Die DFB-Elf hat mit den Siegen gegen England und Argentinien endlich ihren Minderwertigkeitskomplex abgelegt. Allerdings gehört es zum Stil dieses wundersamen Teams, sein großes Werk jedes Mal ganz leicht aussehen zu lassen.
Dieser Beitrag trägt einen Trauerrand. Zu Grabe getragen wurde am Samstagnachmittag die viele Jahre gepflegte Weisheit, dass die deutsche Nationalelf nicht imstande ist, einen großen Gegner würdig zu besiegen. Die Beerdigung hat mit Pauken und Trompeten vor den Augen der halben Weltbevölkerung stattgefunden. Von Beileidsbekundungen ist jedoch Abstand zu nehmen.
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Nun wartet Spanien im Halbfinale (v. li. n. re.): Marcell Jansen, Philipp Lahm und Arne Friedrich feiern den 4:0-Sieg der deutschen Nationalmannschaft gegen Argentinien. (© ap)
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An einem trüben Frühlingsabend vor mehr als sieben Jahren hat die DFB-Auswahl mal auf Mallorca ein Testspiel gegen Spanien 1:3 verloren. Später erkundigte sich jemand bei Teamchef Rudi Völler, wann denn sie endlich wieder einen Riesen des Weltfußballs besiegen werde. Völler ist daraufhin ziemlich wütend geworden, ein wunder Punkt war getroffen: Er wollte diese Mist- und Käsefrage, mit der sich schon seine Vorgänger hatten plagen müssen, nicht schon wieder debattieren.
Das Gespenst der Geschichte
Ein Jahrzehnt hat Deutschlands Fußballteam an diesem Minderwertigkeitskomplex gearbeitet. Man besiegte 2005 im Confed-Cup die starken Mexikaner, zweimal die Engländer in ihrem Heiligtum Wembley und ein weiteres Mal vor einer Woche in Südafrika, die famosen Portugiesen bei der EM 2008 und Argentinien bei der WM 2006. Aber immer gab es Einwände der Jury, und jedes Mal lautete das Urteil: Nein, ein richtig Großer war das nicht. Dieses Gespenst aus der Geschichte haben die Spieler jetzt in Kapstadt ein für allemal vertrieben, selbst der übelste preußische Pedant wird ihnen die Anerkennung nicht mehr verweigern.
Allerdings gehört es zum Stil und zur Arbeitsweise dieses wundersamen Teams, sein großes Werk jedes Mal ganz leicht aussehen zu lassen. Selbst wenn ihnen "Galacticos" wie Messi oder Tevez entgegenstehen, kommen Zweifel an der Wettbewerbsfähigkeit ihrer Gegner auf. Oliver Kahn hat dazu im Fernsehen den Witz gemacht, man habe soeben "dieses Trainingsspiel gegen Argentinien" gewonnen, und Lukas Podolski hielt den Hinweis für nötig, dass die jüngsten Erfolge "nicht gegen Aserbaidschan oder so was" erreicht wurden. Australier und Engländer dürfen das als Trost auffassen.
Im Versuch, das Ungeheure fassbar zu machen, wird Löws Team jetzt mit den mythischen Europameistern von 1972 verglichen. Doch außer Ansehen und Ehre hat sie noch nichts gewonnen. Dazu muss sie noch zwei Riesen besiegen.
Torwartlegende Sepp Maier im Interview. SZ am Wochenende Jetzt lesen ...
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(SZ vom 05.07.2010)
Ganz meine Meinung, Herr Karlmeier! Unerträglich, diese Politiker im Stadion. Das und die gelbe Karte gegen Müller waren die einzigen negativen Aspekte des Argentinien-Spiels.
Nur Ex-Präsidenten wie Clinton dürfen live dabeisein, aktive Politiker sollen TV schauen! ;-)
Nachdem ja das Volksbegehren für ein verschärftes Rauchverbot - zumindest für dessen Befürworter - bestens ausgegangen ist, hier ein verzweifelter Hilferuf auf dem hohen Norden:
Möge bitte ein aufrechter Bayer ein Volksbegehren für ein absolutes und uneingeschränktes Stadionverbot für sich beim Wahlvolk einschleimende Politiker initiieren.
Alle fünf Minuten ins Bild geschnittene Merkels oder sonstige Volksvertreter/Regenten jedweder politischen Colour, die offenkundig nur deswegen im Stadion sitzen, weil sie hoffen, ein wenig vom Glanz des Spieles könnte auf sie abfärben, können einem jedenfalls wirklich jedes noch so schöne Spiel verleiden.
Ich erkenne die Nationalmannschaft nicht wieder. War früher das 1:0 oder 2:1 das, was man bei halbwegs guten Gegnern maximal erwaretn durfte, so scheint heute vier die neue eins zu sein.
Die vier klingt in meinen Ohren sehr gut, selbst wenn es gegen Spanien vielleicht nur 4:2 enden würde...
Gegen Holland im Endspiel dürfen sie gern auch höher gewinnen, So ein Stress wie 1974 im Endspiel in München muß ja nicht sein. Damals waren die Holländer aber fast überlegen, am Ende aber nur Zweiter geworden.
GRANDIOS!
Eines darf jetzt allerdings nicht passieren. Löw darf nie wieder Ballack aufstellen. Dieser Mann gehört zur Kategorie "Alter Fussball" Er hat mit dieser Mannschaft nichts mehr zu tun.
Nicht bös gemeint, Ballack.
Der Sieg gegen Argentinien war nicht nur einfach ein Sieg. 2:0, das wäre ein Sieg gewesen. Aber ein 4:0 ist eine Hinrichtung mit vorgeschalteter Tracht Prügel. Maradonna kämpfte am Spielfeldrand zu recht mit den Tränen. Sein Debut als Manager der argentinischen Nationalmannschaft wird wohl vorbei sein. Und das obwohl er diese Mannschaft mit einer beeindruckenden Serie von Siegen bis in dieses Viertelfinale geführt hat.