Von Andreas Burkert

Die Mannschaft des FC Bayern erfährt im Trainigslager in Marbella, dass mit dem neuen Trainer Jürgen Klinsmann im Sommer der Nationalspieler Tim Borowski kommt.

Nun sitzen sie also noch einmal zusammen vorne im Teambus des FC Bayern, der auch dieses Mal vorausgefahren ist und die Mannschaft in Empfang nimmt. Einige Spanier haben von der Ankunft der Deutschen am Flughafen Malagas gehört, sie machen Fotos von Franck Ribéry und Miroslav Klose, die Namen kennen sie auch an der Costa del Sol.

Werder verliert Tim Borowski. (© Foto: dpa)

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Uli Hoeneß und Ottmar Hitzfeld sind als Erste eingestiegen, weil sie nur mit Handgepäck nach Marbella abgeflogen sind; dafür aber, lässt sich vermuten, mit viel Sentimentalität. Dies hier ist die Abfahrt ins letzte gemeinsame Trainingslager der beiden, es gäbe demnach viel zu erzählen bis nächsten Samstag beim abendlichen Rotwein in der Hotelbar des La Quinta - zwischen dem Manager und seinem im Sommer scheidenden Trainer.

Aber noch ist Hitzfeld Angestellter der Bayern, und daran muss ja derzeit doch erinnert werden angesichts der sagenhaften Aufregung um Jürgen Klinsmann, der zum Juli die Nachfolge antritt. Und irgendwie ist der frühere Bundestrainer am Sonntagvormittag bereits mitgereist an die milde Küste Spaniens, obwohl Klinsmann fast zeitgleich seinen Rückflug in seine bisherige Wahlheimat Kalifornien antrat.

Die Anwesenheit des großen Themas lässt sich aus Hitzfelds Antlitz lesen, etwas mürrisch sieht er aus am Tag nach seinem 59. Geburtstag. Das hat womöglich weniger damit zu tun, dass ihm der Klub am Samstag vor dem Test gegen die chinesische Olympia-Auswahl kein Geschenk überreichte - sondern mit der Wucht der Personalie Klinsmann.

Druck gebe es ja immer beim FC Bayern, diese Weisheit hat Ottmar Hitzfeld auch am Wochenende wieder zitiert. Doch er hat ja im Flugzeug die vielen Zeitungen gesehen, mit denen sein Personal nach und nach den Boden auslegte. Und in der Berichterstattung dort scheint plötzlich nur noch die Zukunft des FCBayern eine Rolle zu spielen. Die Zukunft namens Klinsmann. Hitzfeld, die aufrechte Gegenwart, firmiert da schon ein bisschen als Vergangenheit.

Das alles sind seltsame Voraussetzungen für eine letzte Rückrunde, der Trainer sieht das aber ganz anders: "Alles ist geregelt, das ist doch jetzt eine entspannte Situation." Auch Hoeneß versichert, er mache sich "überhaupt keine Sorge um die Rückrunde". Für ein vorzeitiges Ende der Gegenwart gebe es "überhaupt keine Ansätze".

Hoeneß genießt den bis Freitag geheim gehaltenen Coup, außerdem werde die zeitige Personalentscheidung den Verein beruhigen. "Jetzt ist es gut, dass Jürgen so weit weg wohnt", ergänzt Hoeneß grinsend in Anspielung auf seine frühere Kritik an der Absenz des Bundestrainers Klinsmann. "Und er hat mir versichert, dass kein Journalist seine Privatnummer hat."

Klinsmann indes arbeitet längst an seinem Projekt, dessen Ziel ein "Energiefeld für die Spieler" ist. In diesem Feld wird im nächsten Sommer ein neuer Spieler auftauchen, der erste Transfer ist seit Sonntagabend offiziell. Im Trainingslager von Werder Bremen in der Türkei bestätigte Manager Klaus Allofs den Wechsel von Tim Borowski, 27, zu den Bayern.

Offiziell informiert worden sei er durch den Nationalspieler am Sonntag. Inoffiziell hatte er wohl schon vorher geahnt, dass Borowski nicht mehr zu halten war. Zum einen ist er im Sommer ablösefrei, dann gehen Spieler immer gerne. Zum anderen habe "ihn die Situation im letzten Spiel wohl auch nicht glücklich gemacht" (Allofs). Bremens Trainer Schaaf hatte ihn beim 5:2 gegen Leverkusen in der 31. Minute ausgewechselt. Eine Viertelstunde vor der Pause, direkt nachdem der Mittelfeldspieler die Vorlage zum 1:1 gab - für einen Profi die Höchststrafe.

Was Klinsmanns Pläne neben Borowski sonst noch so vorsehen, das würde auch bei den Bayern der ein oder andere allzu gerne wissen. Denn es herrschen derzeit zwar keine Angstzustände bei der stolzen Belegschaft des Rekordmeisters, doch von der Gestaltungskraft des sturen Reformers hat jeder schon gehört.

Zwar werde sich die Mannschaft grundsätzlich nicht sonderlich verändern in der kommenden Saison, sagt Hoeneß zu diesem Thema; dass der bisherige Betreuerstab weitreichend ausgetauscht und durch ein Heer polyglotter Modernisierer ersetzt wird, gilt aber als sicher. "Ich weiß, wie ich die Dinge zusammenbasteln möchte", sagte Klinsmann, der seine Pläne mit den Bayern-Verantwortlichen bei einem Abendessen abgestimmt hatte.

Bevor er nach Amerika abhob, hinterließ er noch schnell die Nachricht, er werde einen Trainerstab aufbauen, "der es in sich haben wird". Ob dazu auch sein alter Landsmann Guido Buchwald zählt, ist offen - zumindest hat der Klinsmann-Vertraute am Wochenende sicherheitshalber schon mal sein Interesse angemeldet. "Am besten wäre, man wüsste bald Bescheid, denn die Ungewissheit ist das Schlimmste", sagt jemand aus der angestammten Truppe.

Wie viel Reform Hoeneß und Rummenigge wirklich zulassen? Uli Hoeneß duldet solche Begriffe nicht: "Ich finde das, was Jürgen macht, ist gar nichts völlig Neues für uns."

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(SZ vom 14.01.2008/jkr)