Der irische Fußballverband bittet die Fifa, als 33. Team zur WM nach Südafrika zu reisen. Wie würde das aussehen? Vier Szenarien.
Fairness ist ein wichtiger Begriff auf der Grünen Insel - vor allem beim Sport. Eine Schwalbe beim Fußball gilt als beinahe so verabscheuenswürdig wie Totschlag, ein hinterhältiges Foulspiel würde man am liebsten mit einer Gefängnisstrafe sanktionieren. Kein Wunder also, dass in Irland die Aufregung groß ist, seit die Nationalelf im Qualifikationsspiel an Frankreich gescheitert ist - wegen eines Handspiels des französischen Schlawiners Thierry Henry in der Verlängerung.
Der Auslöser für den Unmut der Iren: das Handspiel von Thierry Henry. (© Foto: dpa)
Anzeige
Nach zwei erfolglosen Versuchen, ein Wiederholungsspiel zu erzwingen, appellieren die Iren mit einem Brief an Joseph Blatter an den Gerechtigkeitssinn des Weltfußballverbands Fifa. "Sie haben sehr höflich gefragt, ob sie die 33. Mannschaft bei der WM sein könnten", sagt Fifa-Chef Blatter, der das Anliegen an das Exekutivkomitee seines Verbandes weiterleiten will.
Da auch bei sueddeutsche.de die Begriffe "Fairness" und "Gerechtigkeit" großgeschrieben werden, hat die Redaktion dem Vorschlag der Iren zugestimmt und sich sogleich Gedanken gemacht, wie es aussehen könnte, wenn auch die Fifa dem Antrag folgt. Nach intensiven Recherchen in der Fußball-Historie gibt es vier Szenarien, die eine Teilnahme der Iren ermöglichen könnte.
1.) 33 Mannschaften
Die unauffälligste Lösung: Die Iren werden der Gruppe zugeteilt, in der auch die Franzosen spielen - in dieser Gruppe gibt es dann einen zusätzlichen Spieltag. Es böte sich folgende Auslosung an: Frankreich, England, Irland, Südkorea und Nordkorea - das wäre jedenfalls die brisanteste Gruppe der WM 2010. Die Iren freilich treten nur an, wenn Thierry Henry nicht vom französischen Trainer Raimond Domenech nominiert wird.
2.) Das Vor-Eröffnungsspiel
Die lukrative Lösung: Drei Tage vor dem Eröffnungsspiel am 11. Juni in Johannesburg treffen Frankreich und Irland in Port Elizabeth bei einem Prolog aufeinander. Dort wird die Mannschaft ermittelt, die letztlich die WM bestreiten darf. Mit diesem Entscheidungsspiel umgeht Blatter die Notwendigkeit des Wiederholungsspiels - und generiert zusätzliche Einnahmen für die Fifa, weil vor dem Spiel eine Vor-Eröffnungsfeier abgehalten wird und die Fan-Meile in Port Elizabeth drei Tage länger geöffnet ist und dort natürlich nur Fifa-Bier ausgeschenkt wird. Diesem Spiel stimmen die Iren nur zu, wenn Henry nicht ins Stadion darf.
3.) Game-Sharing
Die salomonische Lösung: Die französische Nationalelf spielt die erste Begegnung, die irische die zweite. Danach tritt wieder Frankreich an, im Achtelfinale Irland und so weiter. Welche Mannschaft dann das Finale bestreiten darf, ermitteln Frankreich und Irland dann zwei Tage vor dem Endspiel in einem Ausscheidungsmatch. Thierry Henry freilich dürfte nicht mitspielen.
4.) Eine irisch-französische Nationalelf
Die kuriose Lösung: Sie wurde quasi bereits bei der Weltmeisterschaft 1938 angewendet, damals nach der Einverleibung Österreichs durch die NS-Diktatur. In der deutschen Nationalelf spielten auf Anordnung der Reichsführung jeweils fünf oder sechs österreichische Akteure, um das "vereinte Deutschland" zu repräsentieren. Die Mannschaft schied in Frankreich nach einem 1:1 und einem 2:4 gegen die Schweiz aus - es war das schlechteste Ergebnis einer deutschen Elf bei einer WM. Die irisch-französische Elf freilich wäre nicht politisch motiviert, sondern würde aus Fairness-Gründen zusammenspielen. Eine mögliche Elf: Shay Given, John O'Shea, William Gallas, Alou Diarra, Kevin Kilbane, Franck Ribéry, Damien Duff, Florent Malouda, Robbie Keane, Yoann Gourcuff, Nicolas Anelka. Schlawiner Thierry Henry freilich dürfte nicht nominiert werden.
