Weltfußballverband im ZwielichtDas System Fifa ist erschüttert

Korruption, Betrug und undurchschaubare Figuren: Die Führung des Fußball-Weltverbandes ist seit langem umstritten. Jetzt stellt Fifa-Boss Sepp Blatter sein Amt zur Verfügung, weil gegen zahlreiche seiner Vertrauten ermittelt wird.

Der Weltfußballverband und Joseph Blatter sind im Fokus der Schweizer Behörden und des FBI: Ende Mai wurden kurz vor dem Fifa-Kongress in Zürich sechs Funktionäre festgenommen, außerdem hat die Schweizer Staatsanwaltschaft rund um die Vergaben der Fußball-Weltmeisterschaften 2018 an Russland und 2022 an Katar ein Strafverfahren eröffnet. Die Razzien und die Festnahmen verhinderten Blatters Wiederwahl zunächst nicht - doch am 2. Juni verkündete Sepp Blatter völlig überraschend seinen Rücktritt.

Von Jonas Beckenkamp

Führungskräfte ließen sich schmieren, Wahlen sollen durch Bestechung zustande gekommen sein und sportpolitische Gegner werden einfach ausgeschaltet. Es ist vermutlich schwer, eine Organisation zu finden, die ein schlechteres Image hat als die Fifa. Nun beschäftigen sich endlich Polizei und Staatsanwaltschaft mit den unzähligen Vorwürfen.

Schon im Dezember 2012 stand ja fest: Blatter hat von Schmiergeldzahlungen in Millionenhöhe bei der Fifa gewusst. Seine früheren Kollegen João Havelange und Ricardo Teixeira sind der Korruption überführt und Blatter hatte Kenntnis davon, stellte unlängst ein Schweizer Gericht fest. War aber kein Grund zur Panik für den Verbands-Patriarchen: Er sagte, die Zahlungen der Marketingfirma ISL an die Funktionäre seien zur damaligen Zeit (2001) kein Vergehen gewesen. Dem nicht genug: Die WM 2006 in Deutschland sei gekauft gewesen, stellte der Schweizer fest.

Doch ein Blick zurück zeigt: Die Fifa ist ein Verband mit größtenteils sehr umstrittenen Strukturen und Geschäftsgebaren.

Bild: dpa 2. Juni 2015, 19:202015-06-02 19:20:47 © SZ.de/jbe/hum/bön