Bei der WM in Südafrika ist ein Foulspiel im Trend: das so genannte "Fußdrüberhalten". Diese Knochenbrecher-Aktionen sind hochgradig gefährlich und die Schiedsrichter damit häufig überfordert.
Die Fußball-Weltmeisterschaft gerät vor dem Fernsehgerät bisweilen zu einem Stummfilm der Schmerzen. Host Broadcasting Services beliefert im Auftrag des Weltverbands Fifa die Sender mit Bildern, und irgendwo in dieser Firma müssen Leute mit leicht sadistischer Neigung sitzen, die sich für ihre neue Superzeitlupe am liebsten die schrecklichsten Zusammenstöße und brutalsten Fouls aussuchen.
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Der Ivorer Ismael Tioté rammte seine Stollen in das Schienbein des Brasilianers Elano, der eine starken Prellung erlitt und ausgewechselt werden musste. (© ap)
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So sahen die Millionen TV-Zuschauer am Sonntagabend detailgenau, wie der Ivorer Ismael Tioté seine Stollen in das Schienbein des Brasilianers Elano rammte. Die lautlosen Erschütterungen in Elanos Bein verursachten von Soweto bis Flensburg Phantomschmerzen. Kurz danach verursachte Kader Keitas ausgetreckte Sohle ein Beben im Bein von Michel Bastos. Es war fürchterlich.
Anschauungsunterricht von Ribéry
Das Bemerkenswerte an diesen Szenen: Schiedsrichter Stéphane Lannoy gab nicht einmal Gelb. Dabei hatte zumindest Keita sein Bein auch ohne Zeitlupe sichtbar regelwidrig dem Gegenspieler entgegengestreckt. Tiotés Tritt indes steht beispielhaft für ein zwar nicht neues, bei dieser WM aber hochmodernes Foulspiel, das für die Schiedsrichtern schwer erkennbar ist: zu fußballdeutsch "Fuß drüberhalten" oder "Fuß draufhalten". In München auch bekannt unter dem Namen: "Ribéry-Foul."
Die Fifa hat die Regeln in den vergangenen Jahren sukzessive verschärft. Das Tackling von hinten, das Trikotziehen oder das taktische Foul an der Mittellinie werden viel härter bestraft als vor 20 Jahren. Die Profis haben sich darauf eingestellt. Und sich neue Mittel gesucht, um den Gegner einzuschüchtern, ihm weh zu tun, zu fußballdeutsch: "ihm den Schneid abzukaufen" oder auch ganz nach Effenberg "ein Zeichen zu setzen".
Dafür ist der beiläufige, mitunter unscheinbare Tritt das ideale Mittel. Erkämpft ein Gegenspieler den Ball im Rutschen, springen die Profis nicht mehr über ihn, sondern verpassen ihm fünf bis zehn Stollenabdrücke zwischen Knie und Knöchel. Auch im stehenden Zweikampf heben die Spieler ihre Zehen, um so den idealen rechten Winkel im Knöchel für den wirkungsvollen Tritt zu schaffen. Franck Ribéry vom FC Bayern gab im Halbfinale der Champions-League Anschauungsunterricht, als er Leandro Lopez von Olympique Lyon derart auf den Fuß trat. Sein Fehler war nur, dort zu lange zu verweilen und der Schiedsrichter das Foul bemerkte. Als Ribéry dann die rote Karte sah, war der Aufschrei dennoch groß.
Wenigstens die Schlimmsten
Dabei muss die Fifa gegen das "Fuß drüberhalten" hart vorgehen. Die Verletzungsgefahr durch die gestreckten Beine und angewinkelten Knöchel ist riesig, Elano etwa kann froh sein, mit einer Prellung davongekommen zu sein. Das Problem dieser fiesen Aktionen bleibt indes, dass der Schiedsrichter mit bloßem Auge kaum einschätzen kann, ob dem Foul ein Unfall durch unglückliches Zuspätkommen zugrunde liegt, oder ein bewusstes Inkaufnehmen einer Verletzung des Gegners.
Weshalb das Thema Fernsehbeweis wieder einmal auf den Tisch kommt. Wenn schon die Millionen Zuschauer die Knochenbrecher-Aktionen superlangsam erleiden müssen, warum nicht auch ein zusätzlicher Schiedsrichter? Auch der könnte nicht immer alle Zweifel ausräumen. Aber wenigstens die schlimmsten Treter aus dem Verkehr ziehen. Doch vermutlich dauert es, bis der erste offene Schienbeinbruch die Fans zwischen Soweto und Flensburg in Zeitlupe erschüttert.
Torwartlegende Sepp Maier im Interview. SZ am Wochenende Jetzt lesen ...
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(sueddeutsche.de/mikö/bgr)
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Steffen Simon ist als Reporter ja wirklich eine Qual. Man fragt sich immer wieder, warum gerade die Blindesten der Zunft dann auch noch Sportchef bei der ARD werden dürfen. Mit fachl. Qualifikation kann das nichts zu tun haben...
