Weltfußballerin Nadine Keßler Hineingefallen ins Rampenlicht

Weltfußballerin des Jahres 2014: die Wolfsburgerin Nadine Keßler

(Foto: AFP)

Sieben Knie-Operationen in zwei Jahren - Nadine Keßler stand kurz davor, ihre Karriere beenden zu müssen. Jetzt gewinnt sie die Wahl zur Weltfußballerin. Und sorgt für den ergreifendsten Moment des Abends.

Von Matthias Schmid

Auf dem roten Teppich war Nadine Keßler kaum jemanden aufgefallen. Die Klatschreporter und Fotografen interessierten sich für ihre schillernde Kollegin Marta, die mit einem Kleid daherkam, für das wohl ein Tornetz herhalten musste. Oder natürlich für Cristiano Ronaldo, den Beau. Elegant war auch Keßler gekleidet, passend zum stilvollen Rahmen. Ein kurzes Foto für die Fachpresse, mehr wurde von ihr nicht verlangt.

Drinnen im Kongresszentrum von Zürich rückte sie später aber ins Blickfeld der Weltpresse, mitten hinein fiel sie ins Scheinwerferlicht. Die Wahl zur Weltfußballerin des Jahres traf die Mittelfeldspielerin des VfL Wolfsburg unvorbereitet. Die 26-Jährige begegnete dem besonderen Moment dennoch gewandt, ihre Worte waren die ergreifendsten des Abends. "Mein Herz schlägt bis zum Hals", bekannte sie. Pause. Ein Schlucken. Dann erst sprach sie weiter, tief bewegt: "Ich hätte nie im Leben damit gerechnet, hier zu stehen. Dennoch wird alles durch die Tragödie um Junior Malanda überschattet. Der ganze Verein ist zutiefst erschüttert."

Promi-Faktor schlägt innovative Botschaft

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Es sagt viel aus über die Nationalspielerin, die nach Birgit Prinz und Nadine Angerer erst die dritte Deutsche ist, die diesen Titel gewinnen kann, dass sie an diesem für sie so fröhlichen Abend an den tödlich verunglückten Wolfsburger Fußballer erinnerte. Hinter Keßler selbst liegen schwierige Zeiten, mehrmals war sie kurz davor, ihre Karriere als Fußballerin vorzeitig beenden zu müssen. Allein sieben Mal musste sich die gebürtige Pfälzerin zwischen 2008 und 2010 nach einem Knorpelschaden am linken Knie operieren lassen. "Es prägt dich einfach, dass du immer wieder aufstehen musst", erzählte Keßler: "Verletzungen vermitteln dir eine ganz andere Wertschätzung für das, was du tust. Ich genieße jede Sekunde mit dem Ball auf dem Feld extrem."

Auch in diesen Tagen schmerzt ihr Knie, nach einer Meniskusoperation verpasste sie den Trainingsauftakt des deutschen Meisters. Doch ihr Arbeitsethos und der Wille, nicht aufzugeben, haben sie auf dem Rasen zu einer der prägendsten Figuren im Weltfußball gemacht und ihr schon den Titel als Europas Fußballerin beschert. "Sie ist unser Leader auf dem Platz, reißt mit ihrer Art und mit ihrer Körpersprache die Mannschaft in schwierigen Situationen mit", sagt Wolfsburgs Trainer Ralf Kellermann, der in Zürich als bester Frauenfußballtrainer des Jahres ausgezeichnet wurde.

Im Champions-League-Finale spielte sie mit gebrochenem Zeh

Gemeinsam gewannen die beiden im vergangenen Jahr Meisterschaft und Champions League. Gerade das Endspiel in Lissabon offenbarte die Stärken von Keßler auf dem Rasen, sie verkörpert Bastian Schweinsteiger und Toni Kroos in einem. Nach einem 0:2-Rückstand bereitete sie mit einem herrlichen Solo den Siegtreffer zum 4:3-Sieg gegen Tyresö FF vor. Im Jahr davor hatte sie das siegreiche Endspiel mit einer Schiene an der Hand und einem gebrochenen Zeh gespielt, letzteren hatte sie sich "komplett betäuben" lassen.

Die Mühen haben sich ausgezahlt. Nach der Verleihung verlangten die Fotografen doch noch ein Foto von Keßler. Gemeinsam mit Cristiano Ronaldo. Auch diesen Auftritt meisterte sie in ihrer gewohnt zurückhaltenden Art.