Der 2:1-Sieg gegen Russland offenbart, dass auch Gegentore ihr Gutes haben. Löw muss nur noch an Kleinigkeiten arbeiten - und mit einem rebellierenden Kuranyi umgehen.
Manchmal ist es offenbar gut, wenn der Gegner noch ein Tor erzielt. Manchmal ist es offenbar genauso gut, wenn die eigenen Offensivspieler nicht noch einen Treffer markieren. Und manchmal ist es wohl am besten, wenn diese beiden Dinge zusammenkommen. Diesen Eindruck konnte man gewinnen, als Deutschlands Kapitän Michael Ballack den 2:1 (2:0)-Sieg der DFB-Auswahl gegen Russland analysierte. Seine Argumentation: Gut, dass das Spiel so aus ging wie es ausging und nicht etwa 3:0, weil dann alle gesagt und geschrieben hätten, die Russen seien ja gar nicht so stark gewesen.
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Die Richtung stimmt: Schweini, Poldi & Co. nehmen Kurs Richtung WM 2010. (© Foto: dpa)
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In der Tat wäre es wohl nicht so günstig gewesen, wenn am Ende des WM-Qualifikationsspiels auf der Videoleinwand im Dortmunder Stadion "Deutschland 3 - Russland 0" aufgetaucht wäre. Obwohl das Spiel ein Spiel war, das durchaus 3:0 hätte enden können. Denn nach den Treffern von Podolski (9.) und Ballack (28.) hatten die Deutschen noch gute Chancen für einen dritten Treffer, die Russen hingegen bei ihrem Tor zum 1:2 das Glück, dass die Hereingabe von Rechtsverteidiger Anjukow auch den Weg durch René Adlers Beine zu Stürmerstar Arschawin fand (51.).
Ein 3:0 hätte wohl eine zu eindimensionale Betrachtung der Partie erzeugt. Nach einem 2:1 hingegen, um das in der Schlussphase auch noch gezittert werden musste und das nur ein 2:1 blieb, weil der eingewechselte Dsagojew kurz vor Schluss nur den Pfosten traf, ergibt sich ein differenzierteres Bild. Gewiss war das Spiel ein Spiel auf sehr hohem Niveau, die Tendenz der Elf stimmt eindeutig. Kein Spieler spielte wirklich schlecht, eine Hälfte lang lieferten etliche sogar eine deutlich überdurchschnittliche Leistung, wobei sie von der unsicheren Abwehr der Russen profitieren konnten.
Und so erarbeiteten und erspielten sich Ballack & Co. gemeinsam diesen wichtigen Sieg; sie erglänzten ihn nicht mit einer Angriffs- und Kombinationsgala von der ersten bis zu letzten Minute; aber sie errumpelten ihn auch nicht wie es deutsche Mannschaften früher so oft taten. Sie spielten mit Einsatz, Kampf- und Laufbereitschaft, aber auch mit technisch feinen Passagen und schnellen Passstaffetten dazwischen. Vielleicht entwickelt sich ja so etwas wie die deutsche-Tugend-Plus-Generation. Löw muss für einen erfolgreichen Weg zur WM 2010 nicht mit der Motorsäge zu Werke gehen und Dinge komplett umbauen; doch für das ein oder andere Spielelement muss er wohl noch die Feile benutzen.
Eine dieser Feinjusterierungsstellen muss der Versuch sein, der Elf mehr Souveränität einzuimpfen. Während die Deutschen vor der Pause die Partie dominierten, ließen sie nach dem Seitenwechsel erkennbar nach und die Gäste viel besser ins Spiel kommen. "Ich habe dafür auch keine Erklärung", sagte Bundestrainer Joachim Löw nach dem Spiel. Sicher, sein Gegenüber Guus Hiddink korrigierte in der Pause seine Anfangsformation und variierte die Taktik. Doch darf das allein in Verbindung mit dem Anschlusstreffer ausreichen, um die deutsche Mannschaft aus dem Konzept zu bringen? Niemandem in der deutschen Elf, auch nicht dem Kapitän Ballack, gelang es in der Phase nach dem russischen Anschlusstreffer, das Spiel zu beruhigen. Die Mannschaft spielte zwar nicht so stark wie im ersten Durchgang, auch nicht schlecht, aber die Dominanz der Russen nahm zu - und Löw "war froh, als das Spiel abgepfiffen wurde, denn die Russen waren dem Ausgleich nahe".
Das nächste Feilenanwendungsgebiet ist die Abwehr. Mit zunehmender Spieldauer schwanden nämlich die Zuordnungen in der Defensive. Wann immer Arschawin mit dem Ball am Fuß durch die deutsche Hälfte raste, konnte ihn kaum jemand stoppen. So kam dann auch Angreifer Pawel Pogrebnjak noch zu einer großen Kopfballchance - die Adler in sehenswerter Manier vereitelte, die aber Abseits gewesen wäre.
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