Rainer Schüttler unterliegt im Halbfinale Rafael Nadal in drei Sätzen. Der Spanier trifft im Finale auf einen Spieler, der nun schon sein sechstes Wimbledon-Endspiel bestreitet.
Am Ende sah es so aus, als hätte sich Rafael Nadal ins Finale gekämpft. Sein linkes Knie blutete. Auf der langen, weißen Hose, die der Spanier zum Tennis spielen trägt, bildete sich ein roter Fleck. Zusammen mit dem Muskel-Shirt und Nadals entschlossenem Blick ergab das ein martialisches Bild. Das aber trog. Mit 6:1, 7:6 (3) und 6:4 war Nadal gegen Rainer Schüttler ebenso souverän ins Wimbledon-Endspiel eingezogen wie zuvor sein großer Rivale, der Schweizer Roger Federer. Der Sieger der vergangenen fünf Jahre, besiegte in der Vorschluss-Runde den Russen Marat Safin 6:3, 7:6(3), 6:4. Im Finale kommt es an diesem Sonntag um 15 Uhr deutscher Zeit damit zum gleichen Duell wie in den vergangenen zwei Jahren.
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Rafael Nadal: Am Ende blutete er und siegte. (© Foto: Getty)
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Bei den French Open vor fünf Wochen waren sich Nadal und Federer ebenfalls im letzten Match der Veranstaltung gegenüber gestanden. Damals siegte Nadal souverän, doch Federer sagt selbstbewusst: "Hier sollte man mich nicht abschreiben. Das ist mein Teil der Saison - Wimbledon, Olympia, die US Open." Es klingt, als sei er entschlossener denn je, sein Revier zu markieren. Zum Saisonauftakt schwächte ihn das Drüsenfieber. Um seinen Schnitt von mindestens zwei Grand-Slam-Titel pro Saison halten zu können, auf den er in den vergangenen vier Jahren kam, braucht er die Wimbledon-Trophäe.
Zudem gibt es noch eine Marke, um die es ihm im Südwesten Londons dieses Mal geht: Er kann Björn Borg übertreffen. Der Schwede ist neben Federer der einzige Profi, der in Wimbledon fünfmal in Serie gewann. Genau darum aber geht es Nadal auch: Geschichte zu schreiben. Er wäre der Erste seit Borg 1980, der nacheinander in Paris und in London gewinnt. Auch Nadal wirkt grimmig entschlossen. "Wimbledon ist ein sehr wichtiges Turnier für mich. Ich gehe mit viel Selbstvertrauen ins Finale", sagte der 22-Jährige unmittelbar nach seinem Sieg gegen Schüttler. "Roger spielt gut. Ich aber auch." Wie Federer blickte er umgehend voraus.
Viel zum Reflektieren gaben die Halbfinals für die beiden allerdings auch nicht her. Wie Federer gegen Safin gewann auch Nadal gegen Schüttler den ersten Satz leicht. Bevor sich die Außenseiter versahen, waren sie schon ein Break zurück. Wie Safin gegen Federer erging es auch Schüttler im Tie-Break des zweiten Durchgangs gegen Nadal: Bei den wichtigen Punkten hatte er keine Chance. Nach 2:01 Stunden war das ungleiche Kräftemessen vorbei - im Vergleich zum epischen Viertelfinale gegen Arnaud Clément, das nur 21 Stunden vorher nach 5:12 Stunden Spielzeit zu Ende gegangen war, war es ein kurzer Auftritt. "Schüttler wankt in Nadals Blickfeld", hatte der Independent nach dem Kraftakt prophezeit. Aber auf die Müdigkeit alleine war das klare Ergebnis nicht zurückzuführen.
Die Souveränität der Souveräne
Beide Halbfinals bestätigten einen Trend, der sich schon zuvor abgezeichnet hatte: die Souveränität der Souveräne. Nadal und Federer sind in beeindruckender Manier durchs Turnier marschiert. Egal, wer am Ende gewinnt: Die beiden sind im Moment die dominierenden Figuren. Kein anderer beherrscht ähnlich viele ähnlich gute Schläge, kein anderer kann sich ähnlich spielerisch auf jeden Untergrund einstellen. Auch Novak Djokovic nicht. Der Australian-Open-Sieger musste früh erleben, was ihm noch fehlt, um die Spitze der Rangliste beanspruchen zu können: Erfahrung und Vielseitigkeit. Aber der Serbe ist erst 21. Wie viel einer in dem Alter in kurzer Zeit lernen kann, demonstriert Nadal. Er hat sich zuletzt am deutlichsten verbessert. Vor zwei Jahren stand er erstmals im Wimbledon- Finale. Hätte er sich damals auf Gras schon so leichtfüßig bewegt, wie er das jetzt tut - Federer hätte im Finale den ersten Satz nicht 6:0 gewonnen.
Seit 231 Wochen führt Federer die Weltrangliste schon an. Aber: Die Verfolger kommen näher. Und: Mit 26 ist es nicht mehr so leicht, etwas Neues zu lernen. Marat Safin hat das nach seinem Sieg im Viertelfinale anschaulich beschrieben. "Wenn man sich zum ersten Mal nach oben spielt, glaubt man, man könne fliegen", sagt der Russe: "Wenn dann die Erwartungen dazu kommen, wird es viel schwerer." Nach seinem Sieg bei den USOpen 2000 erreichte er noch drei Grand-Slam-Finals. "Da war der Druck so groß, dass ich kaum laufen konnte", sagt Safin, der zuletzt in der Rangliste so weit abgerutscht war, dass er bei großen Turnieren nur noch in der Qualifikation mitspielen durfte.
Das Spiel auf Gras hat ihm nie gelegen. In Wimbledon trat der 28-Jährige nach langer Zeit wieder einmal an, ohne dass irgendjemand irgendetwas von ihm erwartete. Und plötzlich löste sich der Knoten. Beharrlich arbeitete Safin sich ins Halbfinale vor. Er ist ein gutes Beispiel für den zweiten Strom, der sich durch die beiden Turnierwochen gezogen hat: die Rückkehr der Routiniers. Der 30 Jahre alte Franzose Arnaud Clément holte ebenso das Beste aus einer für ihn freundlichen Auslosung heraus wie der 32 Jahre alte Rainer Schüttler. Als Belohnung für den unerwarteten Sturm ins Halbfinale darf der jetzt vielleicht sogar noch einmal zu zu Olympia. Der Deutsche Tennis-Bund will ihn auf jeden Fall mitnehmen nach Peking.
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