Inzwischen jedoch tun sich selbst Miesmacher schwer, die bisherige Maradonashow am Kap nicht beeindruckend, lustig oder beides zu finden. Und wenn Messi und seine Eskorte wie gegen Mexiko sogar schlecht spielen und trotzdem lässig gewinnen - was soll dann schiefgehen, wenn sie gegen Deutschland womöglich sogar gut spielen oder zumindest so konzentriert wie kürzlich beim 1:0 in München?
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Das 1:0 im WM-Finale 1990: Andi Brehme verwandelt einen Elfmeter zum Siegtreffer. (© imago)
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Konservative fürchten weitere Triumphe dieser Albiceleste zwar auch. Maradona gilt als Anhänger der linksperonistischen Regierung von Cristina Fernàndez de Kirchner und ihrem Vorgänger/Gatten Néstor Kirchner, denen Gegner keinen Anlass zum Fest geben wollen. Es wird gezankt, um Inflation, Meinungsfreiheit und vermeintliche Geheimgeschäfte mit Venezuelas Präsidenten Hugo Chàvez, mit dem Maradona mal gegen Bush demonstriert hat.
Aber kein Vergleich mit der Diktatoren-WM 1978, als in Hörweite des Stadion Monumental, wo das Finale stattfand, Regimegegner gequält und ermordet wurden - der Folterkeller ESMA ist heute Gedenkstätte, die Mörder stehen vor Gericht. Und 1986 standen nach der Rückkehr zur Demokratie Generalstreiks und Hyperinflation ins Haus, und das 2:0 gegen die Engländer war die Rache für den verlorenen Krieg um die Falklands alias Malvinas.
Die Cartoonisten des Blattes Clarín regen in ihren täglichen Comics an, einen 1000-Peso-Schein mit Maradonas Kopf darauf einzuführen, falls man den Pokal erobere. "Ihr könnt mir alle mal einen...", soll als Motto darunter stehen. Bislang sind 100 Pesos das Größte, gut 20Euro, ihr Motiv würdigt den Massenmord an Indios. Die Wirtschaftskrise ist chronisch, doch es ging bergauf, und nach dem Staatsbankrott 2001/2002 war alles viel schlimmer.
"Der Strom war ausgefallen"
Das nächste Duell mit Alemania wird trotz des Politstreits einigermaßen entspannt erwartet. 63,3 Prozent der Fernsehzuschauer sahen, wie Maradonas Leute die Mexikaner hinauswarfen. Und die Rechercheure der Zeitung La Nación stellten erfreut fest, dass diesmal auffällig viele Spieler auf die Frage antworteten, wie sie Maradonas Geniestreichen 1986 erlebten.
1998 in Frankreich reagierte die damalige Passarella-Truppe gereizt auf die ewigen Vergleiche mit einst. "Es reicht", brummte Claudio López, und Ariel Ortega informierte: "Ich erinnere mich nicht, der Strom war ausgefallen." Ansonsten wartet Argentinien auf die finale Party am Obelisken: Maradona will ihn nackt umrunden, wenn alles klappt.
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Torwartlegende Sepp Maier im Interview. SZ am Wochenende Jetzt lesen ...
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(SZ vom 30.06.2010/dav)
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