Während sich Werder nach dem Pokalsieg mit einer komplizierten Saison versöhnt, wird bei Leverkusen mit dem baldigen Adieu von Trainer Labbadia gerechnet.
Das letzte Wort musste natürlich Otto Rehhagel haben, die Trainerikone aus einer längst vergangenen Zeit. Halbdrei in der Nacht schlug es bereits, als er im Bankettfoyer des Hotels am Tiergarten einen wortreichen Vortrag über seine Erkenntnisse zum Stand des Fußballs hielt.
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Bevorstehender Abgang bei Bayer? Leverkusens Trainer Bruno Labbadia (© Foto: Reuters)
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Jürgen Klinsmann kam darin nicht sonderlich gut weg, "vertikal gespielt und horizontal entlassen" lautete Rehhagels laut belachtes Fazit zur kurzen Amtszeit des freigestellten Bayern-Trainers.
Es sind außer Otto I. noch ein paar mehr gut gelaunte Gesichter zu sehen gewesen bei den Feierlichkeiten der Werder-Familie, die bis zum Sonntagmorgen den Berliner Triumph im DFB-Pokalfinale gegen Bayer Leverkusen begoss.
Man sah beispielsweise Dieter Eilts herzhaft lachen, Werders einstigen Mittelfeld-Kämpfer, der zuletzt beinahe Hansa Rostock in die Drittklassigkeit geführt hätte; und sogar Jürgen L. Born, der nach Vorwürfen zu angeblichen Unregelmäßigkeiten bei Südamerika-Transfers abgetretene Vorstandschef der Bremer, selbst er ließ sich ungeniert mit dem Pokal fotografieren. War da irgendwas?
Alles ist nun wohl wieder gut bei den Bremern, der Gewinn des DFB-Pokals und der damit geglückte Zugang durch die Hintertür in die neue Europa-League hat eine enttäuschende Bundesliga-Saison mit Platz zehn und das Niederlage im Endspiel des Uefa-Pokals gegen Donezk vergessen gemacht.
"Nicht viele Mannschaften bekommen es hin, in drei Wettbewerben vorn dabei zu sein", meldete stolz Sportchef Klaus Allofs, "deshalb ist es mit zwei Finalteilnahmen keine verkorkste Saison."
Mehr Fußball geschuftet als zelebriert
Und oben auf der Bühne erfreute Diego, der nun Abschied nimmt, die Bremer Partygäste mit seinen angeblich allerersten Worten auf deutsch: "Thank you for drei wunderbare Jahre", radebrechte der brasilianische Regisseur unter großem Beifall der Galagänger, ehe er sich mit den Kollegen dann bald ins wirkliche Nachtleben der Hauptstadt stürzte.
Die Leverkusener hatten vermutlich keine Chance gehabt gegen dieses irgendwie logische Rührstück um den kleinen Zauberer Diego und ihren scheidenden Kapitän Frank Baumann. Diego hat jetzt mit Werder doch noch seinen ersten Titel gewonnen und zieht nach Turin um. Und auch der stille Franke Baumann gab in Berlin eine beifallsumrauschte Abschiedsvorstellung.
Als er in der 58. Minute vom Feld ging, sichtlich bewegt und umarmt von den Kameraden, hielt sogar der unmittelbar zuvor von Mesut Özils Führungstreffer geschockte Gegner kurz inne. Leistenprobleme hätten ihn geplagt, berichtete später Baumann, der nun zum Januar an Allofs Seite in der Geschäftsführung einsteigen wird, sich vielleicht aber auch irgendwann "als Trainer versuchen" will, wie er eröffnete.
Kurz vor Baumanns emotionalem Adieu vom Rasen hatte Diego noch einmal beweisen, dass nur er in diesem mittelprächtigen Werder-Jahrgang den Unterschied auszumachen vermag.
Viel war zwar von ihm nicht zu sehen gewesen in diesem spielerisch enttäuschenden Endspiel, auch Diego schuftete mehr Fußball, als dass er ihn zelebrierte. Doch diesen einen Geistesblitz zum 1:0 lieferte natürlich er, Leverkusens entblößte rechte Abwehrseite um Gonzalo Castro durchschnitt sein Pass auf den mitgeeilten Özil mit chirurgischer Präzision.
Den satten Linksschuss des jungen Nationalspielers fälschte Manuel Friedrich noch leicht ab, Torwart René Adler sah auch in dieser Szene eher unglücklich aus. Ein abgefälschter Schuss bringt Millionen, auch das passte irgendwie zu diesem Vergleich zweier so spielstarker Teams, die diesmal mit all ihren Problemen im Mittelfeld der Liga gestrandet sind.
