Was aber Philipp Lahm angeht, da irrt selbst der schlaue Hitzlsperger: Lahm ist Stammspieler beim FC Deutschland 08, sogar "absoluter Stammspieler", wie Löw vermutlich sagen würde. Er hält links hinten die Stellung, bedrängt von niemanden. Zum Glück für Löw gibt es noch ein paar weitere Außenverteidiger, die noch nicht von Österreichern verdrängt wurden: Christian Pander, Andreas Hinkel, Marcell Jansen (zurzeit verletzt), Gonzalo Castro und Andreas Beck (beide U21). Gerade den Jungen sei aber eine Metzelder-Weisheit empfohlen: Erst mal eine Weile vernünftig spielen!
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Mittelfeld
Abgesehen von der Banalitäten-Unterrubrik "Wade" ist Michael Ballacks Platz in der Zentrale so sicher, dass man ihn selbst in Zeiten der Finanzkrise als Banksicherheit einreichen könnte. Neben ihm macht sich Löws neuer Garantien-Entzug aber am deutlichsten bemerkbar, und man darf der Fußballsprache dankbar sein, dass sie den Begriff "alternder Leitwolf" erfunden hat. Wie sonst sollte man Torsten Frings beschreiben, der sich auf tausendundeinem Schlachtfeld müde gelaufen hat?
"Junge Leitwölfe" gibt es aber nicht mal in der Fußballsprache, weshalb die Fußballsprache dringend aufgefordert wird, den Begriff auf der Stelle zu erfinden. Thomas Hitzlsperger und Simon Rolfes sind nämlich welche, und so ergibt sich die für Löw angenehme Situation, dass er künftig - je nach Gegner, Form, Taktik oder sonstigen Banalitäten - immer einen dieser drei Wölfe neben den großen Wadenwolf Ballack stellen kann. Für alle Fälle hat Löw auch noch eine Frings-light-Version namens Jermaine Jones im Auge sowie Tim Borowski, der aber über einen Standortnachteil verfügt: Er spielt beim FC Bayern. Besser: Er spielt nicht.
Wie soeben vom Finanzmarkt verlautet, würde wohl auch der Stammplatz von Bastian Schweinsteiger im rechten Mittelfeld als Sicherheit akzeptiert (erst recht dank Schweinsteigers guter Kontakte ins Kanzleramt). Auf der linken Seite hat sich Piotr Trochowski als Lahms liebster Spielpartner listig in die erste Elf geschmuggelt. Er konkurriert dort mit Marko Marin, der diesmal an den FC Deutschland 08/2 von Dieter Eilts verliehen wurde. Sowie mit Lukas Podolski, Schweinsteigers Gspusi aus den Zeiten, als er noch nicht im Kanzleramt ein und aus ging. Auf dem geheimen Einkaufszettel des FC Deutschland 08: Özil, Kroos, Hunt, Dejagah. Und was wird aus Odonkor? Siehe "spanische Karriere".
Sturm
In diesem Mannschaftsteil wird weiterhin aufs konservative Anlagevermögen zurückgegriffen. Trotz des Standortnachteils München gilt Miroslav Klose ebenso als stabiler Wert wie Lukas Podolski. Gibt es mal Zweifel, legt der eine schnell eine Drei-Tore-Schicht gegen Finnland ein, der andere schießt das Führungstor gegen Russland. So kommt es, dass die Zukunftshoffnungen Gomez und Helmes in der Gegenwart immer noch draußen sitzen. Und dahinter? Kommt Stefan Kießling und dann lange nichts. Ehemalige Kandidaten wie Jan Schlaudraff oder Mike Hanke sind im Moment nur: ehemalige Kandidaten. Und Kevin Kuranyi ist als Bankguthaben gelöscht.
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(SZ vom 15.10.2008/JBe)
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13 Kommentare stand da gerade...
Das wäre Ballacks Nummer! Das konnte ich so nicht stehen lassen. ;o)
Echt spritziger Bericht.
Herr Kneer hat sein Geschäft gelernt. Man muss aus diesen banalen Dingen erst einmal eine Metastory machen. Respekt. Die Konstruktion ist gelungen...
Ich weißschon, warum ich hier im fernen Düsseldorf den SZ-Sportteil füre den besten inDeutschland halte: wegen Artikel wie diesem, verehrte Herren Kneer und Selldorf.
...ein grosses Lob! Da hier ja auch gerne kritisiert wird, wenn die erwartete Qualität der SZ-Sportredaktion nicht erreicht wird, gebietet es sich in Fällen wie diesem Artikel auch einmal positive Kritik zu üben!
Endlich mal wieder eine Glanzleistung! Vielen Dank!!!
Schließe mich an: köstlich!
Habe mich an einigen Stellen weg geschmissen...
Paging