Von Thomas Hummel, Johannesburg

Lahm hält eine Regierungserklärung, Schweinsteiger humpelt zum Bus, Löw spricht von wichtigen Erfahrungen: Nach dem 1:0 gegen Ghana blickt das DFB-Team voller Sorgen und mit gebremster Zuversicht auf das Achtelfinale gegen England.

Philipp Lahm kam mit Abstand als Erster aus der Kabine, er stellte sich zum ersten Pulk deutscher Reporter und legte los. Der 26-jährige Kapitän sprach schnell, aber klar, er wirkte angespannt, aber es war nichts mehr zu spüren von dem lieben Jüngling Philipp Lahm, der er kürzlich noch war. "Wir haben in einigen Phasen richtig Glück gehabt", die Mannschaft habe viel zu viele Torchancen zugelassen, "sogar klare Torchancen". Vorne hätten die jungen Spieler viel zu häufig den Ball verloren, "vielleicht war der eine oder andere heute ein bisschen nervös".

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Es war eine Regierungserklärung des Münchner Außenverteidigers, der seit der Verletzung von Michael Ballack der jüngste Kapitän einer deutschen WM-Delegation ist. Gerade Lahm hatte in den Tagen zuvor betont, wie sehr er an diese Gruppe glaube, von der besten Nationalmannschaft gesprochen, in der je gespielt habe, und trotz der Niederlage gegen Serbien erklärt, dass es überhaupt keine Zweifel am Weiterkommen gebe. Obwohl ein historisches Vorrundenaus drohte, werde die Mannschaft diese Situation meistern und das letzte Gruppenspiel gegen Ghana souverän gewinnen. Seine Zuhörer waren regelrecht angesteckt worden von dieser Zuversicht. Doch die 93 Minuten in Johannesburgs Soccer City hatten Lahm verändert. Und nicht nur ihn.

Die Fakten bestätigten hinterher zwar den Optimismus, denn Deutschland besiegte Ghana in Soccer City durch Mesut Özils wunderschönen 18-Meter-Schuss in den Winkel mit 1:0 und beendet die Vorrundengruppe D deshalb als Erster. Doch das Spiel führte zu erheblichen Irritationen.

Mertesackers Probleme

"Wir hatten einige Probleme", gestand Bundestrainer Joachim Löw. Probleme etwa in der Abwehr mit dem wieder einmal desorientierten Per Mertesacker, dem mehrfach die Bälle zum Gegner sprangen und der trotz seiner 1,96 Meter entscheidende Kopfballduelle verlor. Zweimal mussten Bastian Schweinsteiger und Philipp Lahm in der Abwehrzentrale einschreiten, um freistehende Ghanaer im letzten Moment zu blocken. Der Bremer Innenverteidiger wirkte später sichtlich erschöpft: Er freue sich über das Weiterkommen, "aber gedämpft". Es wäre nicht verwunderlich gewesen, hätte er in der folgenden Nacht lange über seinen Auftritt gegrübelt.

Die Abwehr kam aber auch deshalb in Bedrängnis, weil in der Offensive viele Pässe den Gegner erreichten, und vor allem der sogenannte letzte Pass vor einem möglichen Torabschluss einfach nicht ankommen wollte. So kamen die wuchtigen Afrikaner zu den erhofften Konterszenen, zeigten dabei aber wieder die bekannte Schwäche im Abschluss. Ghana zieht zwar als Gruppenzweiter ebenso ins Achtelfinale ein, hat aber noch kein Tor aus dem Spiel heraus erzielt, sondern gegen Australien und Serbien lediglich zwei Elfmetertreffer.

Als nach etwa 70 Minuten aus dem vier Stunden entfernten Nelspruit die Kunde eintraf, dass Australien 2:0 führe, stellten die Ghaner trotz des Rückstands ihre Bemühungen ein. Das wäre ihnen am Ende zwar fast noch zum Verhängnis geworden, weil Serbien vehement auf den Ausgleich drängte, der Ghanas Aus bedeutet hätte. Doch als auf der Anzeigetafel Australiens 2:1-Sieg aufleuchtete, brach im Stadion ein Jubelsturm los.

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