Labbadia sei noch immer der Richtige, sagt Völler
Entschieden war jedenfalls das Endspiel mit Özils Tor, weil die jungen Leverkusener trotz allen Eifers "wie schon in der Rückrunde die Durchschlagskraft gefehlt" habe, wie Trainer Bruno Labbadia zurecht anmerkte. Der kapitale Fehlschuss des blassen Patrick Helmes, den Renato Augusto freigespielt hatte (22.), und zwei späte Möglichkeiten von Stefan Kießling - viel mehr war da nicht.
Werders kompromisslose Achse um Torsten Frings und Abwehrchef Naldo hatte ansonsten die entscheidenden Zweikämpfe für sich entschieden, Labbadia wechselte zudem erstaunlich spät, in der 85. Minute. "Wir haben den Willen gezeigt und die Überzeugung, das schaffen zu können", sagte Werder-Trainer Thomas Schaaf gut gelaunt, nachdem er hinterher einige Sprints gegen seine mit gefüllten Bierkrügen bewaffneten Profis ziemlich kläglich verloren hatte.
Kollege Labbadia sah man derweil bei den dezenten Leverkusener Feierlichkeiten in einem alten Stadtbad am Prenzlauer Berg, wie er mit Bayers Sportdirektor Rudi Völler schon mal die offiziell für Dienstag angesetzte Aussprache zur Saisonbilanz simulierte.
Während unten im mit Teppich ausgelegten Pool Prosecco gereicht wurde, gab oben auf dem Balkon Völler den Ton an. In einer zweiten Folge seiner Mist-und-Käse-Rede schien er da zu wettern gegen Labbadia, der vor dem Spiel in einem SZ-Interview ungewöhnlich offen die Missstände im Verein angesprochen hatte.
Zu 90 Prozent habe der Trainer recht, raunten sich in Berlin die rheinischen Reporter zu, den Zeitpunkt dieses offensichtlichen Hilferufs eines ehrgeizigen Trainers sei diskutabel.
Kritik nach dem Finale oder einer Entlassung, wäre das aber nicht als Nachtreten empfunden worden? "Normalerweise ist man von dem Verein gewöhnt, dass es ruhig zugeht. Aber das ist nicht mein Interview, nicht meine Baustelle, wir haben uns jedenfalls nicht unprofessionell verhalten", meinte Patrick Helmes, der sich womöglich von Labbadias Kritik angesprochen fühlte.
Und Stefan Kießling antwortete auf die Frage nach der Zukunft des Trainers ausweichend: "Das ist schwer zu sagen, wenn man eine Rückrunde so katastrophal spielt."
Offiziell mochte Rudi Völler die wohl für beide Seiten feststehende Trennung nicht verkünden, "wir sind immer noch überzeugt, dass Bruno der richtige Trainer für unsere Mannschaft ist", sagte er. Vermutlich wird sich das zu Wochenbeginn schon wieder ganz anders anhören, in Hamburg gilt nun Labbadias Wechsel zum HSV als recht wahrscheinlich. Das letzte Wort in Leverkusen hätte dann Labbadia gehabt.
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(sueddeutsche.de/odg/aho)
Drogeriekette wird abgewickelt
J.Born: war da irgendetwas? Ja, da war etwas. Nämlich der Bericht von PWC mit dem Ergebnis, dass J.Born voll rehabilitiert ist und die Vorwürfe der Bereicherung nicht aufrecht erhalten werden können. Aber ich gebe zu: das musste man Samstag abend noch nicht wissen; diese Meldung ging in dem allgemeinen Pokal-Wirrwarr unter.
Ungeachtet dessen: die Deutschen können ja vieles nicht, ganz besonders schlecht sind sie in Eröffnungsshows. Und wer dachte, das Schlimmste überstanden zu haben, wurde nach Schlusspfiff eines Besseren belehrt. Wer - zum Teufel nochmal - ist dafür verantwortlich, dass 30 Sek. nach Abpfiff diese Mallorca-Hände-zum-Himmel-Bumms-Musik gespielt wird? Lebt der Mensch noch und wenn ja, warum?
Für einen halbwegs intelligenten Menschen wie mich, der 2 Mal pro Saison ins Stadion geht, ist es eine Beleidigung. So kann man einem die Freude über den Pokalsieg vermiesen.
Lebenslang grün-weiß