Aber bevor man einen so pointierten Artikel zu angeblichen Foulspielen schreibt, darf man doch genauer hinsehen als der Fernsehreporter, finde ich:
Das angeblich brutale Foul des Ivorers gegen Elano war keines. Der Ivorer ist ganz normal dem Ball hinterher und Elano ist von der Seite so unglücklich in ihn hineingegrätscht, dass sein Schienbein genau unter die Fusssohle des Ivorers kam. Das zeigte die Zeitlupe doch überdeutlich.
Das spätere, zweite Fusssohlenfoul war ein klares gelbwürdiges Foul, mehr aber auch nicht.
Diese WM ist bis dato doch völlig harmlos. Lediglich die Schiris überziehen.
Unfair haben sich auch in der Folge im wesentlichen nur die Brasilianer verhalten, insbesondere in Person von Kaka. Kaka hat den Ivorer genau gesehen und in voller Absicht seinen Ellbogen in dessen Brust gerammt. War geschickt gemacht, wurde aber glücklicherweise erkannt. War aber eigentlich glatt rot.
Dass der Ivorer die Hände vors Gesicht schlägt und also eine andere Trefferfläche vortäuscht, hätte natürlich auch gelb geben müssen.
Ansonsten haben die Zuckerhütler geschauspielert und gemeckert und gleichzeitig ordentlich hingelangt (Paradebeispiel der verrückte Jesus-Jünger Lucio) wie weiland die Italiener.
Fazit: Wir brauchen endlich den Videobeweis!
Aber kein Reporter traut sich ja, die Fifa mal als das zu bezeichnen, was sie ist: Ein korrupter Haufen alter Säcke, der den Fussball kaputtmacht.
Bei diesen Fouls würde ein Fernsehbeweis aber auch nichts bringen. Auch dort kann man nämlich meist nicht einschätzen ob es Absicht war oder der Spieler einfach zu spät kam.
Einziger Unterschied: In Zeitlupe sieht es einfach schlimmer aus.
Ribérys Foul in der CL sah in Normalgeschwindigkeit nicht weiter schlimm aus. In der Zeitlupe vermutete man dann ein schweres Foul. In Superzeitlupe forderte man eine rote Karte und wenn man dann noch für eine Minute das Standbild zeigt, wie er auf dem generischen Knöchel steht, war's eben eine Tätlichkeit und man sperrt ihn für drei Spiele.
Wie so oft müsste sich die UEFA/FIFA entscheiden wie so etwas zu ahnden ist und das konsequent umsetzen. Bei der WM gab es in der Tat einige solcher Fouls (durchaus vergleichbar mit Ribérys). Nur kein einziges mal rot dafür. Kann man so sehen, eben eine Entscheidung im Zweifel für den Spieler.
Nur für die Bayern ist es ärgerlich, dass man bei Ribéry noch ein anderes Maß anlegte.
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"Das Problem dieser fiesen Aktionen bleibt indes, dass der Schiedsrichter mit bloßem Auge kaum einschätzen kann, ob dem Foul ein Unfall durch unglückliches Zuspätkommen zugrunde liegt, oder ein bewusstes Inkaufnehmen einer Verletzung des Gegners."
Das sollte für den Schiedsrichter nicht das Problem sein, da es ebenso verboten ist "Den Fuß drüber zu halten" - also den Ball mit der Sohle zu spielen - wenn man ausschließlich den Ball trifft und ein Gegner in der Nähe ist bzw. dieser Gegner ebenso den Ball (regulär z.B. mit dem Spann) spielt. Auch wenn man also nicht "zu spät an den Ball kommt" ist es in jedem Fall ein Foul! Der "Vorteil" wenn man mit der Sohle spielt liegt darin, dass man das ganze Körpergewicht in den Ball legen kann (mit einer einfachen Bewegung). So kann sich auch bei einem Pressschlag gegen den Ball der Gegenspieler, der mit dem Spann stößt, übelst verletzen.
Die Regel muss also nur konsequent umgesetzt werden. Im Spiel BRA-Elfenbeinküste waren diese Fouls auch eindeutig zu erkennen.
Trikotausziehen, Ballwegschlagen o.ä. genauso mit "Gelb" geahndet wird, wie Fouls die eine Verletzung des Gegenspielers billigend in Kauf nehmen (dazu gehört auch das Hochreißen des Ellebogens in nahezu jedem Kopfballduell), wird sich da wohl kaum etwas tun.
Vielleicht sollte man auch beim Fußball mehr mit Zeitstrafen arbeiten. Zu mal ja z.B. Spielsperren die durch das "Sammeln" von Gelben Karten entstehen, ggf. Mannschaften bevorteilen, die erst im nächsten oder übernächsten Spiel der Gegner sind.
Sollte z.B. der mit "Gelb" vorbelastete Schweinsteiger im Spiel gegen Ghana eine weitere gelbe Karte sehen (und Deuschland weiterkommen!), profitiert davon letzlich der Achtelfinalgegner der Deutschen.