Auf der Reise zum Rückspiel im Uefa-Cup-Achtelfinale nach St.Etienne schleppt der SV Werder auch Neuigkeiten zu Claudio Pizarro mit.
Claudio Pizarro war spät dran, aber guter Dinge. Fröhlich wie immer schlenderte der peruanische Stürmer von Werder Bremen am Dienstagmorgen an den Check-in-Schalter für den Sonderflug nach Lyon, an dem fast die ganze Mannschaft ihre Sporttaschen für die Auswärtsfahrt zum Spiel am Mittwoch nach St. Etienne schon aufgegeben hatte. Pizarro, 30, stellte brav sein Reisegepäck aufs Band, nahm ohne große Formalitäten seine Bordkarte in Empfang und fuhr, wortlos lächelnd alle Mikrofone ignorierend, die Rolltreppe nach oben zum Abflug. Nur eine Notebook-Tasche hing lässig über seiner Schulter und machte das Bild perfekt. Pizarro, im schwarzen Werder-Ausgehanzug mit schwarzem Hemd, schwarzer Krawatte und den polierten Lederschuhen, sah aus wie ein Manager auf Geschäftsreise.
Werder Bremen: Diego und Pizarro freuen sich über Tore. (© Foto: AP)
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In Trikot und kurzen Hosen gefällt der Peruaner seinem Arbeitgeber derzeit aber besser denn als Profi in Nadelstreifen. Die ungeklärten Vorwürfe, Pizarro sei über die in Lima ansässige Agentur Image selbst als Spielerberater tätig - was die Statuten verbieten -, begleiten jeden Auftritt des Spielers. Am Montag, als er noch redete, hatte er gesagt, er sei nie als Berater tätig gewesen. Er habe nur "in die Agentur investiert". Peru, klagte Pizarro, sei zwar ein "großes, schönes Land. Aber leider gibt es dort Menschen, die übel sind." Und neidisch.
Pizarros Tore haben Werder zuletzt sportlich extrem geholfen. Er traf beim Pokalsieg in Wolfsburg (5:2) ebenso wie beim 4:0 gegen den VfB Stuttgart, da gar mit einem Traumtor aus zwanzig Metern. Aus seinem Auftreten auf dem Trainingsplatz und seinen guten Leistungen im Spiel schließt Sportdirektor Klaus Allofs auch, dass die Geschichte um angebliche Spielerberatertätigkeit und Steuerhinterziehung, die in Peru im Raume steht, "Claudio nicht belastet". Der Druck wird allerdings größer: Die Staatsanwaltschaft in Lima gab bekannt, dass Vorermittlungen gegen Pizarro und seinen Manager und Geschäftspartner Carlos Delgado eingeleitet würden. Der Vorwurf: Geldwäsche.
Werder würde den vom FC Chelsea bis Saisonende ausgeliehenen Angreifer gerne weiter verpflichten, die aktuelle Situation aber treibt den Klub in die Enge. Eine schnelle Aufklärung wäre zwar wünschenswert - käme jedoch heraus, dass Pizarro tatsächlich selbst Spieler beraten hat (etwa seinen Landsmann Roberto Silva, der 2001 als ein Nachfolger für kurze Zeit an die Weser gewechselt war), würden die Fußballverbände das mit Sanktionen bestrafen und womöglich sofort vollziehen. Das würde den Klub, der noch um DFB-Pokal und Uefa-Cup kämpft, sportlich schwächen. Dauert die Aufklärung aber länger, liegen so lange die Transferbemühungen auf Eis. Werder, sagt Allofs, wolle den Spieler zwar aus "sportlichen und menschlichen Gründen" behalten, "aber wir müssen die Untersuchungen in Peru abwarten". Unterdessen hat Werder Bremen selbst die Fußballverbände DFB, Uefa und Fifa gebeten, die Firma Image auf eine unerlaubte Tätigkeit ihres Spielers zu überprüfen.
Der Rechercheauftrag gehört zum Aufklärungsprogramm des Aufsichtsratsvorsitzenden Willi Lemke. Nach wie vor sucht ein Wirtschaftsüprüfungsinstitut auch nach Spuren möglicher Untreue im Zusammenhang mit dem zurückgetretenen Vorstandschef Jürgen Born. Der hat Zahlungen von Delgado erhalten, die er bisher nicht erklären konnte.
Trainer Thomas Schaaf redet inzwischen nur noch über Sport, nicht mehr über Geschäfte. Das sportliche Zwischenhoch - Werder hat inklusive des 1:0-Hinspielsieges gegen den AS St. Etienne vier Mal in Serie zu Null gespielt - soll dabei weiter die Führungskrise abmildern. Zweckdienlich wäre in Frankreich ein Auswärtstor. Gerne auch von Claudio Pizarro.
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(SZ vom 18.03.2009/jüsc)
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