Von Thomas Hummel, Pretoria

Regisseur statt Rüpel: Kevin-Prince Boateng hat Michael Ballack das WM-Aus beschert. Im Team des deutschen Vorrundengegners Ghana gibt er nun den seriösen Mittelfeldspieler - und leistet sich nur eine kleine Verrücktheit.

"Kevin, Kevin, bitte ein Wort in Deutsch", hallte es Kevin-Prince Boateng entgegen, als er die Mixed Zone betrat. Nach einem Spiel müssen die Fußballer bei dieser WM durch einen Raum, in dem sie den Journalisten begegnen, und wer Lust hat, kann ein paar Worte in die Mikrofone und Blöcke hineindiktieren.

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Der gebürtige Berliner Kevin-Prince Boateng hat sich für das Land seines Vaters entschieden: Bei der WM spielt er im Team des deutschen Vorrundengegners Ghana. (© dpa)

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"Herr Boateng, Herr Boateng, bitte ein Wort in Deutsch!" Er hob den Kopf, sah den Fragesteller an, winkte mit dem rechten Zeigefinder und ging weiter. "Kevin, wie war das Spiel?" - Kevin-Prince hob wieder den Kopf und den rechten Zeigefinger und ging weiter. Er zog seinen Rollkoffer durch den Raum, winkte immer wieder mit dem rechten Zeigefinger ab und verschwand schließlich in die Nacht und im Mannschaftsbus. Kevin-Prince Boateng hatte keine Lust, auf deutsche Fragen zu antworten.

Das war insofern kein Wunder, als ihm die deutsche Öffentlichkeit und eventuell sogar einer der Fragesteller im Loftus-Versfeld-Stadium in Pretoria zuletzt ziemlich zugesetzt hatten. Nach seinem rüden Foul an Michael Ballack im FA-Cup-Finale zwischen Portsmouth (Boateng) und Chelsea (Ballack) und dem folgenden WM-Aus des deutschen Kapitäns kam zunächst das Gefühl auf, Boateng erhalte als Staatsfeind Nummer eins ein Einreiseverbot in das Land seiner Geburt.

Überaus wichtige Position

Der 23-Jährige aus Berlin empfand das als recht ungerecht. Er habe den DFB-Kapitän nicht absichtlich gefoult, entschuldigte er sich. Den Verdacht eines Revanchefouls befeuerte Boateng allerdings selbst, indem er sich über eine Ohrfeige Ballacks nur wenige Minuten vor der fatalen Aktion beschwerte. Auf jeden Fall hatte er fies zugetreten und die Deutschen verloren kurz vor der WM ihren vielleicht besten Spieler. Während Boateng nach Südafrika reiste. Für das Land seines Vaters: Ghana.

Mit diesem machte Boateng am Sonntag ganz Afrika glücklich, weil Ghana als erstes Team des Kontinents in Südafrika ein Spiel gewann. Der Stuttgarter Serbe Zdravko Kuzmanovic hatte kurz vor Schluss aus unerfindlichen Gründen eine Flanke mit der Hand abgelenkt, Stürmer Asamoah Gyan durfte den Elfmeter zum 1:0-Endstand ins Tor schießen.

Weil der DFB Kevin-Prince Boateng nicht mehr berücksichtigt hatte (angeblich auch, weil es in den Nachwuchsmannschaften des Öfteren Ärger mit dem selbsternannten Ghetto-Kid aus Berlin gegeben hatte), hatte er sich erst kürzlich entschieden, für Ghana spielen zu wollen. Und weil Ghana zu allem Überfluss der deutschen Vorrundengruppe D zugelost worden war, sollte Boateng in Pretorias Mixed Zone einige Worte auf Berlinerisch zur Partie gegen die Serben sagen. Einer Partie, in der er auch der deutschen Fußball-Öffentlichkeit zeigte, nicht nur treten, sondern auch sehr gut Fußball spielen zu können. In seinem zweiten Länderspiel für Ghana ordnete der Berliner das Spiel im defensiven Mittelfeld und nahm dort eine überaus wichtige Position ein.

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