Wie aber wird sich die Fifa entscheiden? Millionen Fans schauen auf Joseph Blatter, den Fußball-Muezzin aus der Schweiz.
Torwartlegende Sepp Maier im Interview. SZ am Wochenende Jetzt lesen ...
- Thema
- Fußball-WM RSS
- Fußball-WM: Historie (1) Grossos Schuss ins Sommermärchen-Herz 19.05.2010
- Fußball-WM: Nationalelf auf Sizilien Schwitzen im Olivenhain 18.05.2010
- WM 2010: Ballack fällt aus Diagnose: Achsenbruch 18.05.2010
- WM 2010: Michael Ballack Foulspieler Boateng findet eine Entschuldigung 18.05.2010
- Fußball-WM: Michael Ballack Die Stunde der Demokraten 17.05.2010
- Ballack verletzt: Reaktionen "Brutal und furchtbar" 17.05.2010
- SZ für Kinder: Fußball-Regeln Torhüter im Klammergriff 17.05.2010
(sueddeutsche.de/aum)
Linke-Vize-Chefin Wawzyniak
Man kann sich schon fragen, wo der Unterschied in letzter Kosequenz liegt, ob ein Sportler sich durch Doping einen unerlaubten Vorzeil verschafft oder durch ein Handspiel?
Betrug bleibt Betrug.
Nur leider ist die öffentliche Wahrnehmung durch eine gleichgeschaltete Medienfußballhysterie nicht mehr in der Lage den Wald vor lauter Bäumen zu sehen.
Liebe SZ-Redaktion,
in der heutigen Print-Ausgabe der SZ erscheint im Sportteil ein Kommentar von Christian Zaschke, in dem er schreibt, dass Herr Blatter die Iren gedemütigt hat, indem er aus einem vertraulichen Gespräch der Iren, in dem sie darüber sprechen wollten, "wie so etwas künftig zu verhindern sei" und ihn verzweifelt fragten, ob man nicht doch etwas tun könne, eine Posse machte. Das Ergebnis dieser Posse ist, aus diesem Gespräch einen ernsthaften Antrag auf Aufnahme als 33. Mannschaft bei der WM zu machen. Wenn ich Herrn Zaschke richtig verstehe, kann davon aber nicht die Rede sein.
Da nicht jeder Printartikel auch online erscheint, möchte ich an dieser Stelle dafür plädieren, den Sachverhalt zu dem angeblichen "Antrag" der Iren auch bei SZ-online zu ergänzen.
Vielen Dank!
Wenngleich man Trap zugestehen muss, dass es ihn schon arg bitter erwischt hat in seiner Nationalelfkarriere (auch bei der WM in Südkorea), kann ich den Ärger der Iren nur bedingt nachvollziehen. Etwas anders verhielte es sich, wenn Irland in Paris mit 2:1 statt mit 1:0 geführt hätte.
Am schlimmsten traf es die Algerier 1982, die Leidtragende dessen waren, dass man eine Regel immer erst dann ändert, wenn der Fall X eingetreten ist, obwohl man schon vorher weiß, dass dieser Fall X jederzeit eintreffen könnte. Denen hätte ich damals von Herzen gegönnt, der dreizehnte Teilnehmer der Zwischenrunde sein zu dürfen.
Nun ja, die Skandale beginnen bereits 1934 als Italien durch äusserst zweifelhafte Schiedsrichterentscheidungen Weltmeister wurde. Bei fast jedem Turnier bestimmen seitdem grobe Fehlentscheidunbgen der Unparteiischen den Ausgang des Wettbewerbs. 1966 wurde genannt, aber auch das Halbfinale 1982 hinterließ einen faden Beigeschmack, an die "Hand Gottes" wäre noch zu erinnern und an vieles mehr ...
Jedem Foristen wird ein anderes gravierendes Ereignis zu diesen Wettbewerben einfallen. Bitter immer für den Benachteiligten, denn anders als im Spielbetrieb der Liga lassen sich im K. O. System dererlei Scharten nicht wieder auswetzen.
dafür war es 1966 aber kein Tor. Gleicht sich alles wieder aus.
Paging