Unwucht im Kader: Der SV Werder braucht einen Stürmer und klopft beim Hamburger SV an.
Die eine Nachrichtenagenturen wusste von einem ,"platzierten Flachschuss'' zu berichten, die andere hatte einen "ansehnlichen Treffer nach Alleinlauf'' gesehen. Einig waren sich beide, dass hier ein Stürmer "einen vielversprechenden Einstand gefeiert'' habe (die eine Agentur); ein Stürmer, der "gleich beim ersten Einsatz für seinen neuen Klub alle Qualitäten gezeigt'' habe (die andere). Die Fachpresse war schwer beeindruckt vom neuen HSV-Angreifer Boubacar Sanogo, nur war die Berichterstattung leider etwas schwierig. Lobeshymnen zu verfassen war gefährlich, weil sie kurz nach Drucklegung schon nicht mehr aktuell waren.
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Boubacar Sanogo: der Flachschütze. (© Foto: dpa)
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Wer einen Treffer lobte, lief Gefahr, den nächsten zu verpassen: Sanogo traf - mit besagtem "platzierten Flachschuss'' - nicht nur im ersten Ligapokalspiel; auch in seinem ersten Bundesliga-, DFB-Pokal und Champions-League-Spiel erzielte der Mittelstürmer jeweils ein Tor für den HSV.
Ein Jahr ist das jetzt her, und wenn es die zwölf Monate dazwischen nicht gegeben hätten, müsste man sich nicht wundern, dass der große Nordrivale Werder Bremen gerade dabei ist, den Hamburgern diesen vielversprechenden Alleinläufer abzujagen. Es sei "Bewegung in die Sache gekommen'', sagt Werder-Sportchef Klaus Allofs, und auch der Hamburger Kollege Dietmar Beiersdorfer bestätigt Gespräche, bei denen "auch schon über Zahlen geredet'' worden sei. Aus beiden Klubs ist zu hören, dass wohl ein Transfer bevorstehe, ungeachtet des Interesses des Meisters aus Stuttgart.
Wer sich vor einem Jahr zufällig aus dem Fußballgeschehen ausgeklinkt hat, könnte das für einen folgerichtigen Transfer halten. Wer aber Sanogos Jahr verfolgt hat, dürfte zufällig eher überrascht sein über das unbeirrte Werben der Spitzenklubs. Im Grunde hat Sanogo, 24, nach seinen Premieretreffern den Torschuss eingestellt. Viermal hat er in 31 Bundesligaspielen getroffen, platzierte Flachschüsse kamen höchstens noch aus der Fankurve. Dort haben sie schnell begriffen, dass ein 3,8 Millionen Euro teurer Stürmer ein praktischer Sündenbock ist. Sie haben ihn ausgepfiffen und niedergebuht, und möglicherweise müsste man einen Manager, der einen Sündenbock mit Gewinn verkauft, mindestens zum Ehrenbürger Hamburgs machen. Sechs Millionen haben sie ja in Hamburg anfangs keck aufgerufen, und am Ende könnte man sich immerhin noch im Viereinhalb-Millionen-Bereich handelseinig werden. Aber gerne verkauft Beiersdorfer seinen Flachschützen nicht. Er weiß, dass man Stürmer an ihren Höhen messen muss, weshalb er ja auch sechs Millionen in den Mainzer Mohamed Zidan investiert hat - Geld, das er sich dank Sanogo gleich wieder zurückholen könnte.
Es wäre ein gefährlicher Transfer für den HSV, aber noch gefährlicher wäre er für Werder Bremen. Vor lauter Klose-Bashing ist dort bis zum 1:4 im Ligapokal gegen die Bayern ein wenig untergegangen, welche Qualität sie im Sturm da wirklich verlieren - und so droht den Bremern womöglich eine unerfreuliche Premiere. Bislang galt es als eine Art Transfergesetz, dass Werder den Verlust von bekannten, sehr guten Spieler genüsslich mit der Akquise von unbekannten, noch besseren Spielern kontert; umso erstaunlicher die Unwucht, die zurzeit im Kader steckt. Die Bremer haben in Carlos Alberto einen exquisiten Mittelfeldmann erworben, was in Tateinheit mit Diego, Borowski und Frings eines der besten Mittelfelder Europas ergibt. Allerdings hat es dieses Mittelfeld mit einem Sturm zu tun, der nicht mal in der deutschen Bundesliga betriebssicher ist - mit dem ausbaufähigen Markus Rosenberg, dem knielabilen Aaron Hunt und dem schwergängigen Hugo Almeida. Einen Könner vom Schlage Klose werden sie sich nicht mehr leisten können, nachdem aus dem geplanten Leihgeschäft mit Alberto am Ende ein acht Millionen schwerer Kauf wurde.
