Robbens Lauf alleine auf Casillas zu erinnerte die Spanier aber offenbar daran, dass man sich in einem WM-Finale nicht eingeschüchtert und verzagt in den Schmollwinkel zurückziehen darf. Nach Villa vergaben Ramos, Fàbregas und Navas in aussichtsreichen Positionen. Als dann in der zweiten Hälfte der Verlängerung tatsächlich ein Niederländer vom Platz gestellt wurde - John Heitinga hatte Iniesta gehalten - mobilisierten die Spanier letzte Kräfte. Vier Minuten vor Schluss gelang Cesc Fàbregas der entscheidende Pass auf Iniesta, der den Ball an Torwart Maarten Stekelenburg ins Netz wuchtete.

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Es muss wohl der menschlichen Natur zugeschrieben werden, bei Niederlagen einen Schuldigen zu suchen, um zu verstehen, warum die niederländischen Spieler sich danach vehement bei Schiedsrichter Webb beschwerten. Oder wie es van Marwijk ausdrückte: "So ein Finale, das willst du gewinnen, auch mit nicht so schönem Fußball."

Seine Spieler umringten Webb und regten sich furchtbar auf, weil dieser zwei Minuten vor Iniestas Treffer ihnen eine klare Ecke verweigert hatte. Das entsprach einer sachgerechten Deutung, tatsächlich hatte Sneijder die spanische Abwehrmauer getroffen, bevor der Ball ins Aus flog. Und dennoch durften sie nicht dem Schiedsrichter ihre Niederlage zuschieben, Webb war schließlich dafür verantwortlich, dass sie lange Zeit mit elf Spielern auf dem Feld stehen durften.

Die Spanier bestätigten danach das allgemeine Klischee ihres Landes, ausgiebig und ohne auf die Uhr zu schauen feiern zu können. Noch um 1:30 Uhr hatte kein Spieler den Mannschaftsbus betreten, Spaniens goldene Generation hatte nach ihrer Krönung keine Lust, den Ort des Sieges zu verlassen. Erst zwei Spielergenerationen vor ihnen schafften es, den Europa- und Weltmeistertitel gleichzeitig zu halten: eine deutsche nach den Erfolgen 1972 und 1974, und eine französische 1998 und 2000.

Nachdem sich ihr freundlicher Trainer Vicente del Bosque ein wenig über die Fragen zu den Niederländern geärgert hat, stellte er fest: Dieser WM-Titel ist auch "ein Preis für den schönen Fußball". Nach diesem Abend in Johannesburg kann ihm niemand widersprechen.

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  1. Die Schönheit siegt über die Treterei
  2. Sie lesen jetzt Schuld hat natürlich der Schiri
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(sueddeutsche.de/aum)