Wintersport Biathlon: Der große Coup des Erik Lesser

Erik Lesser war diesmal nicht zu schlagen - nicht einmal von Martin Fourcade.

(Foto: AFP)

Viel zu feiern hatte Erik Lesser in diesem Winter bisher nicht. Doch im Massenstart von Ruhpolding hängt der Deutsche plötzlich die Favoriten ab - auch für die deutschen Frauen läuft es gut.

Als Erik Lesser unter dem Jubel Tausender Fans erleichtert die Arme nach oben riss, waren die Diskussionen der letzten Wochen endgültig vergessen. Mehrfach war an der Form des Doppel-Weltmeisters gezweifelt worden, erst mit seinem überraschenden Triumph im Massenstart von Ruhpolding löste der Thüringer am Samstag als letzter deutscher Top-Biathlet das Ticket für die WM im norwegischen Oslo (3. bis 13. März).

"Ich wusste, dass ich's drauf habe. Heute hat alles gepasst. Läuferisch habe ich mich ganz gut gefühlt. Die Techniker haben hervorragendes Material zusammengebastelt", sagte Lesser.Erst einmal hatte er zuvor in seiner Karriere in einem Einzelwettbewerb gewonnen: WM-Gold im März 2015 in der Verfolgung von Kontiolahti. In einem reinen Weltcuprennen war es sein erster Triumph. Ohne Schießfehler setzte sich der 27-jährige Thüringer vor Martin Fourcade (Frankreich/1) und Jewgeni Garanitschew (Russland/1) durch.

Hildebrand verschießt den Sieg

Nicht ganz zum Sieg reichte es bei den Frauen für Franziska Hildebrand. Die 28-Jährige aus Clausthal-Zellerfeld setzte nach 19 Treffern ihren 20. Schuss daneben und musste sich noch der fehlerfreien Gesamtweltcup-Führenden Gabriela Soukalova (Tschechien) geschlagen geben. Für das vierte deutsche Doppel-Podium des Winters sorgte Laura Dahlmeier (Partenkirchen/2 Fehler) als Dritte. "Ich war mal ganz kurz nicht aufmerksam, dann ist mir der letzte Schuss noch weggegangen. Aber ich freue mich trotzdem, dass es wieder mit einem Podestplatz geklappt hat", sagte Hildebrand, die im Ziel "richtig platt war. Auf Neuschnee war es für mich richtig anstrengend."

Dahlmeier ärgerte sich ein wenig über ihren letzten Auftritt am Schießstand, bei dem sie ebenfalls patzte. "Mit null Fehlern hätte ich vielleicht noch gewinnen können, deswegen war der Fehler sehr ärgerlich. Die letzte Runde war dann bei der großen Konkurrenz sehr hart, und ich musste alles geben", sagte Dahlmeier. Die beiden deutschen Vorzeigeathletinnen werden immer mehr zu Dauergästen bei der Siegerehrung. Dahlmeier (4 Saisonsiege) stand bereits zum sechsten Mal auf dem Treppchen, Hildebrand (2) war zum fünften Mal dabei. Und das spiegelt sich auch im Gesamtweltcup wieder: Hinter Soukalova (611 Punkte) ist Hildebrand (520) weiterhin Dritte, die sechs Jahre jüngere Dahlmeier (482) liegt auf Rang vier.

Schempp wird beim Comeback Sechster

Vor 21.000 Zuschauern in der winterlichen Chiemgau Arena wurde Simon Schempp in seinem ersten Rennen im neuen Jahr mit zwei Schießfehlern Sechster. Zuletzt hatte der 27-Jährige aus Uhingen wegen einer hartnäckigen Grippe fast zwei Wochen pausieren müssen und war erst am Donnerstag ins Training auf Schnee zurückgekehrt. Der Staffel-Weltmeister hatte bislang alle Rennen in Ruhpolding verpasst. Vor der Weihnachtspause hatte er drei Saisonsiege eingefahren. Das starke deutsche Mannschaftsergebnis am vorletzten Tag des Heimspiels in Bayern machte Maren Hammerschmidt (Winterberg/2) als Fünfte bei den Frauen perfekt. Miriam Gössner (Garmisch/5) schaffte es trotz ihrer Probleme am Schießstand auf Rang 16, direkt dahinter landete Vanessa Hinz (Schliersee/3) auf Platz 17.

Bei den Männern kam Benedikt Doll (Breitnau/4) nicht über Rang 19 hinaus, dahinter wurden Andreas Birnbacher (Schleching/3) und Arnd Peiffer (Clausthal-Zellerfeld/7) 22. und 29..Zum Abschluss des Weltcups steht für die Frauen am Sonntag (11 Uhr/ZDF) das Staffelrennen auf dem Programm. Nach Platz zwei im Dezember in Hochfilzen soll auch im zweiten Teamwettbewerb der Saison eine Platzierung unter den Top 3 gelingen.