Interview: Javier Cáceres

Carlos Dunga, finden viele Brasilianer, hat ihrem geliebten Fußball die Leichtigkeit genommen. Der ehemalige Stürmer Giovane Elber sieht das differenzierter. Er spielte mit Dunga zusammen beim VfB Stuttgart.

Lieben werden die Brasilianer Carlos Dunga, 46, wohl selbst dann nicht, wenn er die Seleção in Südafrika zum WM-Titel führt. Weltmeister werden mit dem falschen Fußball - was soll das wert sein? Ohne Ronaldinho und Adriano? Mit einer Spielanlage, in der Verteidigen wichtiger ist als Zauberei? Der Nationaltrainer, finden viele Brasilianer, hat ihrem geliebten Fußball die Leichtigkeit genommen. Der ehemalige Stürmer Giovane Elber, 37, Champions-League-Sieger mit dem FC Bayern im Jahr 2001, sieht das differenzierter. Von 1993 bis 1995 hat Elber mit Dunga zusammen beim VfB Stuttgart gespielt.

Giovane Elber bei Maccabi München gegen FC Bayern München Allstars Bild vergrößern

"2006 war eigentlich nur Party. Die Vorbereitung war, pardon, Scheiße. Die haben nur Caipirinhas getrunken und Samba getanzt", sagt der brasilianische Ex-Nationspieler Giovane Elber. (© imago)

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SZ: Herr Elber, an diesem Dienstag bestreitet Brasilien sein Auftaktspiel gegen Nordkorea. Wie gut hat der Nationaltrainer Carlos Dunga die Mannschaft für die WM gerüstet?

Elber: Sehr gut. Dunga hat der Seleção sein Gesicht übertragen. Die Defensive ist kompakt, spielt aggressiv. Es ist nicht mehr der Halligalli-Fußball von 2006.

SZ: War 2006 nicht eher nur Halligalli - und kein Fußball?

Elber: Ja, stimmt, da war eigentlich nur Party. Die Vorbereitung war, pardon, Scheiße. Die haben nur Caipirinhas getrunken und Samba getanzt.

SZ: Das macht ja auch Spaß...

Elber: Ja, klar macht das Spaß! Aber doch nicht vor einer WM! Dunga wollte vermeiden, dass sich so etwas wiederholt, und er hat es geschafft. Aus dem 2006-Kader sind im Prinzip nur zwei, drei Spieler dabei. Das Team ist diszipliniert und mannschaftsdienlich. Okay, Kaká ist ein Weltstar. Aber die restlichen Spieler sind vor Dunga alle gleich. Jeder muss für den anderen laufen. Und alle tun das auch. Die Berufung von Grafite vom VfL Wolfsburg war gewissermaßen exemplarisch.

SZ: Inwiefern?

Elber: Sie zeigte, dass Dunga Spieler daheim gelassen hat, die kein Selbstvertrauen hatten. Oder denen er nicht vertraute. Egal, welchen Namen sie tragen. Nehmen Sie Ronaldinho: Bei jeder anderen Nationalelf würde einer wie er mit nur einem Bein spielen. Ich frage mich, ob er in seinem Inneren die WM gar nicht spielen wollte, oder ob er nur zu spät gesehen hat, dass er mehr machen muss. Aus Mailand hört man immer nur, dass er nicht arbeitet und faul ist. Das hat Dunga auch mitbekommen. Bei Adriano lag das ähnlich. Bei uns war alle Welt davon ausgegangen, dass er nominiert wird. Aber Dunga hat erkannt, dass Adrianos Kopf noch immer nicht in Ordnung ist.

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  3. "Seine Art zu spielen galt als unbrasilianisch"
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