Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft trifft bei der WM 2010 in Südafrika in der Vorrunde auf Australien, Serbien und Ghana. Schweres Los für Gastgeber Südafrika, Brasilien in der Hammergruppe.
Man weiß ja nie, auf wen man sich am meisten freuen soll bei so einer WM-Auslosung. Vor vier Jahren, in der Leipziger Messehalle, war man hin- und hergerissen, ob man nun Heidi Klum oder Goleo lieber mögen sollte, und auch dieses Mal, im Convention Center in Kapstadt, konnte man sich kaum entscheiden zwischen Joseph S. Blatter, dem ewig lächelnden Chef des Weltverbandes Fifa, und Jacob Gedleyihlekisa Zuma, dem diesmal auch lächelnden südafrikanischen Staatspräsidenten.
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Deutschland! Und dann kamen zwei unangenehme Lose. (© Foto: Getty)
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Filmstar Charlize Theron, gewandet in einen roten Vorhang, lag eine Zeitlang ebenfalls sehr aussichtsreich im Rennen, aber zum Glück wurde einem die Entscheidung abgenommen, als ein wirklich würdiger älterer Herr per Videobotschaft zugeschaltet wurde: Friedensnobelpreisträger Nelson Mandela, 91 Jahre alt inzwischen, betonte, man fühle sich "geehrt und ehrfürchtig, dass Südafrika die einzigartige Ehre zuteil wurde, Gastgeber zu sein".
Am meisten freut man sich aber doch auf die Auslosung selbst. Traditionell gilt diese Zeremonie ja als eine Art Vor-Eröffnungsspiel, weil ab diesem Moment jeder Teilnehmer und jeder Fan seine private WM schon mal im Kopf durchspielen kann. Wenn wir als Gruppenerster weiterkämen, dann treffen wir im Achtelfinale auf den Zweiten der Gruppe XY, und im Viertelfinale wartet dann entweder oder vielleicht ...
Es war 19.10 Uhr, als Deutschland seinen Auftaktgegner zugelost bekam: Australien - eine kompakte, in den letzten Jahren verbesserte Mannschaft, die Kritiker wie Uli Hoeneß wohl dennoch an den FC Tegernsee erinnert und gegen die Lukas Podolski bestimmt drei Tore schießt. Als nächstes fischte Charlize Theron Ghana aus den Lostopf - eine Elf, die deutlich besser ist als der FC Tegernsee, weshalb DFB-Manager Oliver Bierhoff bei Ansicht des Loses respektvoll die Backen aufblies. Und schließlich: Serbien, eine unbequeme Mannschaft, vergleichbar mit den Kroaten, gegen die das DFB-Team bei der EM 2008 verloren hatte.
Wenn diese Auslosung stellvertretend steht für die WM in sieben Monaten, dann darf sich die Welt auf ein überraschendes Turnier gefasst machen. Die Auslosung hat es geschafft, mit zwei Klischees zu brechen. Zwar wurde auch diesmal wieder die traditionelle Hammermördertodesgruppe ermittelt (Gruppe G: Brasilien, Portugal, Elfenbeinküste, Nordkorea), ansonsten gab es aber zwei revolutionäre Neuerungen. Erstens: Die Deutschen haben diesmal versehentlich nicht die leichteste Gruppe erwischt (aber auch nicht die schwerste; Endurteil: mittelschwer, etwas tückisch). Zweitens: So eine gemeine Gruppe hat ein Gastgeber schon lange nicht mehr zugelost bekommen. Die südafrikanische Elf, ohnehin in einem komplizierten Selbstfindungsprozess begriffen, begegnet Mexiko, Uruguay und Frankreich. Puh.
"Eine interessante Gruppe" diagnostizierte Bundestrainer Löw in einer ersten Stellungnahme, vor allem vor den Serben habe er "großen Respekt". Lauter Gruppenerste aus der Qualifikation habe man erwischt, recherchierte derweil Oliver Bierhoff. Im Achtelfinale könnte den Deutschen ein Duell mit den Engländern blühen - wenn einer von beiden Gruppenerster und der andere Gruppenzweiter wird.
Aber das Praktische am sehr praktisch veranlagten Löw ist ja, dass er schon vor der Auslosung trocken verfügte: Wer "Weltmeischder" werden wolle, müsse eh' alle schlagen. Es war interessant zu hören, dass sich Löws süddeutscher Einschlag offenbar verstärkt, je weiter er sich von der Heimat entfernt (was für die WM luschtige Pressekonferenzen verheißt). "Letschdlich" müsse man's nehmen, wie's kommt, sagte Löw.
Jedenfalls darf man sich schon mal wünschen, dass das fußballerische Niveau des Turniers zumindest über dem Niveau der Funktionärsparade liegen dürfte, die den Abend eröffnet hatte. "Die nach Afrika kommende WM ist eine Liebesgeschichte", säuselte Joseph S. Blatter und fügte mit neckischem Seitenblick auf die einheimische Moderatorin an: "Man hat ja auch das Recht, sich zu verlieben, wenn ich Sie sehe." Sie lächelte freundlich, wäre im Zweifel aber wohl lieber mit dem WM-Maskottchen durchgebrannt als mit Joseph S. Blatter (oder, apropos Maskottchen, mit David Beckham, der ebenfalls vorhanden war).
Erfreulicheres gab es hingegen von einem Requisit zu berichten, das noch wichtiger für eine Weltmeisterschaft ist als Joseph S. Blatter. Der neue WM-Ball hört auf einen Namen, der sich fast so gut anhört wie Löws süddeutscher Einschlag: Jabulani - ein Begriff aus der Bantusprache isiZulu, eine von elf offiziellen Sprachen in Südafrika. Jabulani heißt so viel wie "feiern", was verglichen mit dem tollen Sportgerät von vor vier Jahren natürlich ein deutlicher Rückschritt ist. Bei der WM 2006 hieß der Ball: Teamgeist. Den wird diesmal die südafrikanische Mannschaft brauchen.
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(SZ vom 05.12.2009)
Erster Arbeitstag als Chef der Deutschen Bank