Wappen von Juventus Turin Ein Logo wie eine Marco-Reus-Frisur

Das Logo von Juventus Turin voher (l.) und nachher

(Foto: Juventus Turin/www.juventus.com)

Ausgerechnet der traditionsreichste Serie-A-Klub Juventus verpasst sich ein globalisierungstaugliches Wappen. Was für ein Fehler!

Von Christopher Gerards

Wer verstehen will, wie ernst diese Angelegenheit ist, der muss nur zwei Wörter googeln: "Juventus" und "Tattoo". Ein solches haben sich besonders in Italien ja schon einige Anhänger stechen lassen: Juventus-Logo auf dem Rücken, Juventus-Logo auf den Waden, Juventus-Logo auf dem Unterarm - gibt's alles inzwischen, ma certo! Die Einigkeit von Körper und Klub, von Schulter und Logo, das ist Amore, Liebe - eine ewige Verbindung. Oder?

Doch jetzt gibt es bei Juventus Aufregung ums Klubwappen. Italiens Fußball-Rekordmeister hat sich ein neues Emblem verpasst, als Teil einer Image-Kampagne. Eine globale Marke wollen sie künftig sein in Turin, und deshalb schmückt ab dem Sommer ein neues Vereinslogo alles, was mit dem Klub zu tun hat (außer eben bislang tätowierte Waden, Rücken und Unterarme der Fans). Ausgerechnet Juve! Die Alte Dame, wie die Reporter sie so schön melancholisch rufen, dieser Klub, für den traditionsreich eine rechtschaffene Untertreibung ist - dieser Klub will jetzt "BLACK AND WHITE AND MORE" sein. Auf Englisch! "Um weiterhin zu gewinnen, muss sich unser Ansatz weiterentwickeln. Dieses neue Logo ist ein Symbol des Juventus-Lebenstils", hat Präsident Andrea Agnelli verkündet. Expandieren wollen sie, zur globalen Marke wachsen. Und deshalb haben sie, nunja, ein Zeichen gesetzt.

Sie haben das ja schon öfter gemacht in Turin. 1905 gab es ein neues Logo, 1921 wieder eines, wie auch 1929, 1931, 1940, 1971, 1990 und 2004. Aber mit Ausnahme einer Phase, in der ein Zebra das Logo darstellte, verzichteten sie auf größere Experimente: ein Oval mit schwarz-weißen Streifen - das war formschöne Beständigkeit, das war Juve, das ging unter und auf die Haut. Und jetzt? Repräsentieren ab Juli zwei Striche den Klub, ein weißes J neben einem weißen etwas. Ein Logo wie eine Marco-Reus-Frisur, so schnittig wie herzlos.

Auf den Social-Media-Kanälen vermuten sie schon, die Striche seien die Anfahrtsskizze zum neuen Stadion, das würde wenigstens passen zum Gedanken, ein globales Publikum anzusprechen. Eine "Schande für die Geschichte" des Klubs sei das Logo, schrieb jemand im Netz. Wenigstens Pavel Nedved, früherer Mittelfeldspieler und blondgelocktes Vereinsidol, hat eine freundlichere Meinung zur Causa: "Direkt, als ich das J sah, mochte ich es wirklich", hat er in einem Image-Film gesagt. Und der Klub ließ wissen, das Design lasse einen an den Satz des früheren Klubpräsidenten Gianni Agnelli denken: "Ich freue mich jedes Mal, wenn ich in der Zeitung ein Wort sehe, das mit J beginnt." Juventus, schon klar. Aber halt auch: Juckreiz. Jauche. Jahresabschlussprämie. Hmm.

Eine pompöse Party hat der Klub jedenfalls gefeiert, um sein neues Ich zu präsentieren. Der Komponist und dreifache Oscar-Gewinner Giorgio Moroder legte als DJ auf, und das neue Logo war auf alles gedruckt, was nicht bei Drei K oder L sagen konnte: Auf Rucksäcke, Ketten, sogar aus Schuhen hatten sie ein J gebaut. So gesehen kann man es als Akt zivilen Ungehorsams werten, dass Verteidiger Patrice Evra in rotem Anzug erschien (BLACK AND WHITE AND MORE!). Und, das nur nebenbei: Die Party, auf dem Juventus Turin sein neues Logo vorstellte, stieg im Museo Nazionale della Scienza e della Tecnologia Leonardo Da Vinci. Das liegt in: Mailand.

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