Der Tag, an dem alles schiefläuft: Klose sieht Gelb-Rot, Khedira trifft nur die Latte und Podolski verschießt einen Elfmeter. Das 0:1 gegen Serbien versetzt den deutschen Ambitionen einen Dämpfer - und setzt die Löw-Elf nun unter Druck.
Bundestrainer Joachim Löw hatte in den Tagen vor diesem zweiten Gruppenspiel gegen Serbien mit einem etwas ungewöhnlichen Problem zu kämpfen. Nach diesem guten, ja vielleicht zu guten, Auftakt gegen Australien (4:0) konnte er noch so sehr versuchen, die Euphorie zu bremsen und auf den Klassenunterschied zwischen Australien und Serbien hinzuweisen: Die Erwartungen in Deutschland schossen in die Höhe, das Land erfasste bereits wieder eine Renaissance der Schwarz-rot-geil-Stimmung, und die Zahl der Fans, die an den Titel glaubten, verdoppelte sich binnen zweier Tage.
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90 Minuten später konnte Löw zwar behaupten, seine Warnungen zu Recht ausgesprochen zu haben. Doch das nutzte ihm nicht viel, denn das intensive und spannende Spiel übertraf selbst seine Befürchtungen. Nach einer gelb-roten Karte für Miroslav Klose (37.) und einem Treffer von Milan Jovanovic (38.) verloren die Deutschen mit 0:1, und statt der verfrühten Achtelfinal-Qualifikation steht der Löw-Elf nun ein Gruppenendspiel gegen Ghana bevor (Mittwoch, 20.30 Uhr, im Liveticker bei sueddeutsche.de) - und damit eine Drucksituation, die für die junge deutsche Mannschaft nicht einfach ist.
"Wir haben in der ersten Halbzeit schon Schwierigkeiten gehabt, ins Spiel zu finden. In der zweiten Halbzeit hat die Mannschaft alles gegeben", sagte Löw nach dem Spiel. "Trotz Unterzahl haben wir es geschafft, Chancen herauszuspielen und eine gute Moral bewiesen."
Fünf Mal Gelb nach 30 Minuten
Dabei konnten die Zuschauer in den ersten Minuten gegen Serbien die Hoffnung haben, dass dieses Spiel ähnlich verlaufen würde wie das vor fünf Tagen gegen Australien. Die erste kleinere Torgelegenheit gehörte wieder dem Gegner, die erste deutsche Chance durch Thomas Müller entstand wieder nach einem Zusammenspiel über die rechte Seite, und den ersten deutschen Torschuss hatte wieder Lukas Podolski nach etwa acht Minuten.
Doch anders als gegen Australien flog der Vollspannversuch des Kölners knapp neben das Tor, und in der Folge konnten die Zuschauer nur schwerlich der Meinung sein, dieses Spiel vor kurzem schon einmal gesehen zu haben. Diesmal gab es keine den Gegner um Längen überragende deutsche Mannschaft zu sehen, sondern das Duell zweier mehr oder minder gleichwertiger Teams. Das lag allerdings nicht daran, dass die Mannschaft von Joachim Löw weniger engagiert zu Werke ging. Es lag schlichtweg daran, dass sie sich nun einer ganz anderen fußballerischen Qualität gegenübersah.
Unter den gegnerischen Defensivspielern war eben niemand, der wie Australiens Craig Moore in der Kategorie Verein als "vereinslos" geführt wird, sondern dafür der eine oder andere, der in einem europäischen Spitzenklub als Stammkraft wirkt. Und unter den Offensivspielern waren ein paar Akteure wie Moskaus Milos Krasic, Lüttichs Jovanovic oder Inters Dejan Stankovic, die in der Lage waren, die deutschen Abwehrakteure auch mal auszuspielen. Dazu zeigten die Serben genau die (über)harte Gangart, welche die deutsche Teamleitung bereits befürchtet hatte. Bereits nach einer guten halben Stunde hatte der spanische Schiedsrichter Alberto Undiano fünf Mal Gelb gezeigt - für die laufende WM ein Rekordwert.
War Gelb-Rot berechtigt?
Jedoch: Drei dieser fünf Verwarnungen sahen auch deutsche Spieler. Als wollten diese neuen Deutschen, die mit ihrem Angriffswirbel gegen Australien die Welt geschockt hatten, zeigen, dass sie nicht nur spielen, kombinieren und zaubern können. Sondern dass sie auch noch die alten deutschen Tugenden können. Khedira, Schweinsteiger & Co. erschraken nicht ob der physischen Stärke der Serben, sondern hielten dagegen, kämpften und grätschten - und weil sie parallel dazu ihre spielerische Klasse zumindest bisweilen zeigen konnten, durften sie die erste halbe Stunde unter "leicht überlegen" verbuchen.
Doch ein deutscher Spieler übertrieb es mit dem Dagegenhalten, Kämpfen und Grätschen - und zwar ein Spieler, von dem man das nicht unbedingt erwartet hatte. Nach 37 Minuten legte der bereits verwarnte Miroslav Klose im Mittelfeld seinen Gegenspieler Dejan Stankovic und sah die gelb-rote Karte. Es gibt Schiedsrichter, die es in diesem Moment bei einer letzten Ermahnung belassen hätten, doch Klose muss sich auch fragen lassen, warum er in diesem Moment hinlangte. "Die Schiedsrichter ziehen hier ganz schnell die gelben Karten, bei früheren WM-Turnieren war das anders", sagte ZDF-Experte Oliver Kahn in der Halbzeitpause.
