Ein Handtor, viele fiese Tritte und fast eine Massenschlägerei: In einem am Ende unheimlich brutalen Spiel siegt Brasilien 3:1 gegen die Elfenbeinküste und qualifiziert sich fürs Achtelfinale. Doch ein wichtiger Spieler sieht Gelb-Rot.
Ein klarer 3:1 (1:0)-Sieg für Brasilien über die Elfenbeinküste, der die Seleção ihre Turnierform finden ließ und bereits ins Achtelfinale bringt, ging gestern Abend in der Johannesburger Soccer City vollständig unter im mächtigen Schatten des Monsieur Stephane Lannoy. Der französische Schiedsrichter brachte die Partie mit einer unfassbaren Vielzahl an Fehlentscheidungen an den Rand einer Massenschlägerei und des Abbruchs. Erst gab er einen bizarren Treffer Luis Fabianos, bei dem Brasiliens Doppeltorschütze den Ball zweimal mit der Hand führte. Dann ließ er reihenweise rotwürdige Fouls der Ivorer ungeahndet durchgehen, und am Ende schickte er Brasiliens Spielmacher Kaká vom Platz, der einem Schauspiel Keitas zum Opfer gefallen war.
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Explosionsgefahr hatte schon Stunden vor dieser aufgeladenen Partie geherrscht. Plötzlich stand eine Rauchsäule in Stadionnähe, und eine schwere Explosion verstörte die Menschen rund um Soccer City. Die Behörden beeilten sich, den Knall als "kontrollierte Explosion" durch eine Sprengstoff-Firma zu Testzwecken zu erklären. Warum die Öffentlichkeit über eine Detonation, deren Schockwelle bis ins Fernsehzentrum am Stadion reichte, nicht vorab informiert worden war, blieb offen.
Schwere Erschütterungen hatten auch Brasiliens Team heimgesucht nach dem dürftigen 2:1-Auftakt gegen Nordkorea. Im Epizentrum stand Kaká, der sein Formtief von Real Madrid nahtlos in die Seleção hinüber transportiert hatte und gegen die Elfenbeinküste schon auf Bewährung spielte. Vor der Partie hatte alles um die Fragen gekreist, wer ihn ersetzen könnte, falls er nicht in Form kommen sollte - zumal darunter ja auch Trainer Dungas Ein-Mann-Sturm litt: Luis Fabiano hatte in Ermangelung brauchbarer Zuspiele aus Kakás Offensivzentrale seit November nicht mehr getroffen.
So uninspiriert wie gegen Nordkorea
50 Sekunden waren gespielt, als sich Robinho mit einem Gewaltschuss als neuer Impulsgeber der Seleção empfahl. Eine Art provisorische Kaká-Nachfolge hatte er schon gegen Nordkorea angetreten, wo er nach der Pause als Spielgestalter in Erscheinung getreten und die Partie zum Besseren gewendet hatte. Gegen die Elfenbeinküste begannen die Brasilianer ähnlich uninspiriert wie beim Auftakt. Da hatte Dunga "zu langsames Passspiel" bemängelt, wirklich erreicht hat die Kritik seine Auswahl nicht. Abgesehen vom leichtfüßigen Robinho, dem letzten Vertreter des unter Dunga erloschenen Jogo-bonito- oder Schönspieler-Geblüts, erinnerte eigentlich nichts daran, dass hier die Führungsnation der Fußballwelt zugange war.
Aber womöglich war all das der Politik des konsequenten Understatements geschuldet, das die Seleção seit Dungas Stabsübernahme 2006 pflegt. Nach 24 Minuten war es just der schwächelnde Kaká - der bis dahin erneut keinen Fuß aufs WM-Gelände gebracht hatte - der an der Strafraumgrenze mit höchster Finesse den Ball für Luis Fabiano durchsteckte, ideal in den Lauf, ein humorloser Gewaltschuss unters ivorische Tordach - schon führte der Favorit mit 1:0.
