Trotz der 0:1-Niederlage im DFB-Pokal führt Eintracht Braunschweig eindrucksvoll die Defizite von Werder Bremen vor - es fehlt an allem.
Später, als alle Erklärungen verbraucht waren, die Verletzungen, die späten Transfers, fehlende Frische an Körper und Geist, als also all das abgefrühstückt war, hatte sich Klaus Allofs in eine Ecke des Presseraums im Braunschweiger Fußballstadion verdrückt, in der Pflaumenkuchen und Butterbrötchen aufgebaut waren. Aber Appetit hatte der Manager nicht, weder auf Schnittchen noch auf weitere Analysen einer verheerenden Sommer-Vorbereitung seines Klubs Werder Bremen. Der Auftritt des Champions-League-Bewerbers Bremen beim Regionalliga-Viertletzten Braunschweig war, so sagte Allofs zerknirscht, ,,einfach ein Scheißspiel von uns''. Allerdings: ein gewonnenes Scheißspiel.
"Ein Scheißspiel". Auch Per Mertesacker, der Gelb-Rot sieht, dürfte der Meinung seines Sportdirektors Allofs sein. (© Foto: dpa)
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Zum Glück für die Bremer ist Fußball ein reiner Ergebnissport, weswegen die Bilanz trotz einer beschämenden Leistung um Längen besser ausfällt als in der vergangenen Saison: ,,Vor einem Jahr standen wir mit hängenden Köpfen in Pirmasens'', sagte Allofs, ,,von daher war das doch eine Steigerung.'' Tatsächlich hatte Werder damals beim Drittligisten nach Elfmeterschießen verloren, während sie diesmal durch ein Tor des neuen Stürmers Boubacar Sanogo in der 90. Minute mit 1:0 gewannen. Besser ist deshalb an der Weser nichts.
Die erste Runde im Wettbewerb um den DFB-Pokal erwischt die Profiklubs in einem seltsamen Zwischenstadium. Es ist nicht mehr ganz Vorbereitung, aber auch noch nicht richtig Saison. Entsprechend unrund greifen die Mechanismen einer auf Präzision getrimmten Fußballmannschaft ineinander, besonders bei einem prinzipiell technisch so versierten Ensemble wie Werder Bremen.
Dort haben sie erst spät im Saisonaufbau zwei zentrale Positionen besetzen können, die im halbrechten Mittelfeld (mit dem Brasilianer Carlos Alberto) und die des Abteilungsleiters Angriff (Boubacar Sanogo). Dazu weilten Stützen der Elf wie Naldo und Diego zunächst bei der Copa America und dann im verlängerten Urlaub, schließlich verletzten sich der Reihe nach elf Spieler aus beinahe allen Geschäftsfeldern einer Fußball-Mannschaft: Abwehrspieler Wome, Mittelfeld-Chef Frings, Kapitän Baumann, Angriffs-Talent Hunt, Fleißbiene Fritz, Brechstange Almeida, der Finne Pasanen oder der Däne Andreasen.
,,Nur ein Torwart fehlt noch'', ätzte der genervte Trainer Thomas Schaaf schon unter der Woche und blieb auch nach dem Spiel ungewohnt sarkastisch: ,,Wir schauen jeden Tag beim Training, wer in Frage kommt, vielleicht auszufallen.''
Und nächste Woche ist schon Bundesliga - die Wächter der Zeit sollten also gut aufpassen, dass nicht ein Bremer versucht, ihnen ein paar Tage vom Konto zu stehlen. Denn die extrem junge Elf von Zweitliga-Absteiger Eintracht Braunschweig, mit null Punkten aus zwei Spielen wenig verheißungsvoll in die Regionalliga-Saison gestartet, führte der Bremer Improvisation einer Mannschaft am Samstag gnadenlos vor, woran sie bis zum Auswärtsspiel in Bochum am kommenden Wochenende noch zu feilen hat: an allem. ,,Ich mache mir Sorgen'', sagte Klaus Allofs, weil eben Frische fehle, ,,geistig und körperlich''.
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