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Linke-Vize-Chefin Wawzyniak
...sind völlig unangebracht. Die Leistung der Mannschaft war durchaus ansehnlich....aber stellenweise hatten sie heute einfach Sch....am Schuh..wie man so zu sagen pflegt. Hinzu kam für mich ein mit seiner Aufgabe völlig überforderter Schiedsrichter. Ein weiterer klarer Elfmeter nach Stankovics Foul hätte gegeben werden müssen, statt dessen pfiff der Schiri Stürmerfoul. Ebenso wenig nachvollziehbar, wie die Kartenflut, in einem Spiel das von keiner Seite überhart geführt wurde. In keinem anderen Spiel bei dieser WM wurde derart kleinlich gepfiffen. Für die betroffenen Teams durchaus eine Belastung, da im Gegensatz zu den anderen Teams vorbelastete Spieler u. U. in einem Achtelfinale fehlen könnten. So wirken Schiedsrichter auch wettbewerbsverzerrend. Das Lamentieren nützt aber nichts. Gegen Ghana muss jetzt gewonnen werden. Die Ausgangspositiion ist nach wie vor gut. Auch hat z.B. Ghana das Spiel gegen Australien noch vor sich und längst nicht gewonnen. Deutschland hat es selbst in der Hand. Bei einem Sieg im nächsten Spiel gehts weiter... Ein K.O. Spiel mehr.
Wie wunderbar war das dynamische, bewegliche, vielfältige Spiel der deutschen Auswahl gegen Australien anzusehen gewesen. Diese Eigenschaften setzten sich auch durch die Einwechslungen etwa von Marin und Cacau fort. Das hatte Lust auf mehr gemacht und wäre ein adäquates Mittel gegen die Serben gewesen um aus deutscher Sicht von Anfang an die Tugenden der ersten Partie im heutigen Spiel weiter voran zu treiben.
Deshalb hätte es einem eigentlich schon mulmig werden können, als die selbe Mannschaft wie aus dem vergangenen Spiel auflief.
Das war eine ganz und gar nicht dynamische Entscheidung, es war eine mutlose. Und so wurde dann gerade zu Anfang auch agiert. Weniger Spiel ohne Ball, weniger sich anbietende Anspielstationen, Kampf statt Eleganz und Witz.
Das nun ausgerechnet noch ein Referee auf dem Platz das Sagen hatte, dem der kämpferische Charakter des Fußballspiels scheinbar unbekannt zu sein scheint machte das Ganze nur noch schlimmer. Der Kartenreigen verunsicherte die Akteure zusätzlich und nahm der Partie phasenweise jedwede Lebhaftigkeit. Und Löw die Chance, dem eher frustriert agierenden Klose rechtzeitig durch eine Einwechslung etwa von Marin selbst aus dem Spiel zu nehmen.
So entschieden 5 Personen das Spiel:
1. der übermotivierte Podolski, der den Elfer verschoss,
2. wie gesagt Klose,
3. Arne Friedrich, der in der 38. Minute irgendwo, nur nicht bei Jovanovic war,
4. Der Schiedsrichter
5. Jogi Löw
Und um ehrlich zu sein, nur Punkt 5 muss einem für den weiteren Fortgang der WM Sorgen machen.
Zuallererst: Ballack fehlte!!!
Poldi war angriffslustig, aber unpräzise.
Badstuber war ein Totalausfall.
Klose ist selber Schuld, dass er vom Platz flog.
Der kleine Müller hat keine schlechte Figur gemacht in der ersten Halbzeit.
Bei den Serben war der Torwart sehr sehr gut.
Niemand muss glauben, Deutschland wäre den großen "Heldentod" gestorben, weil es in Unterzahl spielen musste. Dass es so kam, hat Klose selbst verbockt und hätte sich vermeiden lassen. Ich rechne fest mit der Spielstärke der Ghananer, die als einzige afrikanische mannschaft schon aus Gründen der Optik bei der afrikanischen WM dabeibleiben sollten. Es wäre auch nicht schlimm, wenn die WM ohne Deutschland, ohne Frankreich und ohne Spanien weitergeht. Ich wünsche den Sieger einem jener Außenseiter: Der Sinn eines Spiels ist doch, dass alle die gleichen Chancen haben und es keine geborenen Favoriten gibt.
Es war nie die Rede von einem Favoriten aus Deutschland, das kam erst nach dem letzten Spiel von einigen Reportern, oder leichtgläubigen, oder beides.^^ Nun macht man der Mannschaft plötzlich nicht mehr der Favorit zu sein, der Sie nie waren. Ich würde es den jungen Spieler sicher wünschen, Weltmeister zu werden. Aber wenn es nicht klappt und Sie gespielt haben wie bisher, können Sie zufrieden nach Deutschland zurückkehren.
Spanien hatte ich vorhin ganz vergessen. Die haben sich ja nun auch nicht grad favorisiert gezeigt, gegen die Schweiz.
Ich finde allerdings auch, das ein Unentschieden den Spielverlauf besser wiedergegeben hätte.
Der Schiri sollte nicht als Sündenbock herhalten.
Man sollte auch die Kirche im Dorf lassen: Die Deutschen haben mit 9 Feldspielern ein beeindruckendes Powerplay gegen Serbien aufgezogen und ein Übergewicht an Chancen herausgespielt. Bei etwas mehr Glück wäre 1:1 oder gar 2:1 drin gewesen.
Das Spiel war auch nicht "schwach", sondern interessant mit vielen Torchancen. Hier greift der psychologische Effekt, dass man vom Resultat auf den Spielverlauf frustriert zurückschließt.
Neben Pech hatte Deutschland auch noch zwei Trottel in seinen Reihen: Erstens Miro, dessen Einsatzbereitschaft seine taktische Intelligenz deutlich überragte.
Und zweitens Jogi, der den Totalausfall Holger Badstuber nicht zeitig ausgewechselt hat. Das muss man doch sehen!
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