Von Thomas Hummel

Der Ausfall von Michael Ballack trifft die DFB-Auswahl hart. Foulspieler Boateng, bald mit Ghana WM-Gegner, entschuldigte sich inzwischen.

Das Unternehmen Südafrika der deutschen Nationalmannschaft scheint unter keinem guten Stern zu stehen. Das soll nun kein Hinweis auf den Sponsor des DFB sein, eher schon darauf, dass sich die Nationalmannschaft bei einem Weltmeister-Titel einen vierten Stern auf das Trikot nähen dürfte. Dieser vierte Stern scheint allerdings nun irgendwo im Orbit verschwunden zu sein, nicht mehr zu sehen, unerreichbar: Kapitän Michael Ballack fällt für die WM in Südafrika aus.

Joachim Löw, Michael Ballack, dpa Bild vergrößern

Joachim Löw (links) muss bei der WM auf Michael Ballack verzichten. (© Foto: dpa)

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Nach einem rüden Tritt des in Berlin geborenen Kevin-Prince Boateng vom FC Portsmouth musste Ballack zunächst am Samstag das FA-Cup-Finale abbrechen, den Sieg seines FC Chelsea feierte er schon in Badelatschen. Eine erste Röntgen-Aufnahme erbrachte, dass der Knöchel des 33-Jährigen nicht gebrochen ist, was für Hoffnung bei Ballack und beim DFB sorgte. Doch am Montag ergab eine Kernspin-Untersuchung beim DFB-Arzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt in München die schlimme Diagnose: Riss des Innenbandes und ein Teilriss des vorderen Syndesmosebandes im rechten Sprunggelenk, mindestens acht Wochen Pause.

Für den 33-Jährigen ist damit ein Traum geplatzt, die WM 2010 wäre wohl seine letzte Chance gewesen, einen großen internationalen Titel zu gewinnen. Bei der WM 2002 in Südafrika und Japan verpasste Ballack das Endspiel gegen Brasilien wegen einer zweiten gelben Karte. Die WM 2006 endete im Halbfinale, die Europameisterschaft 2008 mit einer Niederlage im Finale. Ballack gab in München bleich und merklich geknickt ein erstes Interview: "Die Enttäuschung ist natürlich groß. Aber das muss ich jetzt akzeptieren." Der frühere DFB-Teamchef Rudi Völler kommentierte: "Das ist brutal, furchtbar für Michael."

Auch Michael Ballacks Vater ist tief erschüttert. "Schlecht, bitter, traurig. Ich kann das gar nicht in Worte fassen. Michael hat bisher zwei überragende Weltmeisterschaften gespielt. Eine dritte war ihm leider nicht vergönnt", sagte Stephan Ballack der Freien Presse in Chemnitz.

Boateng: "Es war keine Absicht"

Am Montagabend gibt es dann eine erste Stellungnahme von Kevin-Prince Boateng: "Es tut mir leid. Es war keine Absicht", sagte der 23-Jährige Sport Bild online. "Ich komme einfach zu spät und treffe ihn voll", versucht er, sein Foul zu erklären.

Im Trainingslager der Nationalmannschaft auf Sizilien führte die Nachricht aus München zu emotionalen Erschütterungen. Bundestrainer Joachim Löw sagte: "Wir sind geschockt, keine Frage." Ballack sei ein sehr wichtiger Spieler, ein Weltklassespieler, der bei wichtigen Spielen eine tragende Rolle gespielt habe. Er habe die Nachricht vor dem Vormittagstraining der Mannschaft überbracht und dabei bereits erste Durchhalteparolen gesendet: "Von Resignation kann keine Rede sein. Wir müssen jetzt alle Kräfte bündeln."

Trotz aller Optimismus-Bekenntnisse kommen auf das DFB-Team ohne Ballack einige Probleme zu. Aufgrund seines Selbstbewusstseins und seiner internationalen Erfahrung füllte der Profi des FC Chelsea mannschaftsintern die Häuptlings-Rolle aus. Und auch wenn viele Spieler etwa bei der EM 2008 von Ballacks Führungsanspruch genervt waren, durch seine Leistungen unterstützte ihn zuletzt auch Löw in dieser Position. Dabei gilt der Bundestrainer eher als Gegner der Führungsspieler-Ansprüche, ohne Ballack dürfte der 50-Jährige die flache Hierarchie innerhalb der WM-Gruppe bevorzugen.

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