WM-Affäre Zwanziger verweist auf andere

Theo Zwanziger sieht bei sich keine Verantwortung für die WM-Affäre.

(Foto: Patrik Stollarz/AFP)

Ihn treffe "keine Verantwortung" in der WM-Affäre, sagt der Ex-DFB-Präsident zum Vorgehen des Verbands, der etwaige Schadenersatzansprüche sichern will. Aus seiner Sicht tragen andere die Verantwortung.

Von Klaus Ott

WM-Affäre, nächster Akt: Fast alle schweigen, aber einer redet. Was der Deutsche Fußball-Bund (DFB) jetzt mache, sei "eine verständliche Maßnahme, um eine mögliche Verjährung zu verhindern". Sagt Theo Zwanziger, ehemaliger Präsident des weltweit größten nationalen Sportverbandes und heute einer derjenigen, bei dem der DFB etwaige Schadenersatzansprüche sichern will.

Ihn treffe keine Verantwortung für die WM-Affäre und drohende Schäden, andere "möglicherweise" schon, äußert Zwanziger im Telefongespräch mit der Süddeutschen Zeitung. Wen er damit meint, will der Ex-Präsident nicht sagen, das kann man sich aber denken. Es geht ganz offenkundig um Ex-Funktionärskollegen von Zwanziger. Und es geht um die Millionen-Schieberei vor der Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland, die vor wenigen Monaten aufgeflogen ist und die den DFB teuer kommen kann.

Schäden bis 25 Millionen Euro drohen

Also hat der Verband bei der Öffentlichen Rechtsauskunft- und Vergleichsstelle (ÖRA) in Hamburg einen Antrag auf Einleitung eines Güteverfahrens eingereicht, weil das als eine der einfachsten Möglichkeiten gilt, eine drohende Verjährung von Ansprüchen abzuwehren. Es drohen Schäden bis zu 25 Millionen Euro.

Betroffen sind, neben Zwanziger, der Vizepräsident des Organisationskomitees (OK) der WM 2006 war: Franz Beckenbauer, damals OK-Chef und bis heute Lichtgestalt; die seinerzeitigen OK-Vizes Wolfgang Niersbach (Ex-DFB-Präsident), Horst R. Schmidt (Ex-DFB-Generalsekretär) und der Beckenbauer-Vertraute Fedor Radmann; der Weltverband Fifa und der Testamentsvollstrecker des früheren Adidas-Chefs Robert Louis Dreyfus. Letzterer war ebensowie die Fifa auch in das Hin- und Herschieben von 6,7 Millionen Euro verwickelt, die am Ende in einer schwarzen Kasse des Weltverbandes gelandet sein dürften.

Vielleicht äußert sich Beckenbauer ja bei Sky

Radmann, Schmidt, Niersbach und Beckenbauer wollen das für die Fußballbranche ungewöhnliche Vorgehen des DFB über die ÖRA bislang nicht kommentieren (vielleicht äußert sich Beckenbauer ja doch, wenn er wieder als Fußballexperte bei Sky gefragt ist), anders als Zwanziger.

Der sagt, er habe beim DFB seit 2012 "mündlich und schriftlich wiederholt darauf hingewiesen, dass bestimmte Vorgänge untersucht werden müssen. Da ist aber nichts aufgeklärt worden." Insofern könnte das Vorhaben des DFB, eine Verjährung von Schadenersatzansprüchen zu verhindern, "auch diejenigen Personen treffen, die seit Juli 2012 beim DFB verantwortlich sind und seither nicht überprüft haben, ob der Verband Schadensersatz oder Rückforderungen geltend machen muss."

Zwanziger fährt fort, er betrachte "das Vorgehen des DFB, was meine Person anbelangt, mit großer Gelassenheit. Es wird sich zeigen, dass mich insoweit keine Verantwortung trifft, andere aber möglicherweise sehr wohl."

Zwanziger: "Keine Rechtsgrundlage für Forderungen gegen mich"

Frage der SZ an Zwanziger: Sind mit "anderen" folgende Amtsträger seit Mitte 2012 im DFB gemeint: der bisherige Präsident (das war Niersbach bis zur WM-Affäre), der für den Rechtsbereich zuständige Vizepräsident (das ist Rainer Koch), der Generalsekretär (das ist Helmut Sandrock), der bisherige Direktor Recht (das war der vom DFB im Zuge der WM-Affäre fristlos gekündigte Stefan Hans)? Zwanzigers Antwort: "Es geht auch um die Verantwortungsträger ab Mitte 2012. Ich möchte das aber im Moment nicht personalisieren."

Also keine Namen, auch wenn naheliegt, wer gemeint ist. Am Ende des Telefonats sagt Zwanziger: "Mein Anwalt hat dem DFB-Anwalt mitgeteilt, dass es keine Rechtsgrundlage für Forderungen gegen mich gibt. Wie soll denn derjenige, der aufklären wollte, seine Pflichten verletzt haben."