Wegen Millionen-Zahlung DFB erwägt Strafanzeige gegen Zwanziger

Der DFB denkt über eine Anzeige gegen ihn nach: Theo Zwanziger

(Foto: dpa)
  • Der DFB erwägt eine Strafanzeige gegen den früheren Verbandspräsidenten Theo Zwanziger wegen Verdachts der Untreue.
  • Es soll um die Umstände der Überweisung von 6,7 Millionen Euro auf ein Fifa-Konto gehen.
Von Hans Leyendecker und Klaus Ott

Einflussreiche Kreise im Deutschen Fußball-Bund (DFB) erwägen eine Strafanzeige gegen den früheren Verbandspräsidenten Theo Zwanziger wegen Verdachts der Untreue. Das erfuhr die Süddeutsche Zeitung aus dem Führungszirkel des DFB. Bei der Anzeige soll es um die Umstände der Überweisung von 6,7 Millionen Euro auf ein Genfer Konto des Weltverbandes Fifa im Jahr 2005 gehen. Nach Angaben des DFB wurde der Millionenbetrag für das "Kultur-Programm" bei der Fußball-WM 2006 gezahlt.

Laut Darstellung des Spiegels soll das Geld von dem Genfer Fifa-Konto auf ein Konto des früheren Adidas-Chefs Robert Louis-Dreyfus in Zürich weitergeleitet worden sein. Angeblich habe Dreyfus im Jahr 2000 eine schwarze Kasse gefüllt, die dazu gedient habe, mit dem Kauf der Stimmen von Fifa-Funktionären die WM 2006 nach Deutschland zu holen. Bei der Überweisung der 6,7 Millionen Euro über den Umweg Fifa habe es sich um die heimliche Rückzahlung des Geldes an Dreyfus gehandelt, so der Spiegel.

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Zwanziger, der damals Vizechef im Organisationskomitee (OK) für die Weltmeisterschaft war, soll gemeinsam mit seinem Kollegen Horst R. Schmidt die Überweisung der 6,7 Millionen Euro an die Fifa veranlasst haben. Schmidt war OK-Vize und DFB-Generalsekretär. Der Verband hat Schmidt bei dessen Pensionierung als "Markenzeichen" des deutschen Fußballs bezeichnet. Der heutige DFB-Präsident Wolfgang Niersbach, der damals ebenfalls dem WM-OK angehörte, schließt "kategorisch" aus, dass es bei der Bewerbung um das Turnier schwarze Kassen gegeben habe. Man habe mit "lauteren Mitteln" gearbeitet, sagte Niersbach bei der Eröffnung des Deutschen Fußball-Museums in Dortmund. Es gebe aber einen "offenen Punkt", räumte Niersbach ein. Man müsse sich die Frage stellen, wofür die 6,7 Millionen Euro verwendet worden seien.

Für die Zahlung will der DFB nun offenbar vor allem Zwanziger verantwortlich machen, der sich mit dem Verband seit Längerem eine heftige Fehde liefert. Das Geld soll angeblich für eine lange geplante, dann jedoch abgesagte Eröffnungsgala der WM gedacht gewesen sein. Das Bundesinnenministerium erklärte auf Anfrage der SZ, man habe bei einer "Sichtung der hier vorliegenden Unterlagen" keine Hinweise auf Zahlungen des OK an die Fifa in Höhe von 6,7 Millionen Euro im Hinblick auf die Eröffnungsgala gefunden; ebenso wenig wie Hinweise auf eine "geplante oder eine tatsächliche Kostenbeteiligung des OK an der Gala". Das Innenministerium hatte intensiv mit dem OK kooperiert und war in dessen Aufsichtsrat vertreten.

Der DFB prüft diese Vorgänge. Sollte sich herausstellen, dass es keinen Anlass für die Zahlung gegeben hat, will der Verband offenbar nicht nur Strafanzeige gegen Zwanziger stellen, sondern auch das Geld von der Fifa zurückzufordern. In DFB-Kreisen wird nicht ausgeschlossen, dass die Frankfurter Staatsanwaltschaft von sich aus ermittelt. Die Staatsanwaltschaft hat einen Prüfvorgang eingeleitet.

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