Der Leitwolf kann's also noch: Das löste die Blockade in den Köpfen, nun wirkten die Brasilianer befreit. Und weil auch bei den Afrikanern die Fesseln abfielen, wurde das Match etwas offener. Allerdings nicht offen genug aus Sicht der Elfenbeinküste, um ihren Hoffnungsträger Didier Drogba wirkungsvoll in Szene setzen zu können. Er wirkte gehemmt, schon in den 15 Minuten gegen Portugal hatte der Torjäger den erst vor 16 Tagen gebrochenen Ellbogen mit (gut nachvollziehbarer) Vorsicht durchs Spiel getragen.
Vor dieser Partie war die Armmanschette erneut Gegenstand intensiver schiedsrichterlicher Untersuchungen, bevor es grünes Licht gab. Drogbas Einsatz war insofern eher als Ermunterung für seine Spielkameraden gedacht. Das hatte Brasiliens Kapitän Lucio schnell durchschaut: Nach 14 Minuten setzte er Drogba beim ersten direkten Zweikampf so hart zu, dass Schiedsrichter Lanno eine Ermahnung aussprach. Eine physische Attacke, die auf die Psyche des Angreifers gemünzt war - und Früchte trug. Von Drogba war lange nichts zu sehen.
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Erster Arbeitstag als Chef der Deutschen Bank
Champions-League-Finale
Immer daran denken: Was am Freitag geschah, war erst der Anfang. Deutschland wird seine "Reichsparteitage" künftig daheim feiern müssen, Serbien wird Weltmeister, denn:
Die Adler haben den Panzer zerschlagen (so die passende Überschrift bei RTS am Freitag)!
Wie kann denn die SZ-Redaktion übersehen haben, dass Kaka beim "Auflaufen" Keitas schön mit seinem Ellenbogen Richtung SolarPlexus eine Tätlichkeit begangen hat. Das hätte Rot sein müssen und nicht Gelb-Rot. (Und Gelb für Keita, fürs Schauspielern)
Hat da keiner das Spiel gesehen? Und die 5 Zeitlupen? Und wie Kaka nachher gegenüber Drogba behauptet hat da war nix?
Er hielt sich das Gesicht, obwohl die Abwehrreaktion von Káká an die Brust ging. Diese Schauspielereien werden durch die Kartenzieherei in Rot gefördert. Die Schiedsrichter werden ja üblicherweise zu schnell kritisiert. Nur in diesem Jahr nimmt es Überhand. Man kann nicht anders urteilen, dass viele Schiedsrichter sich verewigen wollen. Sie wissen, dass bei einer spektakulären Szene, sie von den Kameras aufgenommen werden. So haben sie fürs ganze Leben etwas, was sie von sich zeigen können. Ein Schiedsrichter, der das Spiel gut lenkt, fällt nie auf, also wird er kaum groß in Szene gesetzt. Das gefällt vielen eitlen Menschen nicht. Dazu gehört der Saudi, der heute das Spiel zwischen Chile und der Schweiz gepfiffen hat, auch. Der macht fast alles nur für die Kamera. Zurück ins Heim ist er dann der Hahn im Hause, stolz wie Oskar. Seine großen Töchter, seine kleinen Söhne, die Frauen des Hauses, alle werden sie stolz sein auf diesen Mann. Er hat sich verewigt. Solch ein Schiedsrichter ist mittlerweile zum 2. Mal eingesetzt worden. Man muss sich fragen, wo pfeifft der eigentlich? Doch lediglich in der saudischen Liga. Wie kommt die FIFA zu solchen Entscheidungen. Warum lassen sie bei solchen großen Turnieren nicht die Besten pfeiffen?
Mitglieder beider Mannschaften beten ja zum Himmel und bitten um Unterstützung vom lieben Gott. Aber was soll der Gott dann machen? Wie verhält er sich? Er muss ja einen bevorzugen. Wir müssen feststellen, der liebe Gott ist auch mehr der, der er mal war. Er übersieht auch immer mehr. Auf nichts kann man sich mehr verlassen.
... wird im allgemeinen überschätzt.
Das zeigt auch diese aus meiner Sicht unerquicklichste WM aller Zeiten. Und ja, ich mag den Sport eigentlich. ;-)
Schöne Grüße
csuess
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