Wintersport: Ski Alpin Ein bisschen Raab

Der Parallel-Slalom in München hat sich gelohnt. Wer nicht versinken will im alltäglichen Sportbrei muss offen sein für neue Wege. Und sogar ein wenig von den TV-Shows lernen.

Ein Kommentar von Michael Neudecker

Günter Hujara hat am Montag einen schönen Satz gesagt: "Manche Sportarten haben seit Jahren denselben Schnupfen und wundern sich, warum sie nicht genesen." Hujara ist der Männer-Renndirektor im Ski alpin, und sein Verband müht sich gerade, dem Sport und damit auch sich selbst starke Abwehrkräfte gegen die Gefahren der Zukunft einzuimpfen. Als Gefahr Nummer eins droht: das Versinken im alltäglichen Sportbrei.

Der Sportfan ist heute auch Konsument, und als solcher wird er bedrängt mit Sportveranstaltungen und Spielen. Jeder will sich positionieren, jeder will ein paar Minuten auf der großen Bühne, weil die große Bühne der einzige Ort ist, an dem es das große Geld zu verdienen gibt. Im Tischtennis haben sie vor ein paar Jahren die Sätze auf elf Punkte reduziert, im Biathlon schießen sie auf Schalke, im Skispringen riskieren sie für die perfekte TV-Zeit sogar die Gesundheit ihrer Sportler.

Und im Ski alpin? Der Ski-Weltverband Fis war in den vergangenen Jahren bei vielen Entwicklungen schläfrig, Reformen werden erst dann diskutiert, wenn sie längst überfällig waren, wie nicht zuletzt die sonderbar uninspirierte Haltung zum Thema Sicherheit zeigt.

In München haben sich Verband und Skisport nun von ihrer wachen Seite gezeigt, das kam an. Wer mithalten will im Laufschritt der Moderne, der muss offen sein für neue Wege. Insofern war die Entscheidung der Fis, das City-Event als Weltcup-Rennen mit Weltcup-Punkten bis 2015 im Kalender am 2. Januar zu verankern, richtig.

Doch der Verband täte gut daran, diesen Tag als Ausnahme zu betrachten; wenn auch als gut funktionierende, dringend nötige Ausnahme. Einen Sport in seinen Grundzügen zu verändern, kann den Sport zerstören, das Münchner Rennen sorgte aufgrund der enorm kurzen Rennpiste auch für kritische Stimmen. Die Fis will in Zukunft zwei, vielleicht drei City-Events fixieren - die Grenze wäre da aber erreicht. Der Winter ist nur eine Jahreszeit, der Kalender ist ohnehin dicht bestückt.

Hujara hat am Montag auch eine Geschichte erzählt: Vor ein paar Jahren gab es fünf Veranstaltungen an einem Tag, Skispringen, zweimal Ski alpin, Langlauf, Nordische Kombination. Am Abend veranstaltete Stefan Raab ein Ski-Event in St. Anton, und Raab hatte mehr Zuschauer als die anderen fünf Ereignisse zusammen. Von Raab könne man lernen, findet Hujara - aber eben nicht zu viel. Am Ende muss Sport ja doch eines bleiben: Sport.