WM 2010: Der DFB-Kader "Le Mannschaft"

Eine Extrawurst, die kleine Überraschung, Gefahr durch Malta-Füße und die Angst der Franzosen vor dem Löw-Kader.

Eine Analyse der Nominierung von Johannes Aumüller und Thomas Hummel

Die kleine Überraschung

Ein waschechter Nobody ist unter den 27 Spielern des erweiterten WM-Kaders nicht zu sehen. Aber es muss in so einem Turnier-Kader ja auch nicht immer die ganz große Überraschung sein, wie zum Beispiel vor der WM 2006, als David Odonkor kam, oder vor der EM 2008, als Bundestrainer Joachim Löw den damaligen Zweitliga-Spieler Marko Marin berief - manchmal reichen ja auch schon kleine Überraschungen. Eine davon ist Dennis Aogo (23 Jahre/0 Länderspiele) vom Hamburger SV. Der Linksverteidiger hat in Löws Augen Marcel Schäfer als ersten Ersatz für Philipp Lahm abgelöst, weil er technisch und spielerisch das größere Können zeigte. Als DFB-Trainerassistent Hansi Flick anrief, "habe ich versucht, einen auf cool zu machen, aber hinterher habe ich mich riesig gefreut", sagte Aogo.

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Der Bayern-Block

Wer hätte vor drei Tagen noch geglaubt, dass sieben Profis des FC Bayern nach Südafrika reisen werden. Selbst zu besten Zeiten des Vereins, bei der WM 1974, waren nicht mehr dabei (Maier, Beckenbauer, Schwarzenbeck, Breitner, Hoeneß, Müller, Kapellmann). War die Nominierung von Torwart Jörg Butt noch dem Unglück von René Adler geschuldet, kam der Name Holger Badstuber nun doch überraschend. Die meisten Beobachter erwarteten eher die jungen Innenverteidiger Mats Hummels (Dortmund) oder Benedikt Höwedes (Schalke).

Badstuber hat wie seine Konkurrenten bislang null Länderspiele, schwimmt aber mit auf der Erfolgswelle seines Klubs und hat sich zuletzt in den großen Kämpfen auch international bewährt. "Man spürt eine gewisse Abgeklärtheit auch in den wichtigen Spielen", sagte Löw. Dieses Plus gab den Ausschlag. An Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger, Miroslav Klose und Mario Gomez gab es ohnehin keine Zweifel, auch an Thomas Müller führte nach den Leistungen zuletzt kein Weg vorbei. Und wer will schon darauf verzichten, im Zweifel so viele Triple-Gewinner wie möglich mit zur WM zu nehmen?

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Der Streichkandidat

Löws Ausführungen zu Thomas Hitzlsperger gehören zu jenen Formulierungen, die im Zweifel gegen den Bundestrainer verwendet werden können. Weniger wegen der Tatsache, auf den Lazio-Rom-Spieler Hitzlsperger zu verzichten, sondern vielmehr wegen der Begründung. Die mangelnde Spielpraxis sei für diese Entscheidung ausschlaggebend gewesen. Nanu, mag sich der gemeine Fußball-Fan denken, mit mangelnder Spielpraxis war doch auch bei den gesetzten Kräften Gomez und Klose was. Aber offenbar ist der Bundestrainer der Meinung, dass er Spieler wie Gomez, Klose und auch Podolski in der Vorbereitung auf Kurs bekommt, während das bei Hitzlsperger kaum möglich sein. Denn der frühere Stuttgarter braucht für seine Spielweise vor allem eins: Spielpraxis.

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Die Extrawurst

Dass Marcell Jansen von Bundestrainer Löw noch einmal eine Sonder-Einladung bekommen würde, ist zumindest verblüffend. War da doch das Spiel gegen Kroatien (1:2) bei der EM 2008, als ein desorientierter Marcell Jansen auf der linken Abwehrseite völlig überfordert war und das 0:1 mitverschuldete. Löw nahm ihn in der Halbzeit heraus, und weil die Niederlage den Bundestrainer fast den Job gekostet hatte, stand Jansen danach recht weit im Abseits.

Jetzt nominierte Löw den 24-Jährigen, obwohl er gerade noch einen Syndesmosebandriss auskuriert hat und gerade erst wieder ins Training einsteigt. Jansen sei "speziell zu behandeln", berichtete Löw, er habe ihn in der Vorrunde sehr überzeugt und wolle sehen, on Jansen bis Ende Mai wieder voll belastbar sei.

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Die Torwart-Überraschung

Dass Bundestrainer Joachim Löw neben Manuel Neuer und Tim Wiese den Münchner Jörg Butt als dritten Torwart mitnehmen will, war bereits vor der Pressekonferenz durchgesickert und insofern keine große Überraschung mehr. Dass sich Löw aber trotz deutlicher Nachfragen nicht auf eine Nummer eins festlegte, schon. Ob jetzt Manuel Neuer in Südafrika im Tor steht oder Tim Wiese oder vielleicht sogar Butt - nichts wollte Löw verkünden und nichts ausschließen. Wobei seine zurückhaltenden Worte zumindest bezüglich Jörg Butt der Höflichkeit geschuldet sein dürften. Oder wie könnte es der Bundestrainer der Fußball-Öffentlichkeit erklären, dass er sich zuerst für ein Torwart-Trio entscheidet und dann nach der Verletzung eines Trio-Mitglieds am verbliebenen Duo einen weiteren Mann vorbeischleust? Selbst, wenn dieser weitere Mann als deutscher Meister, deutscher Pokalsieger und Champions-League-Sieger anreist. Lesen Sie weiter auf Seite 2

Aus dem Labor von Q

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