Zwei EM-Quali-Spiele, ein Verdacht, keine Reaktion: Eine dubiose Affäre in Weißrussland dokumentiert einen fahrlässigen Umgang der Fußballverbände Uefa und Fifa im Kampf gegen Manipulationen.
Es war schon spät abends, und Wladimir Bereschkow saß noch im Büro, als ihn der Pförtner anrief. Gerade sei ein fremder Mann vorbeigekommen und habe ein Paket abgegeben, das sich Bereschkow, Chefredakteur der weißrussischen Sportzeitung Pressbol, unverzüglich anschauen sollte. Und als der Journalist an diesem Herbstabend des Jahres 2004 das Paket öffnete, staunte er ob des Inhalts nicht schlecht: Darin befanden sich Audiomitschnitte, auf denen zu hören war, wie jemand Spieler der weißrussischen Nationalelf bestechen und ihnen konkrete Ergebnisse für die EM-2004-Qualifikationsspiele gegen Tschechien (1:3) und gegen Moldawien (1:2) diktieren wollte.
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Eine Wettaffäre in Weißrussland wirft ein ungünstiges Licht auf die Fußballverbände. (© Grafik: sueddeutsche.de / Fotos: dpa)
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Mit dieser Episode in einem Minsker Journalistenbüro und dem daraufhin veröffentlichten Artikel "Operation Maulwurf" begann in Weißrusslands Fußball eine ziemlich dubiose Affäre, in deren Verlauf viele Unklarheiten blieben, in der es erstmals auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion zu einem staatlichen Gerichtsurteil zum Thema Spielmanipulationen kam - und in der die Fußballverbände Uefa und Fifa keine ruhmreiche Rolle spielten. Keine Rolle zumindest, die mit dem wortreich versprochenen Kampf gegen Betrügereien im Fußballgeschäft einhergeht.
Wie in vielen anderen osteuropäischen Ländern gilt auch in Weißrussland der Fußball als bestechungsanfällig. Und wie in vielen anderen osteuropäischen Ländern gilt die Motivation, daran etwas zu ändern, als überschaubar. Insofern hätte es nicht verwundert, wenn die Pressbol-Enthüllungen im Sande verlaufen oder auf der Tagesordnung irgendeiner nur formal existenten Ethik-Kommission gelandet wären. Doch im Fall der "Operation Maulwurf" zeigten sowohl der Fußballverband als auch die staatlichen Organe mehr Interesse. Die Ermittlungen liefen zäh, aber immerhin: sie liefen.
Mitte 2007 erreichten sie ihren Höhepunkt, als die Polizei den Mann vernahm, der mittlerweile als angebotsofferierende Stimme der Mitschnitte ausgemacht war: Walerij Schantalosow, zu dieser Zeit Torwarttrainer beim russischen Zweitliga-Klub FK Sibir Nowosibirsk und zuvor unter anderem Torwart der weißrussischen Nationalelf. Im September 2003 soll er im Trainingslager des Nationalteams mit Hilfe eines befreundeten russischen Sportjournalisten verschiedenen Spielern, darunter dem damaligen Torwart Gennadij Tumilowitsch, Geld geboten haben, um gegen Tschechien und Moldawien mit einer bestimmten Tordifferenz zu verlieren.
Walerij Schantalosow, 43, kann sich zwar vorstellen, dass es rund um die beiden Spiele zu Manipulationen kam. Aber dass er daran beteiligt war, das bestreitet er bis heute vehement. Die Mitschnitte, die auf so mysteriöse Art bei Pressbol landeten, die Artikel, die Ermittlungen, all das empfindet er als Intrige. Seine Erklärung: Der Journalist Bereschkow habe ihn erpressen wollen, Tumilowitsch mit ihm noch aus Aktiven-Tagen eine Rechnung offen und seine Reise zur Nationalelf einzig den Zweck gehabt, wegen einer Verletzung einen vertrauten Doktor zu konsultieren.
Gerichtsentscheid in Nowosibirsk
Und in der Tat bleiben manche Punkte der Affäre suspekt. Zum Beispiel diese: Wer gab Pressbol warum die Audio-Mitschnitte? Weshalb kooperierte die Zeitung so schnell mit den staatlichen Behörden? Wieso fand man nach einem Treffen zwischen Bereschkow und Schantalosow in der Jackentasche des Journalisten 10.000 Dollar?
Andererseits sprachen jedoch viele Indizien und Zeugenaussagen für Schantalosows Schuld, und Ende 2008 kam es am Gericht im russischen Nowosibirsk - das zuständig war, weil der Weißrusse dort zwischenzeitlich seinen Wohnsitz und seinen Arbeitsplatz hatte - zu einer Entscheidung. Schantalosow wurde nicht bestraft, aber er erklärte, dass er gegen eine Verfahrenseinstellung wegen Verjährung keinen Einspruch einlege. Was auf den ersten Blick gut für ihn aussah, hatte zugleich negative Konsequenzen: Kenner des russischen Rechts betonen, dass Schantalosow damit ausdrücklich nicht inhaltlich freigesprochen worden sei und dass er zudem sein "Recht auf Rehabilitierung" verwirkt habe.
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Whitney Houston ist tot
Dahin, wo reichlich Geld fließt, wollen alle. Warum soll das im Millionengeschäft Sport anders sein? Wo einst ehrenamtliche Funktionäre mit wenig Geld den Spielbetrieb organisierten und Amateure dem Ball hinterherliefen, werden heute Millionen verdient. Funktionärsposten werden vergoldet, Vorstände und Aufsichtsräte blähen sich auf, Kofferträger werden zu Managern, Ex-Balltreter ohne fachliche Vorbildung werden zu Managern oder rücken in Vorstände. Dank gutverdienender Medien gibt es statt miserabel bezahlter, örtlicher Journalisten jetzt ein Heer von gutbezahlten, nun auch weiblichen Journalisten, die in der Welt umherreisen, den Aktiven sogar in den Kabinen unsägliche Fragen stellen, tagelang beendete und bevorstehende Spiele "analysieren".
Dass sich im Schatten von gut funktionierenden Geldmaschinen auch dunkle Elemente breitmachen, weiß man nicht nur aus alten Boxsportfilmen. Mit Belügen und Betrügen will man leistungslos viel Geld verdienen. Denn der Niedrigste muss all das bezahlen. Opfer sind im Sport die Fans, in der Politik die Wähler und in der Wirtschaft die Kunden.
Wie bitte soll Weißrußland im Alleingang eine Ein-Tor-Niederlage gegen Tschechien garantieren? Das ist als würde Luxemburg bestochen werden, um mit einem Tor Unterschied gegen Deutschland zu verlieren! Gut - vielleicht nicht so extrem, aber es ist völlig unmöglich für die zu kontrollieren, daß das Spiel nicht ruck-zuck höher verloren wird!
...auch im fussball
wir haben ja die freie marktwirtschaft!
Nach dem Motto "Was nicht sein darf kann nicht sein" werden sämtliche manipulationen unter den Teppich gekehrt, sowohl beim DFB als auch bei der UEFA und FIFA. Nicht, dass der "Sport" Schaden erleidet und der Ruf des Fussballs gefährdet wird.
Zugegeben wird immer nur das, was man nicht leugnen kann und die Funktionäre decken das ganze System.
Hat jemand etwas anders bei dem Spitzenpersonal der Fifa erwartet?
Paging