnah mit.

In Rio de Janeiro hielten nach der Nullnummer die Tabus von Brasilien und Kolumbien an. Die Seleção wartet nun seit vier Jahren auf zwei Eliminatorias-Siege in Folge, die Cafeteros suchen schon seit 534 Minuten vergeblich den Weg ins gegnerische Tor. Die 46.000 Zuschauer im Maracana-Stadion hatten dabei schnell in Dunga den Übeltäter für den Heimkomplex ausgemacht. "Früher hat man geklagt, dass Brasilien auswärts nicht gewinnt. Zuletzt haben wir zwei Siege in der Fremde eingefahren", erinnerte der 44 Jahre alte Ex-Stuttgarter, der sich wieder "Adeus, Dunga"-Rufe anhören musste, im grantigen Ton, gestand dann aber ein: "Wir müssen wieder dahin kommen, auch die Heimspiele zu gewinnen."

Laut Brasiliens Topstar Kakà fehlte den Hausherren aufgrund der Reisestrapazen nach dem 3:0 am Sonntag in Venezuela die Kraft. "Der Leistungsabfall hat auch damit zu tun, dass wir jedes Mal unser zweites Spiel zu Hause gegen Gegner spielen, die sich hinten reinstellen", bekannte der Weltfußballer vom AC Mailand. Das Mauer-Syndrom wie es Wales gegen Deutschland praktizierte gibt es also auch in Süramerika. Kapitän Lucio gestand immerhin, dass der WM-Rekordchampion schlecht gespielt habe. Für den Münchner, neben dem Wolfsburger Josue einziger Bundesliga-Akteur auf dem Platz, war es dennoch ein wichtiger Punktgewinn, "der uns näher an das WM-Ticket gebracht hat."

Paraguay fast durch

Die Fahrkarte so gut wie sicher hat Spitzenreiter Paraguay, der im Duell gegen Schlusslicht Peru aber 82 Minuten brauchte, um das Gäste-Bollwerk zu durchbrechen. In einer Gemeinschaftsaktion drückten Oscar Cardozo und Edgar Benitez den Ball schließlich zum Jubel der 31.500 Zuschauer in Asuncion über die Linie. Das Duo war erst eine Viertelstunde zuvor für die Bundesliga-Legionäre Nelson Valdez (Borussia Dortmund) und Jonathan Santana (VfL Wolfsburg) aufs Feld gekommen.

Den zehnten Eliminatorias-Spieltag beschloss Venezuela mit einem 3:1 (0:1) über Ecuador. Isaac Mina (11.) hatte die Gäste in Führung gebracht. Der WM-Teilnehmer von 2002 und 2006 ging jedoch nach Gegentoren durch Giancarlo Maldonado (48.), Alejandro Moreno (57.) und Juan Arango (68.) nach sechs Spielen erstmals wieder als Verlierer vom Platz. Bereits am Dienstag hatten sich Bolivien und Uruguay in La Paz 2:2 (2:0) getrennt.

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(sueddeutsche.de/sid/JBe)