Nach einem Zweikampf und drei Paraden gegen den Hamburger SV lässt sich Bremens Torhüter Tim Wiese als Wahrsager und Psychologe feiern.
Womöglich ist am späten Mittwochabend in wenigen Sekunden über Tim Wieses weitere Karriere entschieden worden. Es war eine Szene in der 120. Minute. Der Torwart von Werder Bremen lief dem auf sein Tor zueilenden HSV-Stürmer Jonathan Pitroipa entgegen - mit der furchteinflößenden Entschlossenheit eines Duellanten, der auf keinen Fall den Kürzeren ziehen will. Hätte er Pitroipa nicht gebremst, wäre dieser allein mit dem Ball aufs Bremer Tor zugelaufen, und der Hamburger SV hätte mit einem 2:1 das DFB-Pokalfinale erreicht.
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Der Moment, in dem Usain Bolt einen neuen Konkurrenten witterte: Tim Wiese spurtet nach drei gehaltenen Elfmeter über den ganzen Platz. (© Foto: dpa)
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Wiese also schoss heraus aus seinem Tor, traf mit einem riskanten Tritt von oben den Ball - und erst dann den Angreifer, der schmerzverzerrt liegen blieb. Hätte Wiese bei seiner waghalsigen Aktion etwas weniger den Ball, dafür aber etwas mehr Pitroipa getroffen, wäre nicht nur der Rest des Abends anders verlaufen.
Wiese hätte die rote Karte gesehen und wäre als Sprüchekasper verulkt worden. Er war es schließlich, der das erste von vier Nordderbys in 19 Tagen zwischen dem HSV und Werder angeheizt hatte, mit Sätzen der Marke, man müsse dem HSV "gleich einen auf den Sack geben", um sich auch selber heiß zu machen.
Keine zwanzig Minuten nach dem Zweikampf mit Pitroipa war Wiese der Held des Abends. Drei Elfmeter - von Boateng, Olic und Jansen - hatte er beim Elfmeterschießen mit phantastischen Paraden gehalten, weshalb Werder "diese Lotterie" (HSV-Trainer Martin Jol) mit 3:1 gewann. Sodann war er, wie von einem Bienenschwarm gejagt, die gut hundert Meter zum Bremer Fanblock in Rekordzeit gelaufen. Die wirklichen Verfolger - die eigenen Mitspieler - kriegten ihn erst zu packen, als er am Ziel war. "Wenn wir frisch gewesen wären, hätten wir ihn vielleicht eingeholt", sagte Verteidiger Sebastian Boenisch, "aber so hatten wir keine Chance."
Es ist also, wie Wiese schon lange vor Mitternacht wusste, "unser und mein Tag geworden". Kollege Clemens Fritz überlegte, ob man ihm ein Denkmal bauen solle ("vielleicht nach dem Finale"), und Klaus Allofs sprach von einem "Riesenschritt" in der Karriere des Keepers. Er habe die "Reaktionen der Fans in Motivation umgewandelt und alles andere ausgeblendet", lobte der Geschäftsführer - das sei früher nicht immer so gewesen.
Wiese hatte sich als Erzfeind Nummer eins der Hamburger auch von fliegenden Bierbechern und Pfiffen der wildesten HSV-Fans in der Nordkurve nicht aus der Ruhe bringen lassen. Und so fragte Allofs spitz, ob der Bundestrainer Joachim Löw auch da gewesen sei. Oder habe gleichzeitig wieder ein Heimspiel von Hoffenheim stattgefunden? Dort, wo Löw bekanntlich gerne zuschaut.
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Es kann schon sein, dass Löw eher die "angepassteren" Spieler bevorzugt - vielleicht auch unbewusst und es steht außer Frage, dass man mit solchen Spielern wenig Probleme hat, wenn mal eine Entscheidung gegen sie gefällt wird.
Nur: die Nationalmannschaft verstehe ich als Kollektiv. Löw ist verantwortlich für den Erfolg und wenn er mit den "netten" Spielern besser zurecht kommt, wenn es nach Löws Meinung so besser funktioniert, und es tatsächlich einigermaßen gut funktioniert, dann finde ich diese Einstellung legitim.
Um es mal überspitzt zu formulieren: wenn ich ein team leite, das Erfolg haben soll, baue ich vielleicht auch nicht auf einen Querolanten - auch wenn er fachlich noch so gut ist. Das Team muss funktionieren um Erfolg zu haben.
Andererseits sind / waren auch gerade die Spieler, die Sie ansprechen: Hildebrandt , Kuranyi, Frings in einem Formtief. Also nur ihre Charaktere als Kriterium für die Ausbotung heranzuziehen, finde ich etwas unfair. In erster Linie hat bei allen die Leistung nicht gestimmt.
Auch Wiese ist jetzt leistungsmäßig keinesfalls besser als andere Nationaltorhüter. Wenn überhaupt, dann gleichwertig.