Fürs Erste wird den Bremern nichts übrig blieben, als das zu tun, was sie am besten können. Aus unglücklichen Begabungen glückliche zu machen, das war immer ihre Lieblingsdisziplin - und der begabte Sanogo war in Hamburg wirklich sehr unglücklich.
Torwartlegende Sepp Maier im Interview. SZ am Wochenende Jetzt lesen ...
(SZ vom 24.7.2007)
Drogeriekette wird abgewickelt
Welche Qualität im Werder-Sturm verloren gegangen ist, konnte man in der Rückrunde gut beobachten ;-) Wenn man ehrlich ist, hat der "Stürmer ohne Namen" auch in der Hinrunde nicht viel geleistet. Moment, ich korrigiere: gegen Mainz, Bochum und Posemuckel hat er getroffen - Hut ab. Weniger Sturm ging also nicht mehr.
Ein Risiko ist der Transfer - insofern unterscheidet er sich nicht von anderen. Werder war schon häufiger gut darin, Spieler zu entwickeln. Ich habe nicht gezählt, bei wievielen Abgängen es hieß: "Der Spieler X ist nicht zu ersetzen" (wer waren nochmal Ernst, Ailton, Ismael, Krstajic ...?). Wieviele Fehlschläge gab es bei Neuverpflichtungen in den letzten Jahren? KATS machen das schon. An Sanogo war man ja letztes Jahr schon dran, so ganz neu ist der also nicht.
Zwar habe ich erhebliche Bauchschmerzen, wenn für Sanogo 4-6 Mio Euronen ausgegeben werden; dies zeigt aber auch, dass die Verhandlungspartner von Werder um die finanzielle Situation nach diversen CL-Teilnahmen und K-Transfer wissen. Es würde mich mal wirklich interessieren, wie viele Faxe Allofs von Spielerberatern über mehr oder weniger bekannte Spieler bekommen hat, die zu ähnlichen Preisen feilgeboten wurden. Ob die weniger Risiko bedeutet hätten?
Gruß aus der Hauptstadt
soll man das jetzt als Rundumschlag gegen ausländische Spieler in deutschen Mannschaften sehen??
"Dabei können die auch nicht mehr als die deutschen Spieler, nur das Spielverständnis wird immer schlechter"
Dem kann ich gar nicht zustimmen. Und man kann auch einigen deutschen Mannschaften trotz vieler Ausländer keine Mangelnde Taktik und Spielanlage vorwerfen. Nehmen wir das Pokalfinale. Da standen zwei in der vergangenen Saison taktisch hochdisziplinierte und geschulte Mannschaften auf dem Platz (und in der Startformation waren 14 Ausländer vertreten).
Da sieht man, dass auch man Spieler aus den unterschiedlichsten Teilen der Welt zu einer funktionierenden Mannschaft zusammenbauen kann.
Und der Vergleich mit den internationalen Mannschaften klappt auch nicht. Bei Arsenal London z.B steht kein einziger Engländer in der Startformation.
servus
also bin schon seit 2 jahren der meinung dass dieser sanogo überschätzt wird
der wird bremen nicht weiterbringen, schade, als bayernfan wünsche ich mir schon ein starkes bremer team
die müssen halt nochmal 10 mille springen lassen, dann spielen sie nä jahr oben mit, in buli und cl
grüße
Schade, dass das mit dem Podolski und Werder Bremen nicht geklappt hat. Der würde zu dem neuen schnellen Linksaussen und präzisen Flankengeber Schindler passen wie die Faust auf´s Auge (vom Alter und von der Spielanlage als "Tank"). Das wäre ein Sturm-Duo für die Nationalmannschaft.
Aber die deutschen Bundesligaclubs setzen ja auf Ausländer. Weniger Nationalspiele. Dabei können die auch nicht mehr als die deutschen Spieler, nur das Spielverständnis wird immer schlechter. Wie sagte Herberger: "11 Freunde müßte ihr sein". Dass soll man mal versuchen bei 8 unterschiedlichen Nationalitäten und Mentalitäten. Da muss persönliche Brillanz die mangelnde Spielanlage und Taktik ersetzen. Kein Wort verstehen, aber immer: Ja, Chef. Und ständig ist einer beleidigt, weil er den anderen mißversteht.
Im Augenblick sind die deutschen Clubs noch nicht einmal Mittelmaß. Keine Mannschaft funktioniert wie ein in sich greifendes Uhrwerk und könnte damit die besser besetzten und technisch begabteren internationalen Mannschaften an die Wand spielen. Rehhagel konnte so eine Mannschaft formen. Und mit Spileerverkäufen aus dem vollen Sortiment verdiente Werder damals fast mehr Geld als mit allen Tribünenplätzen. Weil der die Talente erkannte und entsprechend in der Mannschaft einsetzte. Die spielten dann dort wie die jungen Götter, weil es einfach passte. Schaaf ist gut, aber er hat eben nicht dieses Talent, Begabungen zu erkennen und zu fördern.