Wetter bei Olympia Kopfschmerzen vom Eiswind

Helfer präparieren bei widrigen Witterungsbedingungen die Strecke - solche Bilder gab es zuhauf bei Olympia.

(Foto: dpa)
  • Das Wetter erschwert bei den Spielen in Pyeongchang in vielen Sportarten einen fairen Wettbewerb - es ist zu kalt und zu windig.
  • Bei einer Evaluierung über die klimatischen Bedingungen kam im Vorfeld der Spiele heraus, dass es keine Probleme geben sollte.
  • Dabei gilt die Region um Pyeongchang durchaus als windig.
Von Johannes Knuth, Pyeongchang

Die Frauen im Block links außen ließen sich nicht beirren, auch nicht von den Böen, die ihnen seit einer Weile ins Gesicht bliesen. Sie lächelten, sangen, zogen blutrot-blaue Fahnen durch den Wind, bei ihnen ging das alles synchron. Nordkoreas Showgruppe, die seit Tagen im Auftrag des Diktators Kim Jong-un ihre bizarr-perfekten Choreografien in den Arenen aufführt, hatte am Mittwoch eine Abordnung zum Slalom der Frauen entsandt.

Rund eine Stunde später, der Wind hatte den Start immer tiefer in die Mittagsstunden geschoben, reckten sie nur noch ihre Fahnen in den Wind, alle im selben Winkel, auch die Fahnen flatterten synchron. Noch etwas später, es wurde immer windiger, gönnte sich die Abordnung eine längere Schaffenspause; ihr Block war längst von Schaulustigen umgeben. Der Gesang kam nur noch aus den Lautsprecherboxen, dort wurde eine etwas gemütlichere Welt besungen: "When I met you in the summer ..."

Pistenhelfer leben gefährlich

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Eine gute Nachricht dieser Winterspiele in Pyeongchang ist ja diese: Die Wettervorhersagen sind sehr akkurat. Das Problem ist: Das darin vorhergesagte Wetter war bislang schlecht, zumindest für Wintersport im Freien. Erst war es kalt, dann windete es, dann windete ein Eiswind, der vielen Athleten aufs Gemüt schlug oder auf die Knochen. Die Kälte hatte am Mittwoch nachgelassen, dafür war der Wind zurück.

"Es ist so schlecht gekommen, wie es vorhergesagt war", sagte Atle Skaardal, der Renndirektor beim Ski-Weltverband Fis, nachdem er den Slalom abgesagt hatte. Aber er bleibe zuversichtlich. Was man halt so sagt, wenn man von vier alpinen Rennen in vier Tagen eines durchgekriegt hat. Das Biathlon-Einzel der Frauen fiel ebenfalls aus und wurde auf den Donnerstag vertagt. Ach ja, im Olympiapark im Küstenort Gangneung stellten sie den Betrieb im Freien ein, wegen Sturmböen.

Den Alpinen beschert der Wind nun ereignisreiche Tage vor dem zweiten olympischen Wochenende - und weiter zarte Kopfschmerzen. In der Nacht zum Donnerstag mitteleuropäischer Zeit standen der verschobene Riesenslalom der Frauen und die Abfahrt der Männer im Programm, mit besseren Wetterprognosen und den größten deutschen Hoffnungen: Viktoria Rebensburg und den Speed-Spezialisten um Thomas Dreßen. Am Freitag sollen der Super-G der Männer und der Slalom der Frauen stattfinden.

Das ist praktisch für den Fernsehzuschauer; es ist auch kein Problem für die Teams, die im Weltcup ohnehin mit eigenen Trainingscrews im Einsatz sind, meist am selben Tag. Nicht so gut ist es für die Nerven der Organisatoren. Die Männer hatten ihren Super-G eigentlich am Donnerstag (statt Freitag) fahren sollen, sie müssen nach ihrem verlängerten Aufenthalt sofort aus dem einzigen Hotel am Abfahrtsberg ziehen. Die Frauen sollen dort schon am Samstag ihren Super-G bestreiten. "Man kann sich vorstellen, dass die Organisation der Spiele äußerst daran interessiert ist, dass man keine Verschiebungen und Absagen hat", sagte der deutsche Alpindirektor Wolfgang Maier.

Die Nordischen Kombinierer bekamen das am Mittwoch eindrückklich zu spüren. Sie mussten zum Wettkampf von der Normalschanze anrücken - in genau jenem Wettkampfpark, den die Biathlon-Jury fast zeitgleich als zu windig klassifiziert hatte. Hermann Weinbuch, Bundestrainer der Nordischen Kombinierer, war mäßig begeistert, bei Windböen bis zu sieben Metern pro Sekunde. "Gefährlich war es nicht, aber es war halt Lotterie", sagte er: "Letztlich hat der Wind entschieden, wer die Möglichkeit hat, eine Medaille zu gewinnen oder nicht." Weinbuchs Athlet Eric Frenzel zog dabei immerhin den Hauptgewinn.

Bald brauchen sie den Notfallplan vom Notfallplan

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Lea Kühnel, Ski-Freestylerin aus Bremerhaven und qua Herkunft mit ordentlichen Böen vertraut, sagte nach ihrem ersten Trainingslauf: "Die nächsten Tage sollte man sich eher wieder auf den vollen Wind einstellen." Am vergangenen Montag hatte die Jury die Snowboarder unter unzumutbaren Bedingungen in den Slopestyle-Wettkampf gehetzt, die Deutsche Silvia Mittermüller zog sich bei dieser Gelegenheit einen Meniskusriss zu. Und jetzt?