...darf vor dem Spiel auch ruhig eine große Klappe haben, aber nur dann! :o))
Tatsächlich scheint sich Wiese, ganz wie Kahn mit den Bananen, an sowas regelrecht "aufzupumpen". Aber auch als Werderfan sehe ich ihn für die National Mannschaft nicht auf eins. Wawerka hat mit seiner, wie immer hochwertigen, Ausführungen recht. Allerdings haben wir auf der Torwartposition in Deutschland mal echt das geringste Problem ;-) Die Engländer wären doch sogar froh, wenn sie einen Dimo Wache hätten!!!
Beste Grüsse Balldieb
Das mag ich aber gar nicht, wenn meine Kompetenz in Frage gestellt wird. Immerhin war ich Linksverteidiger in der C-Klassenmannschaft Fortuna Unterhaching II (Kreis München). Und ich spiele alle paar Wochen auf einem Kleinfeld. Und ich habe ein 4 Jahre altes Kaiserslautern-Trikot, einen Lautern-Schal, Lautern-Nummernschilderhalter (auch ein gutes Wort) und einen "Betzi". Ich weiß also alles über Fußball (und meine Parteilichkeit zu Gunsten Wiese hat nichts damoit zu tun, dass er aus der Gerry-Ehrmann-Schule für angehende Tarzans und Sonnenbankfetischisten kommt).
Jedenfalls habe ich das Gefühl, dass in der Nationalmannschaft unter Löw eher der Typus "Smart, Angepasst, Still" eine Chance hat, und weniger der Laute, Aggressive, Selbstbewusste. Dabei denke ich an die Behandlung von Hildebrandt (EM-Absage per Email oder SMS), Kuranyi (Dauerbanksitzer, trotz Entschuldigung Rückkerverbot) oder auch an die Ballack/Frings-Kontroverse im letzten Herbst.
Aus meiner überreichen Fußballerfahrung habe ich gelernt, dass eine Mannschaft Kämpfer und Techniker, Laute und Leise, Häuptlinge und Indianer braucht. Bei Löw gibt es mir zu viele freundliche Indianer. Und weil Wiese nicht in das Muster passt, wird er langsfristig auch keine Chance haben.
Joachim Löw beobachtet die Torhüter mit Sicherheit intensiver als du. Er sieht sie im Training, fährt zu Spielen, etc. Zudem sollte man immer berücksichtigen das ein Spieler in eine Mannschaft, in ein Spielsystem passen muss. Und wenn Löw das anders sieht, muss man das akzeptieren. Selbst wenn der Torwart Kahn heißt!
Davon mal abgesehn ist das Sprungvermögen von Tim Wiese sensationell. Wie locker er die Elfmeter aus der Ecke fischte, verdient höchste Anerkennung.
Sie haben Recht, was man über Wiese schreibt trifft auch auf Kahn zu.
Einen sehr guten Artikel zum Thema Wiese gibt momentan auf 11Freunde.de
Falls es Sie interessiert, hier ist der Link:
hatetepe://11freunde.de/bundesligen/119464?PHPSESSID=93b97b6adeca9a879155f30a26b7c88b
In den wird eigentlich alles perfekt beschreiben, was man über Wiese und seine Chancen in der Nationalelf sagen kann.
Dass die "kicker"-Rangliste nicht die ultimative Wahrheit (die es im Fußball ja eigentlich sowieso nicht gibt) darstellt, ist klar.
Und grade bei Torhütern ist eine Benotung natürlich schwierig, weil sie abhängig von der Klasse ihrer Abwehr sich oft eben nicht auszeichnen können. Ein Verteidiger, der im Spiel wenig zu verteidigen hat, kann sich ins Angriffsspiel mit einschalten und so seine Note "aufpolieren". Ein Torwart nicht. Andererseits kann man einem Torwart ja auch nicht einfach eine 1 oder eine 2 geben, weil er bestimmt gut gehalten hätte...wenn er nur was zu tun bekommen hätte.
Generell sind die Torhüter allerdings im Schnitt übers Jahr immer die mit den besten Noten beim "Kicker". Enke, Eilhoff, Benaglio und Neuer haben einen besseren oder wenigstens den gleichen Schnitt wie Ribery!
Ich sehe im Moment schon Enke am weitesten vorne, jedenfalls als "Gesamtpaket".
Für die Zukunft Manuel Neuer, einer der wenigen jungen Torhüter der wenigstens mal die Linie verlässt und versucht auch Flanken die weiter als 2 Meter vor der Linie runterkommen, abzufangen. Neuer muß allerdings weiter an seiner Konstanz arbeiten, er hat gelegentlich immer noch böse Aussetzer.
Aber natürlich bin auch ich der festen Überzeugung alles besser zu wissen als Bundes-Jogi ;-)
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